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Wagner-Nachfolge: Konzepte nicht weit auseinander

Bayreuth (dpa) Vor der Entscheidung über die Nachfolge von Festspielleiter Wolfgang Wagner in Bayreuth halten sich Stiftungsrat und Bewerber weitgehend bedeckt.

Wagner-Nachfolge: Konzepte nicht weit auseinander

Blick auf das Festspielhaus in Bayreuth.

Favoriten im Wettstreit zwischen den Wagner-Töchtern Katharina und Eva sowie Wagners Nichte Nike zusammen mit dem weltbekannten Kulturmanager Gérard Mortier gibt es zumindest nach außen hin nicht. «Wir werden uns die beiden Konzepte anschauen und sehen, welches in unserem Sinne ist», sagte der Vorsitzende des Stiftungsrates, Toni Schmid, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Vorstellungen der beiden Bewerber-Paare lägen nicht weit auseinander.

Ähnlich hatte sich der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg bereits am Montagabend in der «Kulturzeit» bei 3sat geäußert. «Am Ende setzt sich das überzeugendere, das bessere, das zukunftsträchtigere Konzept für die Bayreuther Festspiele durch», sagte Steg. Der Stiftungsrat tagt am 1. September.

Wolfgang Wagner hatte Ende April seinen Rücktritt zum 31. August 2008 erklärt. Für Wagner, der an diesem Samstag 89 Jahre alt wird, und die Festspiele bedeutet das mehr als nur eine personelle Zäsur. Damit gehen - wie bereits Mitte der 80er Jahre festgeschrieben - auch die Geschäftsanteile an der Festspiel-GmbH von Alleingesellschafter Wolfgang Wagner auf den Bund, den Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Mäzene der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth über.

Überraschungen wie etwa einen Rücktritt Wolfgang Wagners von seinem Rücktritt schließen die im Stiftungsrat vertretenen öffentlichen Zuschussgeber nach dpa-Informationen «definitiv» aus. Die sei unabhängig davon, welche Entscheidung für dessen Nachfolge getroffen werde, hieß es. «Ich denke, es ist eine Entscheidung getroffen, eine Entscheidung von weitreichender Bedeutung sicherlich auch im Leben von Wolfgang Wagner, aber eine Entscheidung, die endgültig ist, die nicht revidiert wird», erklärte Steg.

Ob - wie geplant und von der Bundesregierung auch erwartet - nach der Sitzung am kommenden Montag in Bayreuth alles schon in trockenen Tüchern ist, bleibt abzuwarten. Der Stiftungsrat, im dem der Bund und das Land Bayern über jeweils 5 der 24 Stimmen verfügen, sieht sich jedenfalls nicht unter Zugzwang.

Schließlich gehen die Protagonisten am «Grünen Hügel» nach der 97. Spielzeit am Donnerstagabend erst einmal in die Ferien. Auch in der offiziellen Erklärung des Geschäftsführers der Stiftung, des Bayreuther Oberbürgermeisters Michael Hohl (CSU), zur Bewerbung von Nike Wagner ist nur von Beratungen die Rede, nicht aber von einer Entscheidung. Selbst wenn sich der Stiftungsrat auf eines der beiden Bewerber-Paare festlegen sollte, ist juristisch noch nicht alles geregelt. Schließlich geht es ja auch noch um Inhalt, Dauer und Dotierung der Verträge.

Die «Parsifal»-Vorstellung am Donnerstagabend wird die letzte in der 57-jährigen Amtszeit von Wolfgang Wagner. Das ist Anlass für eine Feier im kleinen Kreis. Eine offizielle Verabschiedung und Würdigung «der überragenden Lebensleistung von Wolfgang Wagner» (Steg) ist erst später geplant, möglicherweise in Verbindung mit der anstehenden Stabübergabe. Die potenziellen Nachfolger des Festspielchefs wollten sich im Vorfeld der Stiftungsratssitzung nicht zu der neuen Lage äußern, die durch die Bewerbung von Nike Wagner und Gérard Mortier entstanden ist.

Katharina Wagner erläuterte in der «Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe) Details ihres gemeinsamen Konzeptes mit ihrer Halbschwester Eva. Die 30-Jährige will die Festspiele für ein größeres und jüngeres Publikum öffnen und Opern auch für Kinder und an ausgefallenen Orten inszenieren. Auch das in diesem Jahr erstmals angebotene Public Viewing soll verstärkt werden. 2009 werde «Tristan und Isolde» auf Großbildleinwand übertragen, 2013 sogar der ganze «Ring des Nibelungen». Junge Regisseure sollten Frühwerke ihres Urgroßvaters in der Stadt aufführen. Ferner seien der Aufbau einer Festspiel-Akademie sowie eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich und der Vereinnahmung von Wagners Musik durch die Nazis geplant.

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