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Ein Zuhause auf Zeit gefunden

Vreden Wolfgang Bahr legt die Butterstückchen sorgsam in Reihen. Mit einer Maschine hat er sie gerade in eine appetitliche Form gebracht. Um ihn herum herrscht emsige Betriebsamkeit: Mehr als 150 Mahlzeiten verlassen auch an diesem Tag wieder die Küche des Antoniusheims.

08.08.2008

Die Atmosphäre behagt dem Mittfünfziger. Er fühlt sich wohl im Team, in der ganzen Einrichtung, die vielen in Not geratenen Männern ein Zuhause gibt - für manche auf Zeit, für manche dauerhaft. "Das ist mir hier zur Heimat geworden", sagt Wolfgang Bahr. Seit mehr als fünf Jahren lebt er dort. "Bis ich hier vollständig drin war, hat es anderthalb Jahre gedauert." Nochmal selbstständig draußen zu leben - er glaubt nicht, dass er das schaffen könnte.

Ganz pragmatisch sieht Gerd Aldiek seine Lebenssituation: "Es ist besser hier als auf der Straße." Vor vier Jahren kam der gebürtige Bocholter ins Antoniusheim. Er liebt die Arbeit auf den Beeten und Feldern der Gärtnerei: "Da bin ich meist an der frischen Luft." Eigentlich ist er gelernter Metzger und Koch, berichtet er. Aber als er in Köckelwick ankam, gab es im Küchenteam keinen freien Platz. Eine glückliche Fügung, findet er und füttert seine acht Hühner. "Für den Stall habe ich gekämpft", zeigt er stolz auf die kleine Holzhütte mit dem umzäunten Gehege. Gleich daneben wartet hinter Koniferen ein gemütlicher Grillplatz: "Den haben wir gemeinsam angelegt."

Ein paar Meter weiter sucht Marco Berchem nach dem passenden Werkzeug. Es riecht nach Maschinenöl in der kleinen Hausmeisterei des Antoniusheims. Eine Umgebung, in der sich der 41-Jährige wohl fühlt: "Es gefällt mir hier gut." Autolackierer war er in seinem früheren Leben, später im Werkzeugbau. Da passt der Job, den er heute macht: "Ich fühle mich hier aufgehoben." Draußen war das anders. Er hat es noch mal versucht, kam aber wieder zurück.

Das Leben im Antoniusheim - keiner der Männer verhehlt, dass sie sich mal etwas anderes erträumt haben. Und dass es unter Männern mit Brüchen in der Biografie auch rauer zugehen kann. Aber sie teilen etwas, was viele von ihnen lange nicht mehr hatten: ein Zuhause. to

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