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Eine Krankheit mit vielen Facetten

Diagnose Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD

Vielfältige Symptome, unterschiedlichste Ursachen – CMD ist nicht immer leicht zu erkennen. Ist die Diagnose gestellt, stehen die Chancen auf Heilung aber sehr gut.

von Andrea Schorradt

, 05.06.2018
Eine Krankheit mit vielen Facetten

Die Symptome von CMD können von Fall zu Fall ganz verschieden sein: Schmerzen im Gesicht und im Kiefergelenk, Schwindel, Tinnitus, Kopfschmerzen und Migräne bis hin zu Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen gehören dazu. © dpa

Ich hatte immer wieder Kopf- und Nackenschmerzen, die zuweilen bis ins Gesicht strahlten, an schlechten Tagen kam noch leichter Schwindel dazu. Ich dachte, es läge am Stress, denn mein Job fordert mir viel ab. Dass etwas anderes dahinter stecken könnte, hätte ich überhaupt nicht erwartet.“

So oder so ähnlich schildern viele Betroffene ihre Situation, ehe die Diagnose „Craniomandibuläre Dysfunktion“, kurz CMD, gestellt wird. Gemeint ist ein Krankheitsbild, das zunächst ursächlich definiert wird, nämlich als Folge von Dysfunktionen (Fehlfunktionen) der Muskel- und Gelenkfunktion der beiden Kiefergelenke, die im Bereich zwischen Schädel (Cranium = Schädel) und Kiefer (Mandibula = Unterkiefer) liegen. Die Ursache der Fehlfunktion kann höchst unterschiedlich sein.

Mal ist es ein angeborener falscher Biss, mal kann CMD aber auch von einem Trauma herrühren, wenn beispielsweise beim Fußball ein Ball das Gesicht trifft. Auch die Symptome können von Fall zu Fall ganz verschieden sein: Schmerzen im Gesicht und im Kiefergelenk, Schwindel, Tinnitus, Kopfschmerzen und Migräne bis hin zu Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen gehören dazu. Der CMD-Dachverband – eine Gruppe ganzheitlich orientierter Zahnärzte, die auf die Diagnostik und Behandlung von CMD spezialisiert ist – schätzt, dass in Deutschland rund sieben Millionen Menschen unter den Folgen der Fehlfunktion ihres Kiefergelenks leiden.

Chancen auf Heilung stehen gut

Weil die Symptome so vielfältig und unspezifisch sind, vergehen allerdings oft Jahre, bis die Diagnose gestellt und die Therapie erfolgen kann. Dabei stehen die Chancen auf Heilung sehr gut. „Bei vielen Betroffenen gehen die Beschwerden nach der Behandlung zurück, sodass sie im Alltag keine Probleme mehr haben. Eine Entwicklung hin zu chronischen und stark beeinträchtigenden Verläufen ist eher ungewöhnlich“, sagt Guido Sand, Physiotherapeut und spezialisierter Manualtherapeut vom Regionalen Therapiezentrum (RTZ) in Wuppertal. Immer häufiger behandelt er CMD-Patienten.

„Bevor wir ein Therapiekonzept entwickeln, stellen wir eine eigene Anamnese und führen eine körperliche Untersuchung durch“, erklärt Guido Sand. Dabei werde unter anderem das Gelenk untersucht und der Patient zur Form seiner Beschwerden befragt. „Wir lokalisieren die Schmerzen, ihre Qualität (z. B. ziehend), die Schmerzintensität und was sie auslöst bzw. lindert. Im Grunde ist es eine systematische Abfrage.“ Das darauf basierende Therapiekonzept sei höchst individuell, und auch die Therapiedauer hänge vom Einzelfall ab. „Bei Bedarf erfolgt die Therapie in enger Abstimmung mit dem Zahnarzt oder dem Hausarzt, denn viele Patienten, bei denen eine craniomandibuläre Dysfunktion vorliegt, leiden unter Mehrfachbelastungen oder sind sogenannte Stresspatienten“, weiß Guido Sand.

Aus diesem Grund ist auch die Therapieform sehr individuell. Neben Physiotherapeuten und Osteopathen sind auch oft Zahnärzte oder Kieferorthopäden, Neurologen oder Allgemeinärzte an der Therapie beteiligt. Auch Psychologen können helfen, denn Menschen, die permanent unter Schmerzen und daraus resultierend unter psychischer Anspannung leiden, benötigen oft zur reinen körperlichen Therapie auch Hilfe für die Seele. Der CMD-Dachverband weiß, dass gerade CMD-Patienten nach teils jahrelanger Arztodyssee nicht selten depressive Störungen oder Ängste entwickeln.

Wer den Verdacht hegt, unter CMD zu leiden, spricht am besten seinen Hausarzt oder seinen Zahnarzt an. „Die meisten Patienten, die zu uns kommen, haben ihre Diagnose vom Zahnarzt erhalten“, erzählt Guido Sand. Was ihm auch auffällt: CMD wird zunehmend bekannter, Patienten seien sensibilisierter und sprächen häufig von sich aus den Arzt an. Da die Symptome sehr vielfältig sind, vergehen oft Jahre, bis Betroffene aktiv werden.

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