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Die erste Hauptschule im Münsterland ist Geschichte

Georgschule abgerissen

Die letzten Hauptschüler in Vreden bekommen am Freitag ihre Zeugnisse, die Georgschule wird abgerissen. Ein ehemaliger Schulleiter erinnert sich an die Anfänge der neuen Schulform.

Vreden

, 28.06.2018
Die erste Hauptschule im Münsterland ist Geschichte

Vom Gebäude der Georgschule an der Schabbecke ist nur ein riesiger Schutthaufen übrig. © Victoria Thünte

Von der ehemaligen Georgschule ist nur noch ein großer Schutthaufen übrig. Heute werden die letzten Schüler verabschiedet. Damit ist die Hauptschule in Vreden nach 50 Jahren Geschichte. Victoria Thünte hat mit dem ehemaligen Schulleiter Hermann-Josef Eblenkamp über die Anfänge der Hauptschule in Vreden und die Besonderheiten dieser Schulform gesprochen.

Das Gebäude, in dem Sie so lange gearbeitet haben, ist Geschichte und mit dem heutigen Tag auch die Georgschule. Wie fühlt sich das an?

Bestürzend und traurig. Ich war fast jeden Tag da und habe den Abriss mit Trauer beobachtet. Schließlich kannte ich jeden Quadratzentimeter dieses Gebäudes. Aber ich denke mit Freude zurück an meine 27 Jahre in der Schulgemeinschaft und freue mich, dass sich die Schule unter Leitung von Ewald Kernebeck und Gisela Huning sowie Birgit Kentrup und Claudia Seewald-Lanca positiv weiterentwickelt hat.

Die erste Hauptschule im Münsterland ist Geschichte

Hermann-Josef Eblenkamp, hat die Georgschule von 1968 bis zu seiner Pensionierung 1995 geleitet. Vorher war der 86-Jährige im Kreis Coesfeld tätig, ist für die Stelle nach Vreden gezogen und wohnt noch heute hier. © Victoria Thünte

Wie hat denn alles angefangen?

In den 60er-Jahren wollte die Landesregierung das Volksschulwesen in NRW neu ordnen. 1967 wurden zunächst fünf Hauptschulen in NRW als Versuchsschulen gegründet, eine davon in Vreden durch einen Sondererlass als katholische Bekenntnisschule. Die St. Georgschule war die erste Hauptschule im Münsterland. So wurden dann ab dem 10. Oktober 1967 die Schüler der Klassen fünf bis neun aus den Volksschule St. Norbert, St. Marien, Lünten und aus der evangelischen Schule im Gebäude der St. Norbertschule zusammengefasst.

Wie wurde die neue Schulform in Vreden angenommen?

Sehr gut. Im ersten Jahr hatten wir schon 605 Schüler, 1978 waren es 753 Schüler. Der Zuspruch war so groß, dass 1969 eine zweite Hauptschule gegründet wurde, die 1972 nach dem Umzug in das neue Gebäude an der Schulstraße den Namen Walbertschule erhielt.

Warum war die Hauptschule so beliebt?

Das lag zum einen daran, dass wir Pflichtschulen waren. Das heißt, dass alle Schüler, die nicht zum Gymnasium gingen, auf die Hauptschule gehen mussten. 1979 zum Beispiel wechselten 70 Prozent der Grundschüler nach der vierten Klasse auf die Hauptschule. Zum anderen hatten wir aber auch ein sehr attraktives Unterrichtsangebot. Wir haben neben Deutsch, Religion, Geschichte, Erdkunde, den Naturwissenschaften, Kunst Sport und Musik in Mathe und Englisch die Leistungsdifferenzierung angeboten. Aber es gab auch Neigungsdifferenzierung in AGs und Kursen zum Beispiel für Theater, Niederländisch, Kunst, Sport oder Maschinenschreiben.

1968 haben Sie die Schulleitung übernommen. Im nächsten Jahr ist die Schule in das neue Gebäude an der Schabbecke gezogen. Wie war das damals?

Das Gebäude wurde noch nach dem System der Volksschule gebaut. Es gab also vier Türme rund um die Aula mit Klassenzimmern in drei Stockwerken und dementsprechend lange Wege für die Lehrer. Es standen 16 Klassenräume zur Verfügung. Wir hatten aber bis zu 749 Schüler in 25 Klassen, mussten also Funktionsräume mit Klassen belegen und zeitweilig bis zu fünf Klassen auslagern nach Doemern und in die evangelische Schule.

Gab es sonst noch Probleme?

Wir hatten neben der Raumnot mit Lehrermangel zu kämpfen. Bis zu 28 Prozent der Stellen waren zeitweise unbesetzt. Etwas ungerecht fanden wir, dass die Gesamtschulen von der Landesregierung mehr Lehrer und eine bessere Ausstattung bekommen haben.

Was hat die Georgschule ausgemacht?

Die Schüler wurden in beiden Hauptschulen gut auf das Berufsleben vorbereitet. In der neunten und zehnten Klassen gab es Betriebspraktika und das Fach Arbeitslehre stand auf dem Stundenplan. Die Schüler haben im Werkraum viel praktisch gearbeitet. Da wurde nicht gebastelt, sondern da wurden auch technische Modelle gebaut. Jeden Donnerstag gab es einen Schulgottesdienst in der ersten Stunde. Der fiel nie aus. Seit 1974 haben wir alle zwei Jahren einen Weihnachtsbasar veranstaltet. Rund 30.000 D-Mark kamen jeweils zusammen. Das Geld haben wir für Haus Früchting, ein Krankenhaus in Indien und mehrfach für Projekte von Pater Beda gespendet. Wir haben auch viele Ausländer aufgenommen und ganz selbstverständlich in den Schulalltag integriert. Zeitweise gab es auch einen türkischen Lehrer. In all den Jahren haben Lehrer, Eltern und die Vredener Betriebe sehr gut zusammengearbeitet.

Jetzt gibt es in Vreden keine Hauptschule mehr. Wie ist es dazu gekommen?

Seit der Gründung der Realschule vor 20 Jahren sind die Anmeldezahlen zurückgegangen. Außerdem ist landesweit das Ansehen der Hauptschule gesunken. In Vreden war das anders. Hier konnte man sich mit einem Hauptschulzeugnis durchaus erfolgreich bewerben. Aber im ganzen Land gab es ein schwindendes Ansehen und so wurde die Hauptschule ein Auslaufmodell. 2010 haben die beiden Hauptschulen schließlich unter dem Namen St. Georgschule fusioniert. 2013 wurde die Sekundarschule gegründet und die Hauptschule wie auch die Realschule auslaufende gestellt.

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