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Wallraff berichtet im Bäcker-Prozess von Verbrennungen

Bad Kreuznach (dpa) Als Frank K. getarnt, stand der Journalist Günter Wallraff in einer Hunsrücker Großbäckerei am Band. Sein Bericht rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Im Prozess war Wallraff nun als Zeuge geladen.

Wallraff berichtet im Bäcker-Prozess von Verbrennungen

Günter Wallraff hat undercover in einer Bäckerei recherchiert. Foto: Caroline Seidel/Archiv

Der Enthüllungsjournalist berichtete im Verfahren gegen einen Hunsrücker Brotfabrikanten von schweren Arbeitsverletzungen. Er habe sich unter anderem am Kinn und an den Unterarmen verbrannt, sagte der 69-Jährige im Zeugenstand vor dem Amtsgericht in Bad Kreuznach am Montag. Einmal habe er sich so sehr in den Daumen geschnitten, dass während laufender Produktion Blut auf die Brötchen tropfte. Die Arbeiter hätten sich aus Angst vor einer Kündigung aber nicht getraut, das Band abzustellen.

Der Journalist hatte das Verfahren mit Undercover-Recherchen ins Rollen gebracht. Der Ex-Firmenchef muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten - der Prozess hatte sich immer wieder verzögert. Der Angeklagte ließ sich von seinem Anwalt Franz-Josef Schillo vertreten.

Wallraff arbeitete mehrere Wochen unter anderer Identität in dem - inzwischen geschlossenen - Betrieb in Stromberg. Neben ihm sollen sich auch andere Arbeiter an heißen Blechen verbrannt haben, weil laut Anklage nicht genug auf die Sicherheit geachtet wurde.

Über mehr als drei Stunden versucht der Verteidiger mit einem langen Fragenkatalog, dem Journalisten auf den Zahn zu fühlen. Schillo will genau wissen, wie die Filme über Undercover-Recherchen produziert werden, welche Honorare flossen und welchen Kontakt Wallraff zu den Ex-Mitarbeitern der Brotfabrik hat. Zwischen den beiden Männern wird es mehrmals laut - sie schenken sich nichts.

Der Journalist bezeichnet Schillo als Verschwörungstheoretiker, dieser wiederum regt wegen des Bluts auf den Brötchen ein Verfahren gegen den 69-Jährigen an. «Ich werde hier behandelt, wie ein Angeklagter», beklagt Wallraff. Immer wieder erwähnt er seine aktuellen Recherchen in der Paketbranche. Der Journalist hatte erst vor kurzem neue Schlagzeilen gemacht: Er heuerte unter falschem Namen bei einem Paketzusteller an und kritisierte die Arbeitsbedingungen als «Menschenschinderei mit System».

Richter Wolfram Obenauer bleibt gelassen - doch kurz vor Ende der Befragung bemerkt er: «Ich habe langsam den Eindruck, dass ich mich hier in einer Talkshow befinde und nicht in einer Zeugenbefragung.»

Schillo kritisiert, dass der Fall nur wegen des prominenten Zeugen zur Anklage kam. Dem hält der Staatsanwalt entgegen, der Mandant habe einen Strafbefehl akzeptieren können. Dann hätte es keine öffentliche Verhandlung gegeben. Der Prozess soll am 18. Juni fortgesetzt werden (Az.: 1021 Js 6151/08.4 Cs).

Wallraff-Bericht

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