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Weißer erschießt neun Afroamerikaner in US-Kirche

Charleston (dpa) Ein junger weißer Amerikaner erschießt neun Afroamerikaner in einer Kirche. Die Ermittler sprechen von Rassismus. Obama ist entsetzt.

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Ein Polizeifoto des Verdächtigen Dylann Roof nach einer Festnahme wegen unerlaubten Betretens am 26. April 2015. Foto: Lexington Police Department

Mit diesem Fahndungsfoto sucht die Polizei von Charleston nach dem Mörder. Foto: Charleston Police Department

Der Täter wird als ein etwa 20-jähriger weißer Mann beschrieben, er wird als sehr gefährlich eingestuft. Foto: Richard Ellis

In einer Kirche in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina hat ein Mann neun Menschen erschossen. Foto: Richard Ellis

Die Polizei sucht nach dem flüchtigen Täter. Foto: Richard Ellis

Ein Angehöriger der getöteten Kirchenbesucher spricht mit der Polizei. Foto: Richard Ellis

Ein weißer Mann soll in dem von Afroamerikanern besuchten Gotteshaus das Feuer auf Menschen während einer Bibelstunde eröffnet haben. Foto: Richard Ellis

Gedenken an die Opfer: Männer halten sich vor der Kirche an den Händen. Foto: Richard Ellis

Ein weißer Amerikaner hat in einer Kirche in Charleston im Süden der USA neun Schwarze während einer Bibelstunde erschossen.

Die Polizei sprach von einem «Verbrechen des Hasses» und vermutet Rassismus als Motiv. Der 21-jährige Tatverdächtige flüchtete zunächst im Auto und wurde später bei einer Verkehrskontrolle festgenommen. Laut Medienberichten hatte er die Waffe erst vor Wochen zu seinem Geburtstag erhalten. Es handelt sich um eines der schwersten rassistischen Verbrechen seit Jahren in den USA.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich bestürzt, kritisierte die laxen Waffengesetze in den USA und verwies auf latenten Rassismus. «So etwas geschieht nicht an anderen Orten mit einer solchen Häufigkeit.» Wieder einmal habe ein Täter es zu leicht gehabt, an eine Schusswaffe zu kommen. Dass sich die Bluttat in einer von Schwarzen besuchten Kirche ereignete, werfe Fragen über «den dunklen Teil unserer Geschichte auf». Er fügte hinzu: «Dies ist nicht das erste Mal, dass schwarze Kirchen angegriffen wurden.» Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tat.

Der mutmaßliche Todesschütze wurde nach Angaben der Behörden über 300 Kilometer vom Tatort entfernt bei einer Verkehrskontrolle in Shelby in North Carolina gestellt. Nach Informationen von US-Medien hatte der Verdächtige vor der Tat erklärt, er wolle Schwarze umbringen.  

In den vergangenen Monaten hatten Gewalttaten weißer Polizisten gegen Afroamerikaner mehrfach für landesweite Empörung gesorgt. Das Verbrechen löste besonderes Entsetzen aus, weil erst im April im Nachbarort North Charleston - rund 15 Minuten mit dem Auto entfernt - ein Polizist von hinten einen flüchtenden Afroamerikaner erschossen hatte. Die Tat wurde auf einem Video festgehalten.

Nach dem Blutbat in der Kirche veröffentlichten die Behörden ein Foto, das den jungen Mann in einem Jackett zeigt, auf dem die Flaggen der ehemaligen Apartheidstaaten Südafrika und Rhodesien zu erkennen sind. «Der einzige Grund dafür, dass jemand in eine Kirche geht und Leute erschießt, ist Hass», sagte Charlestons Bürgermeister Joe Riley.

Das Verbrechen ereignete sich am Mittwochabend (Ortszeit) in Charleston im US-Staat South Carolina. Nach Angaben von Polizeichef Gregory Mullen betrat der Täter kurz nach 20 Uhr die Afrikanisch-methodistische Episkopalkirche. Zunächst habe er sich rund eine Stunde in der Kirche aufgehalten, bevor er geschossen habe.

Bei den Toten handelt es sich um drei Männer und sechs Frauen. Unter den Toten ist ein demokratischer Senator im Landesparlament, Clementa Pinckney. Er ist Pfarrer an der historischen «Mother Emanuel»-Kirche. Nach Gemeinde-Angaben ist sie das älteste Gotteshaus der Afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche (AME) in den Südstaaten.

Acht Menschen starben nach offiziellen Angaben bereits am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus. Bei allen neun Toten handelt es sich um Afroamerikaner. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI nahmen Ermittlungen wegen des Verdachts des Rassismus auf.

Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Eine Überlebende berichtet laut lokalen Medien, der Täter habe ihr gesagt, er lasse sie leben, damit sie alles erzählen könne, was in der Kirche passiert sei. Es sei aber unklar, ob der Täter seine Opfer bewusst ausgewählt habe, sagte Polizeichef Mullen.

Nach dem Blutbad versammelten sich Gemeindemitglieder in der Nähe der Kirche und beteten. «Alles, was wir brauchen, ist Frieden», meinte ein junger Mann. Bürgermeister Riley rief die Bewohner der Stadt auf, angesichts des Verbrechens enger zusammenzurücken.

Webseite der Kirche

CNN

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