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Forscher sollen besser für Versuchsmäuse sorgen

Illegale Tierhaltung: Uni Münster reagiert auf Verstöße

Mit mehr Personal sowie mehr Verantwortung will die Universität Münster auf Verstöße bei der Haltung von Versuchsmäusen reagieren. Vor neun Monaten waren in einem Kellerraum 78 illegal gehaltene Mäuse gefunden worden. Am Montag stellte eine Untersuchungskommission ihre Ergebnisse vor.

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Münster

, 16.04.2018
Forscher sollen besser für Versuchsmäuse sorgen

In der Uni Münster sollen die Versuchsmäuse nicht artgerecht gehalten worden sein. © picture alliance / dpa

Die durch einen anonymen Tipp entdeckten Mäuse seien nur für genehmigte Tierexperimente eingesetzt worden, betonten die Verantwortlichen der Uni Münster. Weil es für die Forscher bequemer gewesen sei, seien die Mäuse jedoch seit mindestens zehn Jahren in einem nicht genehmigten Raum der Hautklinik gehalten worden.

Dadurch hätten weder die Behörden noch die Tierschutzbeauftragten der Uni kontrollieren können, ob alle Standards eingehalten werden.

„Wenn ein Antrag gestellt worden wäre, hätte es vermutlich nur weniger kleiner Veränderungen bedurft, um den Raum genehmigungsfähig zu machen“, bilanzierte Prof. Janbernd Oebbecke, Vorsitzender der Untersuchungskommission. Vielmehr seien die meisten Tiere bei ihrer Entdeckung in einem ordentlichen Zustand gewesen. Sechs kranke Tiere seien getötet worden.

Mitarbeiter dürfen nicht mehr zu den Tieren

Einige der beteiligten Mitarbeiter dürfen nun nicht mehr zu den Tieren - für Forscher, deren Karriere mit Tierversuchen verknüpft sei, eine durchaus harte Strafe, wie Unirektor Johannes Wessels sagte. Weitere dienstrechtliche Konsequenzen würden geprüft. Auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Dem Deutschen Tierschutzbund geht die Aufklärung der Kommission nicht weit genug. Wenn Tiere wegen ihres schlechten Zustandes getötet werden müssten, gehe es um Stümperei und Missmanagement, heißt es in einer Mitteilung. Die Tierschützer forderten die Universität auf, eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen zu erarbeiten.

Die Hochschule setzt stattdessen schon länger auf eine veränderte Kultur im Umgang mit Versuchstieren: Jeder vom Tierpfleger bis zum Professor müsse sich stets seiner Verantwortung gewahr sein und sich fragen, ob alles ordnungsgemäß laufe, sagte Wessels am Montag.

Auch sollen die Tierhaltung an zentralen Standorten gebündelt und mehr Personal für die Genehmigung, Beratung und Kontrolle eingesetzt werden. Außerdem ist Ende des Jahres ein neues Tierhaus mit mehr Platz und hohen Haltungsstandards bezugsfertig. Auch Raummangel war als Grund für die illegale Mäusehaltung genannt worden.

Debatte um Tier-Experimente gibt es schon seit fünf Jahren in Münster

Unabhängig von den Schlagzeilen über die nicht genehmigten Mäuse gibt es an der Universität seit rund fünf Jahren eine Debatte, um den richtigen Umgang mit Tieren in Experimenten. Schon in einem im Herbst 2017 verabschiedeten und als vorbildlich geltenden Ethik-Leitbild hatte die Uni einen transparenten Umgang mit dem Thema versprochen. Mitarbeiter sollten ermuntert werden, Missstände zu melden oder sich bei eigenen Unsicherheiten an die Tierschutzbeauftragten zu wenden.

Grundsätzlich sollen Tierversuche auf ein Minimum reduziert oder ersetzt werden. Auch soll den Tieren nach dem Versuch eine Lebensperspektive ermöglicht werden. Die Universität hält für Tierversuche rund 35 000 Mäuse, knapp 1000 Ratten, 40 000 Fische, 40 Makaken- und 90 Marmosetten-Affen sowie rund 900 weitere Tiere.

Von dpa