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Kliniken in Herne und Witten zahlen freiwillig mehr Lohn

Gehalts-Aufschlag für Pflegepersonal

Pflegepersonal ist in Deutschland knapp. Der Beruf gilt als anstrengend und unterbezahlt. Im Ruhrgebiet macht eine Klinik-Gruppe jetzt mit einem unerwarteten Vorstoß von sich reden.

Herne

15.04.2018
Kliniken in Herne und Witten zahlen freiwillig mehr Lohn

Ein Schild der St.Elisabeth Gruppe steht vor dem Anna Hospital. Die katholische St.-Elisabeth Gruppe mit Sitz in Herne zahlt Fachpflegekräften freiwillig fünf Prozent mehr Gehalt. © dpa

Im Wettbewerb um die wenigen Pflegekräfte geht eine Krankenhausgruppe im Ruhrgebiet einen ungewöhnlichen Weg: Sie zahlt gut ausgebildeten Fachkräften freiwillig mehr Gehalt. „Es ist uns wichtig, dass die Attraktivität des Berufes auch durch höhere Gehälter steigt“, sagt der Geschäftsführer katholische St.-Elisabeth-Gruppe mit Sitz in Herne, Theo Freitag. Landesweit gibt es nach Angaben der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen keine andere Klinik, die einen solchen Weg geht.

Fünf Prozent mehr Lohn

Die Gehaltsaufstockung um fünf Prozent zahlt die St.-Elisabeth-Gruppe ihren Fachpflegekräften - also Pflegern, die nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine ergänzende zweijährige Fachweiterbildung absolviert haben. „Von der Lohnerhöhung profitieren zehn Prozent unserer Pflegekräfte. Das sind insgesamt 220 Mitarbeiter“, sagt Freitag. Insgesamt koste das 750.000 Euro pro Jahr.

Die katholische Krankenhaus-Gruppe mit fünf Kliniken in Herne und Witten geht es darum, ein Zeichen zu setzen. „Für uns ist die Erhöhung nur der erste Schritt“, erklärte Freitag. Verbunden mit der Gehaltserhöhung sei ein Appell an die Bundesregierung, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. „Die Leistungen der Pflegekräfte müssen besser bezahlt werden.“ Die Mehrausgaben für den Gehalts-Aufschlag will das Unternehmen durch Einsparungen beim Einkauf finanzieren.

Klinikum Dortmund lehnt mehr Geld ab

Nachahmer werden die Herner wohl so schnell nicht finden. Das Klinikum in Dortmund beispielsweise lehnte eine freiwillige Gehaltserhöhung ab. Man wolle „ausbilden statt abwerben“ und halte nichts von einer „Gehaltsspirale“. „Der Arbeitsmarkt ist kein Fischmarkt, bei dem man noch einen Aal und ein Pfund Butter drauflegt“, sagte ein Sprecher. Wichtiger als eine Gehaltserhöhung sei es, Strukturen zu schaffen, damit Mitarbeiter gerne und lange bleiben.

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Ähnlich sehen es auch die evangelischen Valeo-Kliniken mit Sitz in Hamm. Eine Sprecherin der Gruppe mit vier Krankenhäusern und rund 3000 Mitarbeitern betont: „Das Gehalt ist nur ein kleiner Teil der Motivation.“ Es sei zwar gut, dass die Arbeit der Pflege aufgewertet werde, aber der Verdienst sei ohnehin besser als oft angenommen.

Reaktion auf den Fachkräftemangel

Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen sieht in der ungewöhnlichen Maßnahme der St.-Elisabeth-Gruppe allerdings ein Zeichen für die Branche: „Für mich zeigt dieser Schritt, dass der Pflegekräftemangel schon da ist“, sagt Referatsleiter Lothar Kratz. Er fordert von den Arbeitgebern vor allem flexible Arbeitszeitmodelle, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Auch die Politik sei in der Pflicht. Das Land müsse dringend Investitionsmittel zur Verfügung stellen, um die Arbeitsplätze attraktiv und zukunftsorientiert zu gestalten.

von dpa

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