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Hans Drefke baute die Berkelbrücken wieder auf

Erinnerungen an Wiederaufbau

VREDEN Bernhard Robers, Mitglied des Heimatvereins, Ex-Stadtarchivar und Ahnenforscher, hat kürzlich eine Liste mit Namen der 1947 bis 1949 am Wiederaufbau der Berkel- und Ausbachbrücken beteiligten Personen entdeckt. Einen von ihnen trafen wir jetzt: Hans Drefke (85).

von Von Anne Rolvering

, 06.08.2010
Hans Drefke baute die Berkelbrücken wieder auf

Bernhard Robers und Hans Drefke (r.): Der 85.Jährige hat ein Buch über seine Kriegserlebnisse geschrieben und zeigt ein Bild aus der Kriegsgefangenschaft. Danach half er beim Brückenbau in Vreden.

„Dabei fiel mir auf, dass die meisten Arbeiter aus dem Osten Deutschlands stammten und nur wenige auch anschließend in Vreden sesshaft wurden. Unter ihnen Hans Drefke, der eine Vredenerin heiratete und heute an der Wüllener Straße wohnt“, erläutert Bernhard Robers. Nur wenige Meter entfernt von der Ausbach- und Berkelbrücke im Hamaland-Museum schauen sich Bernhard Robers und Hans Drefke die alten Fotos von den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Brücken an. Dr. Volker Tschuschke hat sie im Fotoarchiv des Heimatvereines Vreden entdeckt.

„Im März 1946 kam ich nach meiner amerikanischen Kriegsgefangenenschaft in ein Lager bei Marburg und fuhr dann mit dem Zug zu meiner Oma nach Hagen. Dort war alles zerbombt und daher zog es mich weiter bis nach Vreden. Warum gerade dorthin, weiß ich nicht. Auf jeden Fall fragte ich nach Arbeit, und nachdem ich in Ahaus im Arbeitsamt war, wurde ich im Juli 1947 zum Wiederaufbau der Berkel- und Ausbachbrücke an der Vredener Bahnhofstraße eingeteilt“, erzählt der 85-jährige Hans Drefke. Gemeinsam mit rund zehn bis 15 weiteren Arbeitern schlief er in der Arbeiterunterkunft im Saal beziehungsweise auf der Kegelbahn der Gastwirtschaft Verwohlt an der Burgstraße (heute Burgschänke). „In der Nazizeit war dort ein so genanntes Wehrertüchtigungslager für Männer aus Vreden. Die Eisenbetten waren noch vorhanden, daher konnten die Schlafstätten auch für die Brückenarbeiter genutzt werden“, fügt Bernhard Robers hinzu.

Gekocht wurde für die Arbeiter des Brückenbaus in der ehemaligen Garage für Omnibusse bei der Post an der Bahnhofstraße. „Köchin war damals Johanna Schmitz, die Mutter der stellvertretenden Bürgermeisterin Walburga Schmitz. Das Büro der Brückenbaufirma Kehl & Co aus Duisburg-Hamborn befand sich in den Räumen der ehemaligen Autoschlosserei Kemper (heute Frisör Terbeck)“, berichtet Hans Drefke. Viele seiner Kollegen, die beim Brückenaufbau halfen, waren als Soldaten aus der Gefangenenschaft entlassen worden und konnten nicht mehr in ihre ehemalige Heimat zurück. „Sie stammten aus Polen, Preußen, Schlesien und der russischen Zone. Gemeinsam mit mir fanden noch andere in Vreden ein neues Zuhause“, blickt Hans Drefke zurück.

Er lernte seine Ehefrau Hannah, geb. Bröcking, beim Brückenbau kennen. „Sie wohnte auf der Wikbertstraße und musste jeden Tag in die Innenstadt, da hat sie mich immer beim Brückenbau gesehen,“ erklärt Hans Drefke schmunzelnd. Heute wohnt er bei seiner Tochter Brigitte Freckmann an der Wüllener Straße In seine alte Heimat nach Danzig ist er nie zurückgekehrt. Gearbeitet hat er später im Gleisbau in Recklinghausen. Seine Erinnerungen an die Kriegserlebnisse hat er im Jahr 1980 in dem kleinen Buch „Von der Hölle ins Paradies und wieder in die Hölle“ aufgeschrieben.

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