Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Wann eine Fussfehlstellung behandelt werden muss

Lemgo. Ein bisschen abgeknickt, breiter als sonst oder platt auf dem Boden: Viele Menschen haben formal gesehen Füße mit Fehlstellungen. Behandelt werden sollte aber nicht die Kosmetik - entscheidend ist, ob der Patient Schmerzen hat.

/
urn-newsml-dpa-com-20090101-180307-99-375036
Manuela Denz ist 1. Vorsitzende des Landesverbands Nordrhein-Westfalen im Deutschen Verband für Podologie. Foto: Deutscher Verband für Podologie

urn-newsml-dpa-com-20090101-180307-99-375031
Petra Hasselhoff-Styhler arbeitet als Physiotherapeutin in Bremen. Foto: Foto Dose-Bremen/Petra Hasselhoff-Styhler

urn-newsml-dpa-com-20090101-180307-99-375041
Das Abrollen über einen Igelball dehnt und lockert die Muskulatur in den Füßen. Foto: Franziska Gabbert

Der perfekte Fuß hat drei Belastungspunkte: die Ballen unter dem großen und dem kleinen Zeh sowie die Ferse. Im Verhältnis zum Unterschenkel knickt er von hinten betrachtet ganz leicht ab.

Der perfekte Fuß hat außerdem hübsche Wölbungen, einen Spann und einigermaßen gerade aufliegende Zehen. Das Problem ist nur: Kaum einer hat so einen Fuß. Die Natur, so scheint es, hält sich nicht immer an ihren eigenen Bauplan. Und so laufen viele Menschen mit Knick-, Spreiz- oder Senkfüßen herum. Behandlungsbedürftig sind diese Fehlstellungen nicht immer. Ein Überblick.

Plattfuß

Plattfüße sind im Kindesalter keine Seltenheit. Insofern handelt es sich eigentlich nicht um eine Fehlstellung, sondern um eine Art Durchgangsstadium. Statt auf den üblichen drei Belastungspunkten vorn und hinten liegt bei Plattfüßen der ganze Fuß auf dem Boden auf. „Man kann das gut am Strand im nassen Sand sehen“, sagt Tanja Kostuj, orthopädische Chefärztin am Klinikum Lippe: „Die Abdrücke von Kindern sehen dann ganz anders aus als die von Erwachsenen.“ Sorgen müssen Eltern sich deshalb nicht machen - es sei denn, das Kind klagt über Schmerzen.

Bis ungefähr zum sechsten Lebensjahr bildet sich das Fußgewölbe aus. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Füße auch benutzt werden. Das hört sich banal an, wird aber von allen Experten betont: Kinder müssen draußen herumtoben dürfen. Und sie sollten dabei - wenn es Wetter und Untergrund zulassen - so viel wie möglich barfuß laufen.

Knick-Senk-Fuß

So heißt die extreme Form des Plattfußes. Ihm fehlt nicht nur ein ausgeprägtes Längsgewölbe - er knickt auch am Knöchel nach innen ein. Bei Erwachsenen muss diese Fehlstellung häufig behandelt werden. Die Statik des Beins ist gestört, was zum Beispiel eine Überlastung des Kniegelenks nach sich ziehen kann. „Auch Weichteile und Sehnen können darunter leiden“, erklärt Kostuj.

Die Fußspezialistin verschreibt Patienten, die Beschwerden haben, meist spezielle Einlagen. Durch kleine Polster lässt sich zum Beispiel der Innenrand von den Zehen bis zur Ferse leicht angeben. Ein Polster im vorderen Drittel der Einlage hebt die Mittelfußköpfchen in die richtige Position und entlastet sie auf diese Weise. Eventuell kommt auch Physiotherapie infrage. Eine Operation ist nur der letzte Ausweg - wenn alles andere keine Linderung bringt.

Petra Hasselhoff-Styhler zeigt ihren Patienten in der Physiotherapiepraxis als erstes, wie die Füße richtig stehen müssen. Dafür setzt sich der Patient erstmal aufrecht hin und stellt die Füße auf. Dann versucht er, die Position zu halten. „Ziel ist, das irgendwann auch im Stehen zu schaffen“, erklärt die Physiotherapeutin. Dauerhaft gelingt das zwar nicht - es hilft den Patienten aber, ein Gefühl für den optimalen Stand zu bekommen. Kräftigungsübungen stärken zusätzlich die Fußmuskulatur.

Spreizfuß

Von einem Spreizfuß sprechen Ärzte, wenn das Quergewölbe des Fußes gewissermaßen durchgetreten ist. Der vordere Teil des Fußes liegt dann komplett auf dem Boden auf. Statt unter den Ballen des großen und kleinen Zehs liegt die Belastung in der Mitte des Vorfußes. Die Mittelfußknochen reagieren darauf manchmal mit Schmerzen. Sie sind für diese Belastung nicht ausgelegt.

Wie alle Fußfehlstellungen geht die Entstehung eines Spreizfußes auf mehrere Faktoren zurück. Forciert wird sie unter anderem durch das Tragen von hochhackigen und zu engen Schuhen, die die Füße häufig in eine ungünstige Position zwingen.

Wer Schmerzen im Mittelfuß hat, sollte also als erstes den Schuhschrank kritisch unter die Lupe nehmen. Vielleicht hilft es schon, auf breite und gut gepolsterte Turnschuhe umzusteigen. Bei stärkeren Beschwerden werden meist Einlagen angepasst. Eine Erhebung in der Mitte der Einlage zum Beispiel entlastet den Mittelfuß, so dass die Belastung sich wieder besser verteilt. Außerdem ist der vordere Teil des Fußes durch die Einlage weich gebettet.

Auch beim Spreizfuß ist es sinnvoll, die Fußmuskeln zu stärken. So sind sie besser in der Lage, den Fuß in der richtigen Position zu halten. Die Podologin Manuela Denz empfiehlt, die Fußsohle über einen Igelball zu rollen. Die Zehen zu krallen und dann auseinanderzuspreizen mobilisiert die kleinen Gelenke. „Das kann auch jeder am Schreibtisch machen“, sagt Denz.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Gesundheit

4 Tipps zum Sonnenschutz für Kinder

München. Sommerliche Temperaturen im Frühling: Wenn das Thermometer fast 30 Grad zeigt, denken viele Eltern daran, ihre Kinder einzucremen. Doch auch sonst sollten sie den Sonnenschutz im Frühling ernstnehmen.mehr...

Gesundheit

So trainieren Golfer abseits des Platzes

Köln. Wer regelmäßig golfen geht, ist fit fürs Turnier? Weit gefehlt. Ein gezieltes Athletik-Training gehört heute für Profis dazu. Und auch Hobby-Golfer können und sollten neben dem Platz etwas für ihre Fitness tun - mit gezieltem Training oder mit Yoga.mehr...

Gesundheit

Künftig weniger Notfallkrankenhäuser

Berlin. Im Notfall soll das Krankenhaus nah sein, aber etwa bei einem Herzinfarkt auch genau wissen, was es tut. Und das auch können. Jetzt wird die Notfallversorgung neu geregelt.mehr...

Gesundheit

FSME-Risiko durch Zeckenstich steigt im Norden

Hannover. Wenn die Temperaturen steigen, sind auch mehr Parasiten unterwegs, die tückische Krankheiten übertragen können. Die Hirnhautentzündung FSME war lange nur in Süddeutschland verbreitet. Zuletzt gab es aber auch mehrere Fälle in Niedersachsen. Wie kann man sich schützen?mehr...