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Niedecken mit neuem Südstaaten-Sound auf der Bühne

BAP-Konzert vor 12.000 Fans in Kölner Arena

Heimspiel für Wolfgang Niedecken in Köln. Vor 12.000 Fans präsentiert sich der BAP-Frontmann in der Lanxess Arena mit einem neuen Sound. Unser Autor sagt: es ist die beste Band, die Niedecken je hatte.

KÖLN

von Bernd Schuknecht

, 03.06.2018
Niedecken mit neuem Südstaaten-Sound auf der Bühne

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken gibt ein Heimspiel-Konzert in Köln vor 12.000 Fans. Seine Band hat er ergänzt und einen neuen Sound auf die Bühne gebracht. © Thomas Brill

Vier Tage nach dem Start der „Reinrassije Straßenkööter“-Tour in Kempten im Allgäu bestreiten Wolfgang Niedecken und seine Band BAP das erste Heimspiel. Knapp 12.000 Fans, darunter auch Niedeckens Familie mit den Tanten Käthi und Ilse, letztere mindestens 98 Jahre alt - was Niedecken selbst nicht so genau weiß.

Nach der Jubiläumstour zum 40-jährigen Bestehen der Kölschrock-Ikone BAP schreibt der 67-jährige Sänger und Liederschreiber, der einst als „Dylan vonne Südstadt“ begann, seine schon verdamp lang düürende Karriere mit „Das Familienalbum - Reinrassije Strooßeköter“ fort. Das Soloalbum, für das er neue und alte Lieder mit amerikanischen Musikern und klanglichen Südstaaten-Stilistiken in New Orleans aufgenommen hat, wurde im vergangenen Herbst veröffentlicht.

Die beste Band, die Niedecken je hatte

Ohrenbetäubender Jubel empfängt das Kölsch-Rock-Aushängeschild und seine Band mit Michael Nass (Keyboards), Anne De Wolff (Geige, Cello, Perkusssion, Gesang), Ulrich Rode (Gitarre), Sönke Reich (Schlagzeug) sowie Bassist Marius Goldhammer, der den an Rücken leidenden Werner Kopal kompetent vertritt. Als musikalisches Souvenir aus dem amerikanischen Süden hat er sich noch einen dreiköpfigen Bläsersatz gegönnt - mit Axel Müller (Saxofon), Christoph Moschberger (Trompete) und Franz Johannes Goltz (Posaune). Um es gleich vorweg zu sagen, es ist die beste Band, die Niedecken je den Rücken stärkte.

Mit „Drei Wünsch frei“ startet das Konzert, und schon früh zeigt sich bei dem besDie Zeitung für Dortmundtens gelaunten Niedecken eine Art zufriedener Entspannung, so als wären ihm nicht nur drei Wünsche, sondern bereits ganz viele mehr erfüllt worden. Der Bläsersatz sorgt mit dicken Backen dafür, dass auch Klassiker wie das von Chuck Berry inspirierte „Waschsalon“ auf erheblich höhere Touren kommen.

Konzert dauert gut drei Stunden

Aber es ist nicht nur das kräftig soulige Gebläse, auch Geige, Akkordeon sowie Pedal-Steel verwandeln die Niedecken-Lieder in wunderbar stimmige Blues-, Country- oder auch Cajun-Perlen. Das Repertoire des rund dreistündigen Konzerts umfasst Strooßekööter-Lieder, selten Gespieltes wie „Jupp“ sowie zahlreichen – selbst nach einer Jubiläumstour unvermeidlichen – Klassikern wie „Frau ich freu mich“, bei denen die Fans erwartungsgemäß mitsingen und selbst auf der Tribüne tanzen. Auch wenn es zwischenzeitlich mit „“Songs sinn Dräume, „Anna“ oder „Wie schön dat wöhr“ mit Gast Björn Heuser akustisch zurückhaltend zugeht, bleiben die Fans in Hochstimmung.

Ein feuriger Tropfen Südstaaten-Sounds

Niedecken hat sich gekonnt unterschiedlicher Südstaaten-Sounds bedient, doch direkte Vergleiche mit Willy de Ville, Dr. John oder den Neville Brothers sollte man besser nicht ziehen.

Er hat aus dem klanglichen Schmelztiegel von New Orelans lediglich eine scharfe Sound-Soße abgeschöpft und somit seinem etwas biederen Kölsch-Rock einen etwas feurigeren Geschmack verpasst. Geblieben ist seine Art, gesellschaftliche Entwicklungen ohne parteipolitische Scheuklappen zu beobachten und musikalisch zu kommentieren. Dabei haben Lieder wie „Arsch huh, Zäng ussenander“ oder „Kristallnaach“ in erschreckender Weise nichts von ihrer politischen Relevanz verloren.

Trotz exotischer Sounds und zahlreicher Anleihen bei Vorbildern von Dylan bis Springsteen wirkt Niedecken auf seine Art authentisch. Das verbindet ihn mit seinen Fans, die ihm nunmehr bereits seit über 40 Jahren zujubeln, am lautesten bei der Zugabe „Verdamp lang her“.

Zum Tour-Abschluss gibt Niedeckens BAP am 31. Oktober 2018 noch ein Konzert im Kölner Palladium.
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