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Wannebachtal trägt wieder Früchte

Lebensraum Wald

Das Wannebachtal hat sich erholt. Nachdem vor dreieinhalb Jahren "Kyrill" über das Naturstück hinwegfegte und viel Bäume und Sträucher niederriss, ist davon heute nicht mehr viel zu sehen. Eine Waldbegehung.

SYBURG/WANNE

von Sarah Hinderer

, 29.08.2010
Wannebachtal trägt wieder Früchte

Die Laubbäume konnten durch ihr tiefes Wurzelwerk den starken Böen besser standhalten.

„Da! Eine Ricke! Haben Sie sie gesehen?“, fragt Sebastian Vetter aufgeregt. Der Forstrat der Stadt Dortmund nimmt mich heute mit auf Entdeckungsreise ins Wannebachtal. „Ein toller Zeitpunkt, die Rehe haben Brunftzeit, da kann man sie sehr gut aus der Nähe beobachten.“ Es ist zwölf Uhr mittags, Rehe um diese Uhrzeit – und das noch in so städtischem Gebiet – aus nur wenigen Metern Entfernung beobachten zu können, habe ich noch bis vor wenigen Sekunden für unmöglich gehalten. „Das ist schon ein Geheimtipp hier“, sagt Sebastian Vetter. „Die meisten Spaziergänger sind im Niederhofener Holz unterwegs. Hier im Wannebachtal kann man zwischen Feldern, Wiesen und Wald auch mal ganz allein sein.“

Wie heute zum Beispiel. Es ist so leise, dass man hört, wie der weiche Erdboden unter jedem Schritt nachgibt und leicht knistert, als laufe man über frisch gefallenen Schnee. Sebastian Vetter schaut gegen die Sonne blinzelnd in den Himmel. „Ein Baumfalkenpaar und ein Rotmilan kommen oft zum Jagen hierher, dafür ist die offene Fläche ideal.“ Kaum vorstellbar, dass Orkan Kyrill vor dreieinhalb Jahren hier zwischen Brombeersträuchern und Kaninchenbauten Tausende Kubikmeter Holz umgerissen hat. „Hier standen Fichten, da vorne Lärchen“, zeigt der Diplom Forstwirt. „Der Sturm kam aus Nordwesten und ist durch die ohnehin windexponierte Lage im Wannebachtal nur so durchgefegt.“ Vier Hektar Wald fielen und brachen innerhalb von nur wenigen Stunden und verursachten die schlimmsten Orkanschäden im gesamten Stadtgebiet. Viel ist davon nicht mehr zu sehen. Ein Stapel Kiefernholz inmitten der Lichtung wurde hier nachträglich hingefahren, folgert der Experte. „Hier standen gar keine Kiefern. Viele Leute nutzen das einfach als Möglichkeit, ihre Gartenabfälle zu entsorgen.“ Dafür bieten inzwischen das dichte Gestrüpp am Boden und die helle Lage wieder einen neuen Lebensraum. „Es sind Biotope für ganz neue Arten entstanden“, so Vetter.

Bis sich jedoch wieder ein Gleichgewicht eingependelt habe, werden noch Jahre vergehen. Das muss jedoch nichts Schlechtes für Naherholungssuchende bedeuten. Bei unserem Spaziergang hören wir den Schwarzspecht klopfen, sehen Rehe und Kaninchen und genießen einen fabelhaften Ausblick über Dortmunds schönstes Tal. Entlang des Wannebachs erinnert das feuchte Wiesental an J. R. R. Tolkiens Auenland – in einer westfälischen Version. Drei Jahre nach Sturm und Verwüstung blüht das Wannebachtal wieder auf.