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Weniger im Beutel

BOCHUM Dem ohnehin seit Jahren schwächelnden Einzelhandel drohen weiter schwere Zeiten. IHK-Präsident Pieper: "Die Kaufkraft ist gesunken, die Leute haben weniger im Beutel."

von von Joachim Stöwer

, 08.10.2007
Weniger im Beutel

IHK-Präsident Gerd Pieper sieht schwere Zeiten auf den Einzelhandel zukommen.

Schuld daran ist nicht nur die um drei Prozentpunkte gestiegene Mehrwertsteuer, auch andere Belastungen hätten die Haushaltsbudgets geschwächt und die Kaufkraft geschmälert - Piper zählte sie gestern bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage auf: der Wegfall der Eigenheimzulage, die Kürzung der Pendlerpauschale, die notwenigen Rücklagen fürs Alter.

Steuersatz steigt

Das allein schnürt den Umsatz ein - vom Gewinn ganz zu schweigen: Hier droht im nächsten Jahr ein weiterer Einbruch durch die Reform der Gewerbesteuer. "Die wird den Einzelhandel weiter schwächen" ist Pieper überzeugt. Der Eigentümer der Parfümerie-Kette kann sich das selbst im eigenen Betrieb ausrechnen: "Der Steuersatz bei der Körperschafts- und Gewerbesteuer würde um 20 Prozentpunkte steigen."

Grund dafür ist, dass die Gewerbesteuer nicht am Erfolg, sondern auch an Kostenfaktoren wie Miete und Leasing etc. bemessen werden soll - "damit so Pieper wird die Gewerbesteuer zur Substanzsteuer." Er befürchtet, dass eine weitere Schließungswelle anstehen könnte, nicht nur im Einzelhandel, auch im Handwerk und in gastronomischen Betrieben.

Der Einzelhandelsverband hat das ganz konkret ausgerechnet: "Von zwölf Branchen sind vier in ihrer Existenz gefährdet."

Mittelstandsfeindlich

Extrem mittelstandsfeindlich nennt der IHK-Präsident die geplante Gewerbesteuerreform, die auch ganze Konvolute von Papier erzeugt - "von einer Steuervereinfachung sind wie weiter entfernt als je zuvor."

Als ein wenig ausgleichendes Korrektiv sieht Pieper die Landesentwicklungsplanung in NRW, die künftig weitere Ansiedlungen auf der grünen Wiese verhindern soll, und das Konstrukt der Immobilienstandortgemeinschaften, bei denen auch die Grundbesitzer zur Verschönerung ihrer Häuser verpflichtet werden können - "wir müssen die Aufenthaltsqualität verbessern, um die City zu stärken."