WBU verwirft Pläne für neue Bauten am Bahnhof

Kostenanstieg um 25 Prozent

Ein neues Bürogebäude, ein „SUV-Parkhaus“ mit modernen Abmessungen und Ausstattungsstandards – das sollten die letzten beiden Mosaiksteine in der Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes werden. Doch nun stellt die WBU das Projekt zurück. Zurzeit würde der Bau deutlich teurer als angenommen.

Unna

29.06.2018, 12:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einer der beiden Siegerentwürfe in einem Architektenwettbewerb stammt vom Unnaer Büro Kimpel. Aus diesem Entwurf wäre vermutlich das Parkhaus in dieser Grafik links hinten) zur Umsetzung gekommen – wenn die WBU am Bau festgehalten hätte.

Einer der beiden Siegerentwürfe in einem Architektenwettbewerb stammt vom Unnaer Büro Kimpel. Aus diesem Entwurf wäre vermutlich das Parkhaus in dieser Grafik links hinten) zur Umsetzung gekommen – wenn die WBU am Bau festgehalten hätte.

Schon nach den bisherigen Planzahlen wäre es eines der teuersten Bauprojekte im Konzern Stadt seit vielen Jahren geworden: Über 15 Millionen Euro waren für ein zusätzliches Bürogebäude auf dem früheren Busbahnhof und ein Parkhaus zwischen AOK und Bahnlinie veranschlagt, als die Stadt im Namen ihrer Tochter WBU einen Architektenwettbewerb für das Gebäudeensemble ausrief. Inzwischen liegen zwei Siegerentwürfe vor, aus denen jeweils ein Element herausgenommen werden könnte. Zur Umsetzung kommen beide nicht – noch nicht.

Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Unna GmbH sehen vom Bau des Bürogebäudes und des Parkhauses „zum jetzigen Zeitpunkt ab“, hieß es am Freitag in einer Pressemitteilung der WBU. Das Vorhaben gilt damit nicht als verworfen, ist aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Beschluss fällt in eine Zeit, in der Stadt und WBU unter erheblichem wirtschaftlichen Druck stehen. Die Konzerngesellschaft der Stadt ist unter anderem Eigentümerin der Eishalle und der Schwimmsporthalle, betreibt vier Großgaragen und hält Unnas Anteil an den Stadtwerken. Doch ausschlaggebend für den Beschluss, dieses Bauvorhaben auf Eis zu legen, war offenbar die derzeitige Situation im Bauhandwerk. Die Branche hat viel zu tun, kann dementsprechend höhere Preisforderungen durchsetzen und potenzielle Kunden warten lassen.

Für den Bau des geplanten Bürogebäudes ergab eine aktuelle Kostenberechnung vor diesem Hintergrund einen Aufschlag von rund 25 Prozent gegenüber den Grenzen, an denen sich die Architekten im Wettbewerb zu orientieren hatten. Sie sollten das Gebäude so planen, dass die Baukosten eine Obergrenze von 2.100 Euro pro Quadratmeter einhalten. Dies scheint angesichts des aufgeheizten Marktes derzeit nicht machbar zu sein. Und abgesehen von der bereits berechneten Kostensteigerung sehen die Verantwortlichen bei der WBU ein hohes Risiko für Unvorhersehbares.

Betroffen von dem Verzicht auf die beiden Gebäude ist in erster Linie die öffentliche Hand selbst. Nutzer der 2.500 Quadratmeter Bürofläche wäre zum einen die Stadt gewesen, die mehrere externe Dienststellen auflösen und in der Nähe des Rathauses zusammenziehen wollte, und zum anderen das Jobcenter.

Das Parkhaus war ohnehin umstritten: Es hätte Unna zwar rund 200 überdachte Stellplätze gebracht, doch der Nettogewinn an Parkflächen wäre deutlich geringer ausgefallen. Für den Bau des Gebäudes hätten Teile des Park-and-Ride-Parkplatzes mit etwa 75 Stellflächen aufgegeben werden müssen. Zudem wäre ein Teil der Kapazitäten wohl von Berufstätigen mit Arbeitsstelle im neuen Bürogebäude genutzt worden.

Einen Zugewinn hätte das Parkhaus hinsichtlich des Komforts bedeutet: Die WBU hat sich an Qualitätskriterien des ADAC orientiert. Breitere Fahrwege und Stellplätze hätten auch das Rangieren mit größeren Autos leicht gemacht. Zudem waren Ladesäulen für Elektrofahrzeuge vorgesehen.