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Vorwurf: Ehefrau eingesperrt und sexuell ausgebeutet

BOCHUM Handelt es sich bei dem 25-jährigen Angeklagten um einen eiskalten Menschenhändler, oder wurde er einfach "nur" von einer Prostituierten hinters Licht geführt? Das ist die Frage, die derzeit die 9. Strafkammer des Bochumer Landgerichts klären muss.

von von Elmar Venohr

, 13.08.2008

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft haben es jedenfalls in sich. So soll der 25-jährige Bochumer, ein gebürtiger Marokkaner mit deutschem Pass, in seinem Heimatland einer jungen Frau zunächst seine Liebe vorgespielt und sie dann geheiratet haben.

In "Bestie" verwandelt

Als das Pärchen später in Deutschland lebte, soll sich der liebe und fürsorgliche Ehemann in eine "Bestie" verwandelt haben. Die Frau wurde laut Anklage in der Bochumer Wohnung eingesperrt, geschlagen und zur Prostitution gezwungen. Brachte sie nicht die geforderten 800 Euro am Tag nach Hause, soll es Schläge gegeben haben. Möglicher Tatzeitraum: Anfang April bis Mitte Mai vergangenen Jahres.

Der Angeklagte ließ sich gestern zum Prozessauftakt über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Pindur, zur Sache ein. Der stellte klar, dass sein Mandant zunächst in Marokko Urlaub gemacht hätte. Dort habe man sich nach einem Trinkgelage "zwei Prostituierte gegönnt". So sei denn auch der Kontakt zu der Frau zustande gekommen. Vielmehr, so Pindur, habe sie seinem Mandanten dann die Hochzeit vorgeschlagen, um in Deutschland als Prostituierte mehr Geld als in Marokko verdienen zu können. Für die "Scheinehe" soll der Angeklagte seinerzeit satte 5000 Euro kassiert haben.

Situation "zu heiß"

Der weitere Plan der beiden sah dann so aus: Das Pärchen wollte bis zum unbefristeten Bleiberecht der Frau verheiratet bleiben. Als seinem Mandanten schließlich die Situation jedoch "zu heiß" geworden sei und eine weitere vereinbarte Zahlung von 10000 Euro ausblieb, "da wollte er die Reißleine ziehen und alles beenden", so Pindur.

Opfer sagt aus

Schließlich trennte sich das Ehepaar dann - egal welcher Vorgeschichte man Glauben schenken will.

Gestern sagte auch das mutmaßliche Opfer aus. Die 28-jährige Frau lebt inzwischen in Dortmund. Die Anklagevorwürfe hat sie im Zeugenstand bestätigt.