Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Vorsorge für den Ernstfall - Was bei Patientenverfügungen wichtig ist

Hamburg (dpa/tmn) Schicksalsschläge können jeden treffen. Für Situationen vorzusorgen, in denen man nicht mehr allein entscheiden kann, ist daher sinnvoll. Mit einer Patientenverfügung wird festgelegt, was medizinisch unternommen werden soll, wenn dieser Fall eintritt.

Vorsorge für den Ernstfall - Was bei Patientenverfügungen wichtig ist

Eine Patientenverfügung sollte möglichst eindeutig sein. Denn nur dann können die Wünsche des Patienten auch umgesetzt werden. Foto: Kai Remmers

Eine schwere Erkrankung ist für die meisten nicht vorauszusehen. Dennoch sollte man Vorkehrungen treffen, damit im Ernstfall Ärzte und Angehörige erfahren, ob man bestimmte Behandlungen wünscht oder ablehnt. «Zunächst muss ein Arzt immer das Leben verlängern», sagt Christoph Kranich, Patientenberater von der Verbraucherzentrale Hamburg. «Wenn jemand per Patientenverfügung jedoch eine andere Priorität wählt, dann muss der Arzt dies berücksichtigen und ist an die Erklärung gebunden.»

Allerdings muss die Patientenverfügung unmissverständlich sein. Und genau hier liegt das Problem, wie Alfred Simon, Leiter der Akademie für Ethik in der Medizin in Göttingen, erklärt: «Die meisten Formulare für Patientenverfügungen sind nicht eindeutig. Es gibt fast immer Klärungsbedarf, was sie im Einzelnen bedeutet», sagt Simon.

Sätze wie «Ich möchte nicht an medizinische Apparate angeschlossen werden» oder «Ich möchte in Würde sterben», sind nicht eindeutig, betont Kranich. «Was genau jeder Einzelne darunter versteht, kann sehr unterschiedlich sein», begründet er. Die Verbraucherzentrale rät deshalb von Vordrucken ab. «Den Text sollte jeder selbst schreiben. Je klarer ist, dass die Formulierungen von einem persönlich stammen, desto eindeutiger ist die Verfügung für die behandelnden Ärzte.»

Wiebke Cornelius von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland in Rostock rät kranken wie gesunden Menschen zu einer anderen Form der Vorsorge. «Wir halten die Patientenverfügung nicht für das wichtigste Dokument. Wichtiger ist, eine Vorsorgevollmacht zu haben. Denn man benötigt die rechtliche Grundlage, um Dinge regeln zu können, wenn die erkrankte Person das nicht mehr allein kann», erklärt die Beraterin. Die Patientenverfügung ist dagegen allein auf Gesundheitsangelegenheiten beschränkt.

Bei einem Verlust der Urteilsfähigkeit benötigt man jedoch auch für alle anderen Bereiche Hilfe, etwa für die Regelung der persönlichen Finanzen. «Die Tatsache, dass man eng verwandt ist, genügt nämlich nicht, um für den Erkrankten die Entscheidungen zu treffen», warnt Cornelius. Dies sei ein weit verbreiteter Irrglaube.

Liegt zum Beispiel der Ehepartner im Koma, benötigt man eine Vollmacht, um über dessen Angelegenheiten entscheiden zu dürfen. Hat der Angehörige diese nicht erteilt, wird vom Gericht ein gesetzlicher Betreuer beauftragt. Dies kann zwar der Ehepartner oder ein anderes Familienmitglied sein, jedoch stehen regelmäßige Kontrollen an. Der Betreuer muss dem Gericht Rechenschaft ablegen.

Patientenberaterin Cornelius rät daher, frühzeitig einen engen Vertrauten zu bevollmächtigen, um eine gesetzliche Betreuung zu vermeiden. Dabei sollten unbedingt die Gesundheitsangelegenheiten in die Vollmacht mit aufgenommen werden. Möglich ist auch, die Vorsorgevollmacht mit einer Patientenverfügung zu kombinieren.

Für Gesundheitsangelegenheiten sollte neben einer Vertrauensperson auch der Hausarzt mit in die Überlegungen einbezogen werden, rät Simon. «Die Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht sollte kein Ersatz für eine Beratung mit dem Arzt sein.» Alle Inhalte über die pflegerische und ärztliche Versorgung werden dabei möglichst genau besprochen.

Insbesondere die Patientenverfügung sollte alle zwei Jahre erneuert werden, damit sie nicht zu alt ist, etwa weil neue Diagnosen dazu kommen, empfehlen Verbraucherzentralen und die Unabhängige Patientenberatung. Sie muss in Schriftform vorliegen und unterschrieben sein. «Am besten man lässt die Erklärung zusätzlich von einem Zeugen, idealerweise dem Hausarzt, unterschreiben, der erklärt, dass man zum Zeitpunkt der Erstellung urteilsfähig war», rät Verbraucherschützer Kranich.

Mit der Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Patienten eine oder mehrere Vertrauenspersonen, sie zu vertreten, wenn sie selber nicht mehr entscheiden können. Mit der Betreuungsverfügung benennt man dem Gericht eine Person, die für den Fall, dass eine gesetzliche Betreuung eingerichtet werden muss, als Betreuer eingesetzt werden soll. Oder man legt seine Wünsche fest, die ein zukünftig eingesetzter Betreuer berücksichtigen soll. Die Patientenverfügung schließlich richtet sich vor allem an die behandelnden Ärzte, aber auch an Betreuer und Bevollmächtigte. Sie regelt die Art und Weise der erwünschten Behandlung. Die verschiedenen Verfügungen können getrennt oder kombiniert aufgesetzt werden.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Haltungsform angeben

Verbraucherschutz: Verarbeitete Eier kennzeichnen

BERLIN Bei losen Eiern können Supermarktkunden auf einen Blick sehen, wie die Hühner leben. Verbraucherschützer pochen jetzt darauf, dass dies auch für verarbeitete Eier gilt - zum Beispiel in Pudding. Die Kennzeichnung soll auch auf Speisekarten in der Gastronomie auftauchen.mehr...

Wirtschaft

Nacktjogger und Kinderlärm: Streitthemen im Sommer

Berlin (dpa/tmn) Nacktjogger, Frustzwerge und lautstarke Gartenfeste sorgen dafür, dass das juristische Getriebe auch von Juni bis September in Bewegung bleibt. Auf den Schreibtischen der Richter landet eine Vielzahl an kuriosen Streitigkeiten rund um Sommerthemen.mehr...

Wirtschaft

Kosten für Gartenarbeit von der Steuer absetzen

Berlin (dpa/tmn) Wer seinen Garten nach dem Winter instand setzen lässt, kann die Ausgaben dafür von der Steuer absetzen. Hausbesitzer können dabei laut der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund in Berlin zwei Steuerboni ausschöpfen.mehr...

Wirtschaft

Finanzamt an Kosten für Gartenarbeit beteiligen

Berlin (dpa/mn) Gartenarbeit kann teuer sein - besonders wenn Expertenhilfe in Anspruch genommen wird. Eigenheimbesitzer haben die Möglichkeit, einen Teil der dabei entstandenen Kosten von der Steuer abzusetzen, erklärt die Eigentümergemeinschaft Haus & Grund.mehr...

Wirtschaft

Party im Garten: Was Nachbarn dulden müssen

München (dpa/tmn) Liege und Sonnenschirm raus - und entspannen: Im Sommer ist der heimische Garten für viele ein Urlaubs- und Rückzugsort. Da ist es umso ärgerlicher, wenn die Erholung durch den Nachbarn zunichtegemacht wird.mehr...

Wirtschaft

Blick über den Zaun: Nachbarschaftsstreit im Sommer

Berlin/Karlsruhe (dpa/tmn) Der Grill qualmt, der alte Herr nebenan raucht auf dem Balkon und die Kinder von gegenüber toben im Garten-Planschbecken: Im Sommer steigen die Anlässe für Nachbarschaftsstreit sprunghaft an.mehr...