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Wagner-Konzert nach Protesten in Israel abgesagt

Tel Aviv (dpa) Auf Druck von Holocaust-Überlebenden hat die Universität Tel Aviv das erste große Wagner-Konzert in Israel abgesagt. Sie habe «heftige und wütende Beschwerden und Forderungen nach einer Absage des umstrittenen Konzerts erhalten», erklärte die Universitätsleitung.

Wagner-Konzert nach Protesten in Israel abgesagt

Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren und starb in Venedig am 13. Februar 1883. Foto: dpa

Die für 18. Juni Aufführung stelle die Überschreitung einer roten Linie dar und werde die Gefühle von Holocaust-Überlebenden verletzen. Eine Sprecherin der Universität teilte am Dienstag mit, man habe den Veranstalter schriftlich über diese Entscheidung informiert. Der Vorsitzende der israelischen Wagner-Gesellschaft, Jonathan Livny, sagte der Nachrichtenagentur dpa, man wolle nun vor Gericht gegen die Universität vorgehen, um sie zu zwingen, das Konzert vereinbarungsgemäß abzuhalten. «Wir suchen nach einer Lösung.» Man prüfe auch, ob das Konzert an einem anderen Ort stattfinden könne.

Nach mehr als sieben Jahrzehnten des Boykotts wollten Musiker in Israel am 18. Juni im Smolarz-Auditorium der Universität erstmals einen ganzen Konzertabend dem deutschen Komponisten Richard Wagner (1813 - 1883) widmen. Wagner ist in Israel wegen antisemitischer Positionen und seiner großen Beliebtheit während des NS-Regimes sehr umstritten. Ein bereits 1938 ausgesprochener Boykott Wagners wurde zwar schon mehrmals gebrochen, es gab jedoch nie ein vollständiges Konzert mit seinen Werken.

Die Universität betonte, sie sei bewusst nicht darüber informiert worden, dass Wagner-Musik gespielt werden solle. Livny wies dies jedoch heftig als «Quatsch» zurück. Es gebe sogar einen Briefwechsel mit der Universität zu dem Thema.

Ein eigens für das historische Konzert zusammengestelltes Orchester von etwa 100 israelischen Musikern sollte unter Leitung des Dirigenten Asher Fisch spielen. Fisch sagte der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag, man bemühe sich gegenwärtig intensiv darum, dass das Konzert doch noch stattfinden könne.

In dem Konzert sollten die Ouvertüren von «Tannhäuser» und den «Meistersingern», der Liebestod aus «Tristan und Isolde», der Walkürenritt aus dem «Ring des Nibelungen» sowie Siegfrieds Trauermarsch aus der «Götterdämmerung» gespielt werden.

Der weltberühmte israelisch-argentinische Dirigent Daniel Barenboim hatte 2001 für Diskussionen gesorgt, als er in einem Konzert in Israel eine Zugabe aus «Tristan und Isolde» spielte. Im vergangenen Sommer hatten israelische Musiker erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ein Werk von Richard Wagner gespielt. Das Israelische Kammerorchester führte in Bayreuth Wagners «Siegfried-Idyll» sowie andere Werke auf.

Die Bayreuther Festspiele wollten sich am Dienstag nicht weiter zur Entscheidung der Uni Tel Aviv äußern. «Wir haben Respekt und Verständnis für alle, deren Erinnerungen und Gefühle durch ein solches Konzert verletzt werden würden», sagte Sprecher Peter Emmerich in Bayreuth.

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