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Wie viel ist gesund?

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Fitnessarmbänder sind nur der Anfang. Hersteller zeigen cloudbasierte Lösungen, die alle Fitnessdaten zusammentragen. Und Körperscanner, die den Sportler bis ins Detail vermessen. Das kann motivieren, hat aber auch Schattenseiten.

05.06.2018
Wie viel ist gesund?

Zwischen Mensch und Maschine: Moderne Fitnessgeräte erfassen die Daten ihrer Nutzer. © dpa-tmn

Auf dem Bildschirm flackern kleine bunte Kreise auf. Sportler eins kommt nicht so richtig hinterher. Dafür tritt der Teilnehmer mit der Nummer sechs heute richtig in die Pedale. Ob vor Box-Geräten, Spinning-Rädern oder auf den Touchscreens der modernen Laufbänder: Überall auf der Fitnessmesse Fibo in Köln war kürzlich zu beobachten, wie digital und vernetzt die Sportwelt mittlerweile ist.

„Die Menschen sind immer und überall online, verbunden mit der Welt. Wir glauben, dass sie das auch beim Sport sein wollen“, sagt Jason Worthy vom US-Hersteller Life Fitness. Das Unternehmen stellte auf der Fibo ein cloudbasiertes System vor, das die Fitnessdaten von Clubmitgliedern zusammenführt und auswertet. Der gläserne Sportler, könnte man sagen. Das Optimum fürs Training, halten andere dagegen.

Für Worthy liegen die Vorteile auf der Hand: Fitness sei doch eine sehr individuelle Sache. Während seine Frau beim Sporteln abgelenkt werden will, weil sie bloßes Training öde findet, steht er auf Daten: „Ich will wissen, wie schnell ich war – und ob ich schneller war als beim letzten Mal.“

Mit Hilfe der Technik lerne der Trainer im Studio den Sportler viel besser kennen, sagt Worthy. „Die Technik soll Menschen nicht ersetzen, sondern das Trainingserlebnis erweitern.“ Seine Vision: maßgeschneiderte Lösungen, damit die Leute dranbleiben und nicht schon nach wenigen Wochen gelangweilt sind von ihrem Training.

Dient die Technik der Motivation, sei das natürlich erst mal nicht schlecht, findet Prof. Ingo Froböse von der Sporthochschule in Köln. Allerdings ist dann eben auch wichtig, dass die Daten interpretiert werden. Wer in seinem Studio allerhand Daten erheben lässt, sollte deshalb einfordern, dass ein Trainer sie auswertet und zum Beispiel den Trainingsplan entsprechend anpasst.

Die Rolle des Trainers ist auch für Christina Gregori wichtig. Sie bildet die Instruktoren beim Gerätehersteller Schwinn aus, der unter anderem vernetzte Indoor-Cycling-Räder anbietet. Die Räder verbinden sich mit den Fitnessarmbändern der Kursteilnehmer. Außerdem werden die Trainingsdaten der Radler direkt aus dem Ergometer auf einen großen Bildschirm übertragen. „Sie können dann gegeneinander fahren oder alle gemeinsam ein Ziel erreichen“, erklärt Gregori.

Sich vergleichen, in einen Wettbewerb treten, schneller sein als der andere – „die Leute wollen das“, sagt Gregori. Aber sie betont auch: „Es ist die Aufgabe eines guten Trainers, das im Zaum zu halten.“ Denn wer sich vor lauter Eifer überfordert, tut sich keinen Gefallen.

Die ausführliche Selbstvermessung birgt daneben aber noch eine ganz andere Gefahr. Denn je mehr Daten einer Person irgendwo zusammengefasst werden, desto transparenter wird sie.

Joanna Schmölz vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) rät deshalb dringend, die AGBs zu lesen, wenn man seine Gesundheitsdaten irgendwo preisgibt. Das sei nervig, aber wer auf seinen Körper achtgibt, der sollte auch mit seinen Daten vorsichtig umgehen.

Im Fitnessstudio lohnt es sich deshalb nachzufragen: Wie werden die Daten gespeichert? Anonym oder verbunden mit dem eigenen Namen? Und wer hat Zugriff auf das, was erhoben wird?

dpa

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