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Köln prüft Mobbing-Vorwürfe: Branche aktiv gegen Belästigung

Seit Monaten kommen in der MeToo-Debatte immer neue Vorwürfe ans Licht. Die Film-, Fernseh- und Theaterbranche ruft nun eine Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung ins Leben. Und in Köln reagiert OB Reker auf Mobbing-Anschuldigungen.

Köln/Berlin

01.06.2018
Köln prüft Mobbing-Vorwürfe: Branche aktiv gegen Belästigung

Blick auf das Schauspielhaus in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Nach Mobbing-Vorwürfen gegen die Leitung des Kölner Schauspiels will Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Führungskultur an den städtischen Bühnen untersuchen lassen. „Es ist wichtig, insgesamt zu hinterfragen, wie an den Bühnen geführt wird“, sagte die parteilose Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich teilten die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und mehrere Branchenverbände aus der Film- und Theaterbranche am Freitag mit, eine Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt ins Leben gerufen zu haben.

„Es war und ist mir ein wichtiges politisches und menschliches Anliegen, angesichts sexueller Belästigungen, Demütigungen und Gewalt in der Filmbranche, aber auch in anderen Kultursparten eine Anlaufstelle mit zu initiieren, an die Betroffene sich vertrauensvoll wenden können“, sagte die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, in Berlin. Der Deutsche Bühnenverein betonte in Köln, die unabhängige Stelle sei auch für die Theater und Orchester „zentraler Baustein für ein vertrauensvolles Miteinanderarbeiten.“

In den vergangenen Monaten waren in der MeToo-Debatte auch in der Medienbranche mehrere Fälle sexueller Übergriffe bekannt geworden. Der WDR trennte sich jüngst von einem Korrespondenten, dem sexuelle Übergriffe zur Last gelegt werden. Zudem hatte der „Spiegel“ von Mobbing-Vorwürfen berichtet, die sich gegen die Frau des Kölner Schauspiel-Intendanten Stefan Bachmann richten. Die in Köln tätige Schauspielerin und Regisseurin Melanie Kretschmann sei sie immer wieder in heftigen und andauernden Streit mit anderen Ensemble-Mitgliedern und Regisseuren geraten. Bachmann ergreife in diesen Konflikten Partei für seine Frau. Beide bestreiten die Vorhaltungen.

Reker sagte dazu: „Es mag sein, dass künstlerische Organisationen ihre Besonderheiten haben, aber natürlich muss es überall so sein, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertgeschätzt werden.“ Die OB der viertgrößten deutschen Stadt kündigte an: „Ich will in jedem Fall, dass die Führungskultur dort jetzt untersucht wird.“ Sie habe bei Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach einen Bericht angefordert.

Für die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt hatten Verbände und Gewerkschaften der Film- und Fernsehbranche am Donnerstag mit Produzenten, Sendern, Theatern und Orchestern einen Verein als Träger gegründet. Grütters steuert in der Aufbauphase für den Trägerverein 100 000 Euro bei, die ARD 40 000 Euro und das ZDF 15 000 Euro pro Jahr. Vom Verband Privater Medien kommen 15 000 Euro, von der Deutsche Produzentenallianz 10 000 Euro und vom Deutschen Bühnenverein 15 000 Euro jährlich.

Ulrich Khuon, Präsident des Bühnenvereins, sagte: „Jedes Instrument ist wichtig, um ein Bewusstsein und eine Sensibilisierung für Antidiskriminierung zu schaffen.“ Um sexueller Belästigung und Gewalt vorzubeugen, entwickle der Bühnenverein auch einen „wertebasierten Verhaltenskodex“ und setze auf Schulungen von Führungspersonal.

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