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Weltoffenheit mit Hindernissen

WM-Erinnerungen

Träume, Tore, manchmal auch Tränen. All das steht uns in den nächsten vier Wochen bevor, wenn der Ball wieder rollt und die Teams nur ein Ziel haben: Weltmeister werden. Im Fußballfieber muss auch Zeit sein für Erinnerungen. Unsere Redakteure nehmen sie die Zeit und erzählen ihre schönsten WM-Geschichte. Hier: Irene Steiner

10.06.2014
Weltoffenheit mit Hindernissen

2006, das Sommermärchen, auch in Dortmund. Unvergessen die aufgeräumten Polizisten, die an der Katharinenstraße standen und Schminkstreifen in den deutschen Nationalfarben auf Wunsch auf die Wange klebten. Unvergessen auch die internationalen Fans: Die Schweden, die die Dortmunder Innenstadt in eine blau-gelbe Partymeile verwandelten. Die Brasilianer, die einen Vorgeschmack auf das gaben, was ins in den nächsten Wochen erwartet. Und natürlich die Gäste aus fernen, exotischen Ländern, die in der Westfalenmetropole einen Hauch der großen weiten Welt verbreiteten und Fernweh weckten: Togo, Trinidad-Tobago, Ghana, Japan. Und die Schweiz.

Deren Fans machten in der U-Bahn auf dem Weg ins Stadion unliebsam auf sich aufmerksam. Schien jedenfalls den deutschen Fahrgästen. Gut gelaunt schmetterten die Eidgenossen ein ums andere Mal "Schweizer Nazi, Schweizer Nazi!" und johlten und jubelten. Merkwürdiges Völkchen, diese Bergbewohner aus dem Südwesten. Betreten schauten sich die deutschen Fahrgäste in dem Fußball-Shuttle an. Da gab man sich alle Mühe, weltoffen für Kulturen aller Art zu sein. Aber ein bisschen mehr Sensibilität für die kaum vernarbten Wunden der gastgäber hätte man sich gerade von den europäischen Nachbarn doch erhofft. Gab es nicht.

"Schweizer Nazi, Schweizer Nazi!", schalte es munter durch die U-Bahn. Und wurde langsam leider.  Denn so unsensibel waren die Eidgenossen dann doch nicht, dass sie das Unbehagen der anderen nicht bemerkt hätten. Kurze Irritation, kurzer Austausch, erleichtertes Schmunzeln: Mit Nazi meinten die Schweizer Fans natürlich ihre Nationalmannschaft. Und ja, das Anfeuern schon in der U-Bahn hat geholfen: Die Schweizer besiegten Togo in einem denkwürdigen Spiel im Dortmunder WM-Stadion mit 2:0.

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