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Ein notwendiges Buch

Vreden Es waren nicht allein der Führer und die Parteifunktionäre in Berlin - auch und gerade die Parteigänger und Funktionsträger vor Ort waren es, die zur Zeit des Nationalsozialismus das Leben des Einzelnen in der Diktatur beherrschten.

27.08.2008

Ein notwendiges Buch

<p>Die Herausgeber Timothy Sodmann und Ingeborg Höting stellten mit Bürgermeister Hermann Pennekamp und dem ehemaligen Ersten Beigeordneten Wolfgang Wispel (v. l.) am Dienstagabend vor interessiertem Publikum im Vredener Ratssaal das dreibändige Buch "Tausend Jahre - Vreden 1933-1945" vor. MLZ-Fotos (2) Winter-Weckenbrock</p>

Bestimmte Machtmechanismen wurden angewendet. Auch in Vreden, wie das am Dienstag im Rathaus vor großem Publikum präsentierte Buch "1000 Jahre - Vreden 1933 - 1945" aufzeigt. "Wie es den Nationalsozialisten speziell in Vreden gelang, die Kommunalpolitik und das öffentliche Leben zu durchdringen und zu prägen und weite Teile der gesellschaftlichen Ortselite zu vereinnahmen" - dieses sei in den drei Bänden detailliert nachzulesen, betonte Historikerin Ingeborg Höting, zusammen mit Timothy Sodmann Herausgeberin des 1600-Seiten-Werks.

Der Stadt Vreden gebühre Respekt dafür, dass ihr die Erforschung ihrer eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit ein Anliegen sei, so die Historikerin, die - erst haupt-, dann ehrenamtlich - in jahrelanger Arbeit "das Thema zu dem ihren machte", wie es Wolfgang Wispel, ehemaliger Erster Beigeordneter der Stadt Vreden, formulierte. Wispel dankte Höting für ihren "unschätzbaren Einsatz" für dieses "absolut wichtige, absolut notwendige Buch für Vreden". Anhand seines eigenen Beispiels - dem Aufwachsen in der Nachkriegszeit - beschrieb Wispel das erlebte Schweigen, das Verdrängen, die Sprachlosigkeit in den Familien. Ohne Erinnerung, ohne Stellungnahme zu diesem dunklen Kapitel aber könne sich die demokratische Kultur nicht weiter entwickeln, hob er die große Bedeutung dieses Projekts hervor. Vor fast sechs Jahren habe die Stadt Ingeborg Höting für zwei Jahre angestellt mit dem Ziel, in einem etwa 200-seitigen Buch die Zeit von 1933 bis 1945 aufzuarbeiten.

Als er im Jahr 2004 in seiner damaligen Eigenschaft als Leiter des Landeskundlichen Instituts hinzugekommen war, sei die Rede von einem Band mit weniger als 800 Seiten gewesen, sprach auch Mitherausgeber Dr. Timothy Sodmann die Dynamik des Projekts an. Mit seinem Umfang sei das Werk vermutlich westfalenweit rekordverdächtig: "Eine so voluminöse Untersuchung der NS-Zeit am Beispiel einer eher kleinen Gemeinde am Rande des großen Geschehens dürfte recht selten sein".

"Vor meinen Augen entfaltete sich ein zwölf Jahre währender Totentanz", blickte Sodmann auf die Arbeit mit dem Buch zurück. Er habe immer wieder an die Menschen denken müssen, die "in jener tragischen Zeit lebten und litten", die verführt und verraten worden seien. ewa

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