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Palm, Palm, Poasken

Palmstöcke in Vreden ein ganz besonderer Brauch

Am Palmsonntag ziehen in ganz Westfalen Kinder von Tür zu Tür und sammeln Süßes. Der Vredener Palmstock hat aber eine Besonderheit.

VREDEN

, 23.03.2018
Palm, Palm, Poasken

Reinhard, Manfred und Stefan Olbering sind 1972 am Palmsonntag durch die Nachbarschaft gezogen. Den Palmstock hat Vater Gerhard selber hergestellt. © privat

Wer ein Jahr alt ist, bekommt einen Palmstock mit einer Krülle, wer zwei Jahre alt ist, bekommt zwei Krüllen, und so weiter. Das weiß jedes Vredener Kind. In anderen Orten jedoch kennt diese Regel niemand. Denn der Palmstock sieht überall anders aus. Die Krüllen gibt es nur in Vreden. Sie entstehen, wenn ein scharfes Messer oder eine Glasscherbe mit schnellen, kurzen Zügen an dem Holzstock entlang gezogen wird. Die Späne kräuseln sich und bilden gemeinsam eine Kugel. Oben an dem Palmstock wird ein Brot befestigt, darüber kommt eine Apfelsine oder ein Apfel, in den die gesegneten Palmen gesteckt werden.

Viele Varianten

Sogar die Zeitung „Welt“ hat schon über die Tradition der Krüllen und den Schnitzer Johann Scholte van Mast berichtet. Die Zeitung hat außerdem recherchiert, dass es in Westfalen mehr als 35 verschiedene Arten von Palmstöcken gibt. Mal sind es nur zusammengeschnürte Zweige, mal wird der Stock mit bunten Bändern umwickelt oder es wird die Spitze des Weihnachtsbaumes aufbewahrt und als Palmstock wiederverwendet. Es gibt auch Varianten, bei denen ein Hahn, ein Kreuz oder eine Ente die Spitze des Stockes schmückt.

Eines aber haben alle Varianten gemeinsam: die gesegneten Palmen. Denn genau darum geht es am Palmsonntag. Die Stöcke erinnern an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem, bei dem ihm das Volk zujubelte und Palmzweige als königliches Zeichen zuwarf.

Feste Tradition


Für die Vredener gehören der Gang durch die Nachbarschaft und das Singen des Liedes „Palm, Palm, Poasken“ fest zur Tradition. „Unsere Kinder freuen sich unglaublich auf den Palmstock. Ich mag die Aufregung, wenn alle Kinder lauthals singen, und die Freude, was wohl drangehängt wird“, schreibt Mareen Waning auf unserer Facebook-Seite. Gustel Lepping erinnert sich noch gut an ihren letzten Palmstock, bevor sie in die Schule kam: „Er war so schwer mit Süßigkeiten bestückt, dass ich ihn am Bauch abgestützt habe. Ich trug eine Schürze aus weißem Voile, das war ein ganz dünner, feiner Stoff. Habe mir dabei mit dem Palmstock ein Loch in die Schürze gebohrt.“ Und Sonja Klinke schreibt: „Unsere Palmstöcke stehen schon bereit und der Dreijährige übt fleißig den Vers.“

Wenn die Kinder am Sonntag von Haus zu Haus ziehen, hängen die Nachbarn kleine Spielzeuge und Süßigkeiten an die Palmstöcke. Die dürfen die Kinder trotz Fastenzeit am Palmsonntag essen – dann aber erst wieder an Ostern. So steht es auf der Internetseite des Bistums Münster.

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