Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Hilfe auch aus Vreden kommt in Brasilien an

Aktionskreis Pater Beda

Das Elend der Menschen im Nordosten Brasiliens zu lindern, ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen - das treibt nicht nur Pater Beda an. Menschen in Vreden engagieren sich ebenfalls sei Jahren, und es motiviert sie die Entwicklung, die auch ihre Hilfe angestoßen hat.

VREDEN

, 25.11.2014

Die Kontraste könnten größer nicht sein: Ein schmutziges, dunkles Loch in einem verfallenen, schäbigen Hinterhof, das als Wohnstätte für eine mehrköpfige Familie dient – und die hellen, bunt angestrichen Häuser auf der Ilha de Deus beim brasilianischen Recife. Dass überhaupt bessere Lebensperspektiven für die Menschen dort zustande kommen, dazu trägt der Pater-Beda-Kreis auch in Vreden seit mittlerweile fünf Jahrzehnten bei. Udo Lohoff hat die Eindrücke mitgebracht zum Pressegespräch. Was da über den Monitor seines kleinen Laptops flimmert, scheint Lichtjahre entfernt zu sein von der gut geordneten Wirklichkeit im westlichen Münsterland. Doch es ist ganz nah für die beiden Männer, die an diesem Vormittag im ruhigen Wohngebiet Toschlag in Vreden zusammensitzen.

Heinrich Severt kennt die Situation in Recife ebenso wie Udo Lohoff aus eigener Anschauung – beide engagieren sich seit vielen Jahren für die gute Sache, die untrennbar mit dem Namen des inzwischen fast 80-jährigen Franziskanerpaters Beda verbunden ist. Was sich über die Jahrzehnte langsam aufgebaut hat, ist heute zu einem großen Netzwerk herangewachsen. „Wir haben mittlerweile 26 Partner in Nordost-Brasilien, darunter eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen“, sagt Lohoff.  Inzwischen hat sich sogar ein eigener Verein gebildet: Die Verantwortlichen richten dabei den Blick in die Zukunft, um weiterhin ihre Arbeit für die Ärmsten der Armen, die Ausgestoßenen einer gespaltenen Gesellschaft leisten zu können.

Um Perspektiven für die Menschen geht es, und deshalb besitzen die Kinder- und Jugendprojekte einen hohen Stellenwert. Bildung für alle – das ist in Brasilien nur ein Wunschtraum, sind sich Lohoff und Severt einig. „Deshalb setzen wir auch stark auf Projekte, die das ausgleichen wollen“, so Lohoff. Sie sollen helfen, gerade jungen Menschen das Ausbrechen aus dem Teufelskreis der Armut möglich zu machen. Lohoff kann über viele gelungene Beispiele berichten, über Workshops, in denen sogar mit Tanz und Musik für arme Jugendliche ein kleines Stück der Selbsterfahrung möglich wird, die ihren Altersgenossen in Deutschland so selbstverständlich erscheint.

Oder über die Proteste, die die jungen Leute artikulieren, die sich gegen schlechte Lebensverhältnisse ebenso richten wie gegen sexuellen Missbrauch: Die Arbeit in den Projekten schaffe auch ein Bewusstsein für das eigene Leben, der sich Bahn schlägt in dem Antrieb, für die eigenen Rechte zu kämpfen. Dicke Bretter sind es, die sie da bohren. Aber nicht erfolglos. „Es passiert etwas“, sagt Lohoff und zeigt die Bilder von dem Wohnprojekt auf der Ilha de Deus: Ohne fortgesetzten Druck von unten wäre die Regierung niemals bereit gewesen, sich dort zu engagieren. Und der Druck steigt in dem gleichen Maße, wie sich die Situation an anderer Stelle weiter verschärft. Denn die Landflucht halte an, die Elendsquartier im Umfeld der großen Städte wüchsen, so Lohoff. Zwar unterstütze der Staat die Familien inzwischen, aber nur mit einem kärglichen Minimum. „Die Projektarbeit stärkt die Menschen, sie macht sie initiativ“, zeigt Lohoff auf, warum sich gerade mit Blick auf die katastrophalen Verhältnissen der Einsatz des Aktionskreises Pater Beda bezahlt mache. Die Menschen zeigten sich dankbar dafür. „Ihr habt uns Mut gemacht“, das höre er von ihnen, so Lohoff: „Das zeigt auch, dass es um mehr geht als nur um Armenspeisung.“

Gedanklich ist die Entfernung zwischen dem Kloster Bardel und Recife nur klein. Vom deutschen Sitz der Aktion aus gibt es auch immer aktuelle Informationen für die Mitstreiter, die vielen Helfer und Engagierten in zahllosen Orten der Region. So wie in Vreden. „Ich helfe gern“, bringt Heinrich Severt ganz unspektakulär auf den Punkt, warum er sich schon lange für die Aktion engagiert. Im Jahre 2009 war er selbst in Brasilien – Eindrücke jenseits eines touristischen Idylls, die ihm das Elend dort vor Augen führten. Deshalb ist es für ihn auch keine Frage, weiterzumachen. Die Sammlungen und ihr Erlös stellen dabei einen unverzichtbare Bestandteil der Arbeit dar. Die acht Container für Altkleider im Raum Vreden würden sehr gut angenommen, die Spendenbereitschaft der Bevölkerung sei nach wie vor hoch. In den Blick rückt jetzt eine der vier Papiersammlungen, die die bei der KAB angedockte Gruppe jährlich organisiert: Im Februar und im August gibt es die sogenannten Bringsammlungen, im Juni und jetzt wieder im Dezember stehen die Straßensammlungen an. Da hoffen die Aktiven wieder auf ein starkes Echo. Ebenso wie Pater Beda und die vielen Menschen, die im fernen Brasilien weiterhin die Hilfe des Aktionskreises erreichen soll. 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt