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Weber belässt "Kabale und Liebe in seiner Zeit

Premiere am Schauspielhaus

Das Saallicht ist noch an, da tobt auf der Bochumer Kammerbühne am Premierensamstag schon ein Fechtkampf. Der junge Angreifer wird ständig von seinem Lehrer (dem legendären Bühnenkampf-Choreografen Klaus Figge) besiegt. Am Samstag feierte Anselm Webers Inszenierung von "Kabale und Liebe" Premiere im Schauspielhaus.

BOCHUM

, 23.11.2014
Weber belässt "Kabale und Liebe in seiner Zeit

Luise (Friederike Becht) und Ferdinand (Nils Kreutinger) in der "Kabale und Liebe"-Inszenierung in Bochum.

Der junge Angreifer ist Präsidentensohn Ferdinand von Walter (Nils Kreutinger) - und der ist ständig einer Übermacht erlegen: der Übermacht seiner Gefühle, der Standesgrenzen, der Religions- und Moralgesetze, dieser mächtigen Männergruppe um seinen Vater, die sich mit unlauteren Mitteln nach oben gekämpft hat.Kampf um Räume Obwohl Friederike Becht als Luise in ihrer ersten Szene mit Kopfhörern auf die Bühne schlurft und Ferdinand an einem tollen Song aus ihrem MP3-Player teilhaben lässt, belässt Anselm Weber "Kabale und Liebe" grundsätzlich in seiner Zeit.

 Weber erzählt den aktuellen Schulstoff auch als einen Kampf um Räume - Freiräume. Das Haus des Stadtmusikanten Miller ist wie in Lars von Triers "Dogville" bloß ein Grundriss aus weißen Linien auf der leeren, schwarzen Bühne. Doch seine Grenzen sind den Millers heiliges Gut. Wenn Präsident von Walter sie überschreitet und Millers Tochter Luise als die Hure seines Sohnes darzustellen versucht, wird der Vater plötzlich mutig: "Euer Exzellenz schalten und walten im Land. Das ist meine Stube!"

Man könnte die auf zweieinhalb Stunden komprimierte, sehr textgetreue Inszenierung des Intendanten als Aufsagetheater schelten. Aber wie er seinem durchweg großartigen Ensemble das Aufsagen gelehrt hat, das ist große Kunst.Vater der Intrige Sie machen sich Schillers Sprache zu eigen und fühlen sich in seine Figuren. Besonders stark ist das, wenn Kristina Peters Lady Milford in all ihren Brüchen als liebenden Menschen erfahrbar macht oder wenn Florian Langes Sekretär Wurm, der Vater der Intrige, dem Publikum plötzlich für eine Sekunde leidtut.

Termine: 27.11., 2./5./ 15./26.12.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.

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