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WWF kämpft juristisch gegen kritisches Buch

Berlin (dpa) Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland geht juristisch massiv gegen ein kritisches Buch vor. Das «Schwarzbuch WWF» von Wilfried Huismann erschien im April. Gegen den Verlag sei eine einstweilige Verfügung beantragt, teilte der WWF mit.

WWF kämpft juristisch gegen kritisches Buch

Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) hat juristische Schritte eingeleitet. Foto: Jens Kalaene

Der Journalist und Filmemacher Huismann wirft der Organisation unter anderem vor, mit Großkonzernen zu kooperieren, die der Umwelt massiv schadeten.

«Es werden falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt, die die Glaubwürdigkeit des WWF in Frage stellen. Wir sehen uns verunglimpft und diffamiert», sagte Marco Vollmar, Mitglied der Geschäftsführung des WWF Deutschland, am Montag in Berlin. Anwälte haben im Auftrag des WWF bundesweit Buchhändler angeschrieben.

Das Gütersloher Verlagshaus, das Huismanns Buch herausgibt, steht zu Titel und Autor, wie eine Sprecherin sagte. Aber die Initiative des WWF habe Wirkung gezeigt. «Nach dem Druck des Rechtsanwalts des WWF haben alle Grossisten und Onlinehändler das Buch aus dem Programm genommen», sagte die Sprecherin. Bislang sei das Buch rund 4000 Mal verkauft worden und nun nur noch direkt über den Verlag verfügbar.

Buchhändler Thalia bestätigte, dass er den Titel vorläufig nicht mehr verkauft. Grund sei das «schwebende Verfahren», sagte eine Sprecherin des Unternehmens aus Hagen. «Für den Fall von Rechtsstreitigkeiten oder Rechtsunsicherheiten haben wir bei Thalia einen Prozess, der sicherstellt, dass wir nur rechtlich unstrittige Titel im Sortiment führen.» So etwas komme verhältnismäßig selten vor. Der Händler wolle jedoch «auf der sicheren Seite stehen». Ähnlich argumentierte auch Amazon.

Huismann zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa enttäuscht über die Reaktion der Buchhändler: «Ich verstehe nicht, dass sie sich einschüchtern lassen.» Das Buch sei nicht verboten. Es sei schade, dass sich in Deutschland Unternehmen derart einschüchtern ließen. Seine Informationen seien sauber recherchiert, sagte Huismann. Die Reaktion der Umweltorganisation zeige, dass die Vorwürfe getroffen hätten.

In seinem Buch schreibt Huismann unter anderem, dass der WWF mit Energiekonzernen paktiert, die in Asien und Lateinamerika die letzten Regenwälder vernichten, um auf Soja- oder Palmölplantagen Biosprit zu produzieren. Außerdem beteilige er sich an der Vertreibung von Eingeborenen aus den Wäldern Indiens und Afrikas - und fördere die industrielle Landwirtschaft auf der Basis von Gentechnik. Vollmar wies diese Vorwürfe zurück.

Der WWF sieht in seinem Schreiben an die Händler keine Drohung: «Behauptungen, dass wir den Verlag oder Buchhandel unter Druck gesetzt haben, halte ich für falsch», betonte Vollmar. Ein Gesprächsangebot habe der Verlag abgelehnt. Die Unterlassungsaufforderung an den Verlag sei ein ganz normales juristisches Verfahren. Vor Gericht will der WWF nach eigenen Angaben eine einstweilige Verfügung gegen zehn Aussagen aus dem Buch erreichen. Für den 15. Juni hat das Landgericht Köln eine mündliche Verhandlung angesetzt.

Es ist nicht das erst Mal, dass der WWF und Wilfried Huismann aneinandergeraten. Mehrere Sender hatten 2011 und 2012 einen Film mit dem Titel «Der Pakt mit dem Panda» ausgestrahlt, in dem Huismann ähnliche Vorwürfe gegen den WWF erhebt. Das hatte Folgen: Nach Ausstrahlung traten rund 1700 WWF-Mitglieder aus. Vor dem Landgericht Köln erwirkte die Umweltstiftung eine einstweilige Verfügung gegen einige Aussagen des Films. Aber der WDR habe dagegen bereits Berufung eingelegt, sagte Huismann.

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