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Was aus April „Jahre später“ geworden ist

Berlin. Die Vergangenheit holt eine junge Frau immer wieder ein. Nach einer unschönen Kindheit und Jugend sucht sie nun Glück und Leichtigkeit in der Ehe. Heimat findet Angelika Klüssendorfs Antiheldin aber auch in dieser neuen Beziehung nicht.

Was aus April „Jahre später“ geworden ist

Angelika Klüssendorf bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2014 im Römer. Foto: Arne Dedert

Ein Wiedersehen mit einer Frau, die sich nennt wie der wohl wechselhafteste Monat des Jahres: April. Sie ist 30, lebt in Berlin, arbeitet als Kellnerin, Putzkraft, manchmal als Autorin. Da tritt Ludwig in ihr Leben, Chirurg aus Hamburg, ein „erwachsener“ Mann mit Siegelring am Finger.

Nach den Romanen „Das Mädchen“ (2011) und „April“ (2014), beide in sich abgeschlossen und beide seinerzeit auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis notiert, schließt die Schriftstellerin Angelika Klüssendorf (59) nun ihre autobiografisch grundierte Geschichte über das Leben ihrer Protagonistin mit einem dritten und letzten Band ab. Er heißt kurz „Jahre später“ und setzt wenige Monate vor dem Fall der Mauer 1989 ein.

Aus prekären Verhältnissen stammend, aufgewachsen während der 70er Jahre in einem sozialistischen DDR-Kinderheim und Mitte der 80er mit Freund und Sohn in den Westen ausgereist, sucht April einen Weg, sich aus dem ihr vertrauten Seelenelend zu befreien. Sie wünscht sich für die Zukunft weniger Düsternis, mehr Leichtigkeit. Bisher waren vornehmlich Wut, Angst und Traurigkeit ihre ständigen Begleiter.

Keine 20 Seiten braucht die Autorin, um April und Ludwig zu verheirateten. Standesamtliche Hochzeit an einem verregneten Vormittag. Das lässt nichts Gutes ahnen, auch wenn April zu dieser Zeit manchmal sogar glaubt, „es würde ihr zustehen, dieses Glück“. Bald schon dämmert ihr jedoch, dass sie einem selbstgerechten Narzissten, einem Mann, der sich nimmt, was er haben will, das Jawort gegeben hat - und zur Arztgattin nicht taugt. Tatsächlich endet die Beziehung in einem erbitterten Rosenkrieg.

Angelika Klüssendorf hat einen nüchternen Stil, verzichtet auf jegliches Pathos. Gleichzeitig versteht sie sich vortrefflich darauf, die Gedanken und Gefühle einer emotional höchst instabilen Frau, wenn nicht gar Borderlinerin, aufs Papier zu bringen. Ihr gelingen dabei oft schöne Formulierungen wie „Ludwig kann Feuer entfachen, aber nicht am Brennen halten“, sie erzählt über „Nachmittage wie aus Zement“ oder an einer Stelle von April, sie sehe aus „wie auf Besuch“ in ihrem eigenen Leben.

Am Schluss dieses Psychogramms einer Suchenden gibt es kein durch und durch sonniges Happy End, vielmehr: Alles zurück auf Anfang. April ist endlich soweit, ein Buch über ihr eigenes Leben anzugehen. Der erste Satz ist ihr bereits im Traum eingefallen. Es ist jener, mit dem „Das Mädchen“ seinerzeit begann. Damit wird eine Versöhnung mit der Vergangenheit - trotz aller Narben auf der Seele - möglich.

Klüssendorf verschmilzt am Ende mit ihrer Figur und führt den Beweis, dass Kunst, zumal wenn Therapien und Tabletten nicht mehr helfen, durchaus Medizin sein kann. Das war im übrigen das Motto jener Lesung, bei der Ludwig seine spätere Gattin angesprochen hat.

So bleibt zum Schluss doch eine gute Portion Zuversicht zurück, dass alles gut werden kann.

Angelika Klüssendorf: Jahre später, Kiepenheuer & Witsch, 158 Seiten, 17,00 Euro, ISBN 978-3462047769.

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