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Knapp 55.000 Schüler bekommen Islam-Unterricht

Katholischer oder evangelischer Religionsunterricht ist in Deutschland weitgehend Standard. Aber welche Angebote gibt es für muslimische Schüler?

Berlin

29.04.2018
Knapp 55.000 Schüler bekommen Islam-Unterricht

Mehr als 800 Schulen in Deutschland bieten mittlerweile islamischen Religionsunterricht an. Foto: Frank May

Knapp 55.000 Schülerinnen und Schüler besuchen in Deutschland an mehr als 800 Schulen islamischen Religionsunterricht. Das ergab eine Umfrage des Mediendienstes Integration bei den Kultusministerien der 16 Bundesländer, deren Ergebnisse der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Damit erhalten inzwischen mehr Jungen und Mädchen islamischen Religionsunterricht als noch vor zwei Jahren. Damals besuchten nach einer Auswertung der Kultusministerkonferenz rund 42.000 Kinder und Jugendliche solchen Unterricht.

Eine frühere Untersuchung im Auftrag der Deutschen Islam-Konferenz legt nahe, dass die Nachfrage dennoch nicht gedeckt ist. Im Befragungsjahr 2008 wünschten sich demnach 76 Prozent der Muslime ab 16 Jahren islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Etwa 650.000 Schüler zwischen 6 und 18 Jahren hätten damals den islamischen Religionsunterricht besucht, wenn es entsprechende Angebote gegeben hätte.

Der Einfluss der mehrheitlich sunnitischen Islam-Verbände auf die Lehrinhalte ist in den verschiedenen Bundesländern mehr oder weniger stark ausgeprägt. In Bayern und Schleswig-Holstein hält man sie ganz außen vor. In Berlin liegt der Unterricht in der alleinigen Verantwortung der „Islamischen Föderation Berlin“, in Hessen und Niedersachsen arbeiten Religionsgemeinschaften und staatliche Stellen zusammen.

In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gibt es Modellversuche mit islamischen Partnern. Hamburg und Bremen setzen auf interkonfessionellen Religionsunterricht für Schüler aller Glaubensrichtungen. In den fünf östlichen Bundesländern gibt es kein Angebot für muslimische Schüler.

Gegen mehr Einfluss für die mehrheitlich konservativen Verbände wenden sich sowohl liberale Muslime als auch Politiker aus dem rechtskonservativen Spektrum, die Vorbehalte gegen den Islam haben.

Ein weiteres Argument, das immer wieder vorgebracht wird, ist das Risiko einer ausländischen politischen Einflussnahme auf die Schüler - vor allem da, wo die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) beteiligt ist, die der türkischen Regierung nahesteht. In den Lehrplänen finden sich zwar keine entsprechenden Inhalte. Eine entsprechende Beeinflussung durch einzelne Lehrer lässt sich aber wohl in der Praxis nicht immer ausschließen.

Muslimische Eltern, die ihren Kindern eine streng-religiöse Erziehung angedeihen lassen wollen, schicken sie nicht unbedingt in den Islam-Unterricht der Schule, sondern eher in den Koranunterricht der örtlichen Moschee.

Islamische Theologen wie Ismail Yavuzcan aus Tübingen halten den Religionsunterricht in der Schule für ein Mittel gegen „religiösen Analphabetismus“. Er sagt, Jugendliche könnten so gegen die Lockrufe von Extremisten geschützt werden.

Die Debatte darüber, wie viel Rücksicht Schulen auf die religiösen Vorstellungen von Muslimen nehmen sollten, wird aber auch jenseits des Islam-Unterrichts seit Jahren - zum Teil erbittert - geführt. Dabei geht es um ein Speisenangebot ohne Schweinefleisch, um die Frage, ob auch muslimische Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen müssen und auch darum, ob Lehrerinnen Kopftuch tragen dürfen.

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