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Jünger und attraktiver

Facharzt Dr. Klaus Hoffmann im Interview

Dr. Klaus Hoffmann ist nach Beurteilung von nationalen und internationalen Fachblättern einer der renommiertesten Dermatologen und Experten für Schönheitsoperationen in Deutschland. Im Interview nimmt unser langjähriger Kolumnist und Leiter der Abteilung für ästhetisch operative Medizin und des Zentrums für Lasermedizin (ZELM) an der Universitätsklinik Bochum Stellung zu Themen wie Botox, Tattooentfernung und Fettabsaugen.

05.06.2018
Jünger und attraktiver

Dr. Klaus Hoffmann, Leiter der Abteilung für ästhetisch operative Medizin und des Zentrums für Lasermedizin (ZELM) an der Universitätsklinik Bochumhoffmann © Hoffmann

Was sind die vordringlichen Wünsche Ihrer Patienten?

Die Patienten kommen heute eher mit vielfältigeren Wünschen zu uns. Sie informieren sich ganz häufig im Internet vor, was eine Katastrophe ist, weil im Internet Halbwissen verteilt wird. Die meisten wollen jünger und attraktiver aussehen. Oft stört sie die Falte auf der Stirn oder der zu dicke Hals, oder sie wollen vergrößerte Lippen.

Früher waren Schönheitsoperationen Frauensache. Wie hoch ist der Männeranteil?

Der Anteil liegt bei 42 Prozent. Bei den Männern liegen Botox, Enthaarungen und Anti-Fett-Behandlungen ganz weit vorne.

Sie stehen für verantwortungsvolles Handeln. Welche Wünsche erfüllen Sie nicht?

Wenn man Wünsche bei einem Patienten erfüllt, die eigentlich nicht erfüllbar sind, wird dieser nicht glücklich werden. Man muss dem Patienten die Machbarkeit dessen, was man leisten kann, klar machen. Ich werde häufig gefragt: Ist das nach der Behandlung weg? Weg bedeutete nach meinem Sprachgebrauch 100 Prozent Erfolg. Es gibt aber keinen Arzt, der 100 Prozent Erfolg hat – ob er das Herz oder das Hirn operiert oder eine Falte behandelt.

Wird in letzter Zeit verantwortungsvoll mit Botox umgegangen?

Nein. Es besorgen sich immer mehr Laien Botox. Sogar Ärzte – und das stellt ein Vergehen nach Berufsrecht dar – fahren mit Botox zu Patienten nach Hause und spritzen es ihnen. Es gibt auch Kosmetiker und Heilpraktiker, die das ohne jegliche vernünftige Ausbildung ausführen. Das geht so nicht.

Sie sind ein Fachmann für Tattooentfernung. Was muss ein Patient beachten?

Bei einem Tattoo ist niemals bekannt, welche Chemie eingebracht wurde. Wir wissen auch nicht, wie viel Farbe der Tätowierer benutzt hat und in welcher Tiefe er sie gestochen hat. Man weiß im Vorfeld auch nicht, wie die biologische Reaktionsfähigkeit des Patienten nach der Entfernung ist. Leider gibt es auch Nanosekundenlaser auf dem Markt, mit dem man das Tattoo verbrennen kann – dann entstehen aber Narben. Mit einem hochwertigen Pikosekundenlaser geht das auch ohne Narbenentstehung. Daher sollte sich der Patient vorher genau informieren. Er sollte auch darauf achten, dass er von geschultem Personal behandelt wird, das langjährige Erfahrung mit der Tattooentfernung hat.

Wie teuer ist die Entfernung der typischen Jugendsünde – des Arschgeweihs?

Das Arschgeweih ist fast immer tief implantiert, da sind fast immer unglaubliche Mengen von schwarzer Farbe drin. Ein Arschgeweih zu entfernen, ist selbst mit modernster Lasertechnik schwierig. Man muss mit Kosten von 1500 bis 2500 Euro rechnen.

Die Menschen werden immer eitler. Lassen sich mehr Männer oder Frauen Fett entfernen?

Das ist ungefähr gleich. Neu ist, dass immer öfter Leute zu uns kommen, die fünfmal in der Woche Sport machen und nur noch kleine Fettmengen haben, die sie auch noch loswerden wollen. Immer mehr Patienten ekeln sich vor richtigen Operationen, weswegen sie mit nicht invasiven Methoden behandelt werden wollen – also mit Hitze, Kälte, Radiofrequenz oder Ultraschall. Mittlerweile ist allseits bekannt, dass diese Methoden wirken.

Sie reisen als Referent um die Welt. Was sind die kontinentalen Unterschiede im Bereich der Schönheitsoperationen?

Ich fliege viel nach Asien, um zu lernen. Dort ist die Entfernung von Fehlpigmentierungen am Mund und im Gesicht ein riesiger Markt. Der Asiate hat auch eher ein rundes Gesicht, viele wollen eine ovale Form. Nach Amerika reise ich, um neueste Lasertechniken mitzuentwickeln. In Deutschland sind wir im Bereich der Tattooentfernung führend, was die Forschung betrifft.

Was ist der größte Unsinn im Bereich der Schönheitsoperationen?

Ich denke, in der Schönheitschirurgie wird viel gelogen. Es wird erzählt, dass man kein Facelift mehr braucht und es stattdessen völlig risikofrei auch mit Fäden funktioniert. Mit Fäden kann man aber noch nicht mal annähernd das leisten, was ein Facelift oder der Laser oder Filler leisten kann. Und dazu kommt, dass Fäden große Risiken bergen: Wenn man mit einem Faden einen Keim durchsticht, gibt es ganz viele Entzündungen, und in manchen Fällen entstehen dicke Knubbel unter der Haut.

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