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Zweckmäßig und praktisch

Vreden Die "Katholische Arbeiter-Kolonie St. Antoniusheim" in Köckelwick feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. In einer Serie wird die wechselvolle Geschichte der Einrichtung beleuchtet.

03.08.2008

Zweckmäßig und praktisch

<p>Eine frühe Ansicht des Antoniusheims (um 1912) in Köckelwick, das vom Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen erbaut wurde. MLZ-Fotos (2) Archiv St. Antoniusheim</p>

Nach der Eröffnung im Mai 1908 wuchs die Anlage in den darauf folgenden Jahren in rascher Folge. Weitere Gebäude entstanden. Dazu zählen ein großes Wirtschaftsgebäude mit Mühle, eine Bäckerei und eine Waschküche, ein Pferdestall, eine neue Scheune und Werkstattgebäude mit Schreinerei und Schmiede sowie die Kapelle, deren Grunsteinlegung auf den 30. Juni 1912 datiert ist.

Beim Bau der zahlreichen Gebäude orientierte sich der Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen an den Erfahrungen, die mit anderen Einrichtungen gesammelt wurden. Übersichtlich, zweckmäßig und praktisch lautete die Maxime. Wert legten die Bauherren darauf, dass den Kolonisten - "Kolon" stand zur damaligen Zeit für Landarbeiter - geräumige, luftige Schlafsäle und große, helle Aufenthaltsräume zur Verfügung standen. Im Juni 1913 wurde auf dem Gelände ein eigener Friedhof angelegt. Planmäßig untergebracht werden konnten 200 Menschen. Im Notfall - das heißt vor allem in den kalten Wintermonaten - wuchs ihre Zahl auf 250 und mehr.

Kost und Logis

Innerhalb der ersten fünf Jahren beherbergte die Einrichtung insgesamt 2805 Kolonisten, die durchschnittlich rund zwei Monate blieben und in der Kolonie gegen Kost und Logis Arbeiten verrichteten. Hinzu kamen bis zu 500 durchreisende Stationsgäste pro Jahr. Während des Ersten Weltkrieges ging die Zahl der Kolonisten erheblich zurück. Dies belegt eine Mitteilung an den Deutschen Versicherungs-Verein in Stuttgart vom 7. April 1916. Im April desselben Jahres waren dort 85 Menschen beschäftigt. Auch Kriegsgefangene und Fliegerwachangehörige waren dort untergebracht. Darüber hinaus existierte ein Zivilgefangenenlager auf dem Gelände.

Insgesamt verlief das Leben im Antoniumsheim in ruhigen Bahnen. Die Teuerung durch die Inflation machte es notwendig, die Zahl der Kolonisten auf 70 bis 80 zu begrenzen. Die Kolonie erhielt vom Deutschen Caritasverband eine Beihilfe in Höhe von einer Mio. Mark.

Invalide

Seit 1931 nahm das Heim auch wegen Invalidität Erwerbsunfähige auf. "Es kann nicht der Hauptzweck der Arbeiterkolonien gewesen sein und insbesondere nicht in der heutigen Zeit sein, nur voll arbeitsfähigen Wanderern eine Zuflucht zu bieten", hieß es dazu in einem Schreiben des Landeshauptmanns von 1931. Auch junge Menschen, die einen freiwilligen Arbeitsdienst leisteten, waren willkommen. kh

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