Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Scheibchen für Scheibchen

Vreden "Die Leute nannten ihn früher ehrfürchtig ,Goldenes Wunder'", erklärt Edgar Jetter aus Vreden die einstige Wirkung des Antwerpener Schnitz- altares in St. Jakobi in Coesfeld und betrachtet mit einem zufriedenen Lächeln "sein" Werk.

21.12.2007

Scheibchen für Scheibchen

<p>Edgar und Sabine Jetter mit den letzten Figuren des Altars in der Werkstatt. Dreieinhalb Jahre dauerten die aufwändigen Restaurierungsarbeiten. MLZ-Fotos (2) Meisel-Kemper</p>

Der Altar verdient seinen Namen nun wieder: Der Vredener Restaurator hat mit seinen Kindern Sabine und Thomas alle 17 Szenen aus dem Leben Mariens gereinigt und frisch restauriert wieder in die Fächer des Antwerpener Schnitzaltars eingefügt. Dreieinhalb Jahre haben die Arbeiten insgesamt gedauert.

Viele einzelne Reliefs

Riesig groß erscheint der Altar als Ganzes, beinahe zierlich die einzelnen Reliefs, die noch in handlichen Kisten lagern. Jedes einzelne Detail ist ausgearbeitet. Erstaunlich wenig ist im Laufe der rund fünf Jahrhunderte abgebrochen. Edgar Jetter restaurierte nicht zum ersten Mal einen Antwerpener Schnitzaltar. Die wichtigsten waren die Altäre in der Dortmunder Petrikirche, der Altstädter Kirche in Bielefeld und nicht zuletzt der St. Georg-Kirche Vreden.

Von Antwerpen wurden viele solcher Altäre um das Jahr 1520 herum nach Westfalen transportiert. Wer sie geschnitzt hat, ist nicht bekannt. Dass sie aus Antwerpen stammen, zeigt die kleine Hand, die überall eingeschnitzt ist. Sie wurde zum Botschafter einer Legende, in welcher der Stadtname Antwerpen mit "Hand werfen" seit dem 15. Jahrhundert übersetzt wurde.

Wie die großen klappbaren Flügelaltäre die lange Reise bis nach Westfalen oder weiter überstehen konnten, klärt sich ebenfalls in der Werkstatt bei Edgar Jetter in Vreden. Jedes Relief kann scheibchenweise zerlegt werden. Oder anders ausgedrückt, in jedes Eichenholzbrett wurde ein Teil der Szene geschnitzt und später wie bei einem Guckkasten voreinander geschraubt. "Die Gestaltung ist so kleinteilig und detailliert, dass jedes Fach wie eine kleine Puppenstube wirkt", erklärt Jetter die Mehrschichtigkeit.

Fotos dokumentieren

Die farbige Fassung und die Flügel stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die letzte Restaurierung liegt über 25 Jahre zurück. Kein Handgriff erfolgte ohne die fotografische Dokumentation. Das heißt, vom Ausbau über die Restaurierung bis zum Wiedereinbau musste alles dokumentiert werden. Fotos belegen den hohen Grad der Verschmutzung vor der Restaurierung. Von strahlendem Gold konnte keine Rede mehr sein.

Gemeinde spendet

Die Gemeinde hat endlich in Gänze vor Augen, was ihre Kollekte und ihre Spenden der letzten Jahre bewirkt haben: "Für den Erhalt der Kunstgegenstände in den Kirchen sind die Gemeinden allein verantwortlich", klärt Zentralrendant Heribert Klix auf. Kosten will er nicht nennen. Denn damit würden nur Diebe angelockt werden, wie sie leidvoll erfahren mussten.

Die Gemeinde wird das wenig kümmern, denn sie hat ihr "Goldenes Wunder" mit all den Weihnachtsszenen pünktlich zu Weihnachten wieder. emk

Lesen Sie jetzt