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1500 Schüler machten hier ihren Abschluss

Abschied von Hoimar-von-Ditfurth-Realschule

Ein letztes Mal werden Ende Juni Abschlusszeugnisse an Realschüler in Vreden vergeben. Dann läuft diese Schulform aus. Zwei Lehrerinnen und die Schulleiterin blicken zurück auf 20 Jahre Realschule.

Vreden

, 25.05.2018
1500 Schüler machten hier ihren Abschluss

Die Hoimar-von-Ditfurth-Realschule und die St.-Georg-Hauptschule laufen in diesem Jahr aus.gehring © Victoria Thünte

Gerade einmal 20 Jahre ist es her, dass die ersten 115 Schüler zur Realschule wechselten. Jetzt sind die letzten Wochen der Schule angebrochen. Wenn die Zehntklässer in diesem Jahr ihren Abschluss in der Tasche haben, ist die Geschichte der Hoimar-von-Ditfurth-Realschule vorbei. Zeit, diese Geschichte zu erzählen.

Angefangen hat alles im Jahr 1995, als in Stadtlohn die Gründung des Gymnasiums anstand. „Im Gegenzug wurden die Forderungen nach einer eigenen Realschule in Vreden immer lauter“, schreibt der damalige Bürgermeister Hermann Pennekamp zum zehnjährigen Jubiläum der Schule. Die Realschule kam und am 10. August 1998 stand für 115 Fünftklässler und acht Lehrer der erste Schultag an. Ein Gebäude gab es allerdings noch nicht. Zwei Klassenzimmer standen im Gymnasium zur Verfügung, zwei wurden in Containern geschaffen.

Es tropfte von der Decke

Obwohl diese Situation nur ein Jahr dauerte, erinnert sich Lehrerin Barbara Zeitler noch gut an diese Zeit. „Es war fürchterlich heiß, wenn die Sonne auf den Container gebrannt hat. Wir haben dann ein Kunstprojekt gemacht und die Fenster bemalt, damit es dunkler wurde. Später haben Eltern Vorhänge besorgt“, erzählt sie. Schulleiterin Angela Köppen ergänzt: „Und wenn es geregnet hat, haben wir Papierkörbe entleert und damit das Wasser, das durch die Decke tropfte, aufgefangen.“ Die Kinder aber ließen sich davon nicht den Spaß verderben. Schließlich war in dieser Zeit der Sportplatz ihr Pausenhof. „Gott, was waren die immer dreckig“, erinnert sich Barbara Zeitler lachend. „Sie haben sich beim Fußballspielen immer in den Matsch geschmissen.“ Zum Glück gab es in dem Container auch ein kleines Badezimmer. Aber: „Da gab es nur Kindertoiletten, auch für die Lehrer“, sagt Angela Köppen und lacht bei dieser Erinnerung.

Auch die Gestaltung des Unterrichts war eine Herausforderung. Es gab nur ein kleines Büro, kein großes Lehrerzimmer mit Platz für Unterlagen und Literatur. Ein Telefonanschluss war nicht eingerichtet. Telefoniert wurde mit dem Privathandy der Schulleiterin. „Ein richtiger Knochen“, sagt Angela Köppen. „Die Tafeln waren auch noch nicht aufgebaut. Wir haben uns dann Tapeten besorgt und darauf geschrieben“, erzählt Barbara Zeitler. Kerstin Terliesner hat auch in dieser Zeit an der Realschule unterrichtet. Sie war allerdings nicht fest angestellt, sondern kam nur für den Physikunterricht von Weseke nach Vreden. „Die Kollegen dort haben mir Sachen und Materialien zusammengepackt, damit ich in dem Container auch praktischen Unterricht machen konnte. In der fünften Klasse geht ja zum Glück noch vieles mit Batterie und Magnetismus“, sagt sie.

Räume wurden nach und nach fertig

Während die Schüler und Lehrer also das erste Jahr voller Kompromisse bestritten, wurde das Gebäude für die neue Realschule gebaut. Fertig war es aber auch zum zweiten Schuljahr der Schulgeschichte nicht. „Da hat man schon Panik bekommen, weil das Haus nicht fertig war. Wir haben dann zugesehen, dass zumindest vier Klassenräume fertig wurden. Der Rest wurde abgesperrt“, erinnert sich Angela Köppen. So konnte die Realschule wie geplant im Jahr 1999 in das neue Gebäude ziehen. Nach und nach wurden die Räume fertiggestellt, „immer wenn sie gebraucht wurden“, so die Schulleiterin.

Einen Namen hatte die neue Schule zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht. Erst im Februar 2001 stellte die Schulkonferenz den Antrag, die Schule nach dem Professor der Psychiatrie und Neurologie Hoimar von Ditfurth zu benennen. Als Alternativen wurden damals Albert Schweitzer und Janusz Korczak vorgeschlagen, ein Bürger beantragte eine Benennung nach Leo Grüner. Vorangegangen war ein Schülerprojekt, bei dem sich die Realschüler intensiv mit 21 verschiedenen Namensvorschlägen auseinandersetzten. „Hoimar von Ditfurth zeigt uns, dass es nicht nur wichtig ist, Wissen zu erwerben, sondern auch dieses Wissen umzusetzen in ein ganzheitliches Denken und Handeln“, schreibt die Schule im Jahr 2008 zu der Namens-Entscheidung. Der Rat stimmte dem Antrag zu und so konnte 2001 die offizielle Einweihung der Hoimar-von-Ditfurth-Realschule gefeiert werden.

Schulalltag für 700 Schüler

Und so begann der normale Schulalltag. Es wurde ein Schulsanitätsdienst ins Leben gerufen, eine Schülerfirma betrieb einen eigenen Kiosk, Streitschlichter nahmen ihre Arbeit auf. Schüleraustausche, Klassenfahrten, Theateraufführungen, sportliche Wettkämpfe, Kunstprojekte, Berufsorientierung – die Liste der Aktivitäten der Realschule ist lang. Rund 700 Schüler lernten zeitgleich an der Schule. Bis heute machten rund 1500 Schüler dort ihren Abschluss, rund 280 verließen die Realschule vor dem Abschluss.

Jetzt läuft die Realschule aus. „Das Kollegium war geschockt, als die Nachricht kam. Das hielt auch fast zwei Jahre an“, sagt Schulleiterin Angela Köppen. Es folgten viele kleine Abschiede. Weil es keine neuen Fünfer geben würde, brauchte es auch keinen Tag der offenen Tür. Es mussten weniger Konferenzen und Infoabende geplant werden, Projekte und AGs liefen aus. Nach und nach wechselten immer mehr Lehrer die Schule, weil sie in Vreden nicht mehr gebraucht wurden. „Wir sind inzwischen geübt darin, Lehrer zu verabschieden“, sagt Angela Köppen. Ein Projekt lag ihr aber besonders am Herzen. „Wir haben ein Kinderheim in Polen unterstützt und wir haben lange nach einer Schule gesucht, die das Projekt weiterführt.“ Eine Schule in Rheine hat die Unterstützung für das Kinderheim übernommen.

Abschiedstag

Wenn die 90 letzten Zehntklässler am 29. Juni 2018 ihr Abschlusszeugnis bekommen, liegt noch eine Woche in einer schüler-leeren Schule vor den Lehrern. Normalerweise nutzt Schulleiterin Angela Köppen diese Zeit des Jahres, um die Stundenpläne und Raumverteilungen für das nächste Schuljahr zu planen. Doch das ist in diesem Jahr nicht nötig. Einen neuen Jahrgang gibt es nicht und die Räume übernimmt die Sekundarschule. „Wir werden aufräumen und den Abschiedstag vorbereiten.“

Die Hoimar-von-Ditfurth-Realschule, Schulstraße 5, lädt am Samstag, 7. Juli, alle, die sich mit der Schule verbunden fühlen, zu einem großen Abschiedstag ein. Den offiziellen Teil gestalten die Realschule und die ebenfalls auslaufende St.-Georg-Schule gemeinsam. Dann werden Erinnerungsstücke der Realschule versteigert – zum Beispiel die bunte Kuh aus dem Flur, die das Kiosk-Team bemalt hat, der Kicker und der Apfelbaum aus Pappe. Auch Bücher werden verkauft. Der Erlös geht an das Kinderheim in Polen, das die Realschule schon lange unterstützt.
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