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Was Jugendweihe und Konfirmation für Eltern bedeuten

Köln. Egal ob kirchliches oder weltliches Fest: Konfirmation und Jugendweihe markieren den Eintritt ins Erwachsenenalter. In der Praxis sind manche Jugendliche dann auch schon sehr reif - andere dagegen gar nicht. Für Eltern gilt daher: genau hinsehen.

Was Jugendweihe und Konfirmation für Eltern bedeuten

Björn Enno Hermans arbeitet bei der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie. Heike Kaldenhoff/dpa-tmn Foto: Heike Kaldenhoff

Volljährig sind Jugendliche noch nicht, wenn sie zur Konfirmation oder zur Jugendweihe gehen. Erwachsen sind sie aber schon - oder zumindest am Anfang des Erwachsenenalters, wenn es nach dem Sinn der Feste geht.

Ein großer Moment für die Jugendlichen, eventuell aber auch für Mama und Papa. „Rituale wie die Konfirmation oder die Jugendweihe sind auch für Eltern eine Chance, das noch mal zu reflektieren“, sagt der Familientherapeut Björn Enno Hermans. Sich also einmal in Ruhe anzuschauen, was eigentlich aus diesem kleinen Menschen geworden ist.

Denn in manchen Familien bekommen die Eltern gar nicht mit, wie erwachsen ihr Kind schon ist, sagt Hermans - und behandeln es entsprechend. Und das kann Ärger geben, warnt der Experte. Die Konfirmation oder Jugendweihe ist da ein guter Anlass, das zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Wie erwachsen das Kind schon ist, lässt sich allerdings nur schwer feststellen. Pauschale Aussagen sind fast unmöglich - gerade im Jugendweihe-Alter von etwa 14. „Landläufig sagt man ja, dass Mädchen etwas weiter sind als Jungs, das lässt sich in bestimmten Altersspannen auch tatsächlich nachweisen“, sagt Hermans. Das allein taugt aber noch nicht als Faustregel - zu groß seien die individuellen Unterschiede.

Das zeigt sich auch vor Gericht: „Da sagt man ja, dass es mit ungefähr 14 die volle Einsichtsfähigkeit gibt - aber eben mit ungefähr 14“, sagt Hermans. „Manche sind auch mit 12, 13 schon so weit, andere auch mit 15 noch nicht.“

Hinzu kommt: Nur weil ein Jugendlicher wie ein Erwachsener aussieht, ist er noch lange keiner. „Die körperliche Reife zum Beispiel tritt heute deutlich früher ein, die geistige oder psychische Reife aber deswegen nicht unbedingt“, sagt Hermans. So passiert es nicht nur, dass Jugendliche wie Kinder behandelt werden - auch der umgekehrte Fall kommt vor. „Das ist sogar die häufigere und auch die problematischere Variante.“

Denn ein Jugendlicher, der wie ein Grundschüler behandelt wird, wehrt sich vermutlich dagegen. „Umgekehrt gefällt es Kindern oft erstmal, wenn sie schon für Jugendliche gehalten und so behandelt werden - eigentlich überfordert es sie dann aber doch“, sagt Hermans. Die Konsequenzen sind dann unterschiedlich. Manche Kinder ziehen sich zurück, andere reagieren aggressiv. „Und im Extremfall kann das bis hin zu Depressionen oder einer Angststörung gehen.“

Doch wie findet man heraus, wie erwachsen der Nachwuchs wirklich ist? „Generell ist es ein guter Indikator für Reife, wie und ob Jugendliche die Welt und ihre Position darin reflektieren“, sagt Hermans. Beschäftigt sich das Kind dagegen noch viel mit sich selbst und seinen Bedürfnissen, ist der Weg zum Erwachsenenalter vermutlich noch etwas weiter.

Konfirmation, Jugendweihe oder auch die Firmung in der katholischen Kirche können hier ebenfalls weiterhelfen. Denn gerade bei den kirchlichen Festen steht die bewusste Entscheidung für den Glauben im Mittelpunkt: Was bei der Taufe noch Eltern und Paten übernommen haben, entscheiden die Jugendlichen jetzt selbst.

„Ein guter Indikator für die Reife kann dann sein, wie sich der Jugendliche mit dieser Entscheidung auseinandersetzt“, erklärt Hermans. „Reflektiert er das wirklich oder ist das eher ein „Das machen ja alle.““ In diesem Sinne kann es sogar ein stärkeres Zeichen für Reife sein, wenn Jugendliche eben nicht zur Konfirmation gehen - weil sie sich bewusst dagegen entscheiden und das sogar gegen Widerstände in der Familie durchsetzen.

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