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Wenn jede Sekunde ein Leben retten kann

Erste Hilfe: So geht es richtig - lernen Sie im Quiz

Immer mehr Deutsche beginnen in Notfällen schnell mit einer Wiederbelebung. An 100 Schulen in NRW lernen die Kinder in einem Pilotprojekt, wie sie im Ernstfall reagieren sollten. Doch was würden Sie tun, wenn Sie ohne Vorwarnung Erste Hilfe leisten müssen? In unserem Quiz können Sie die brenzligsten Situationen durchspielen.

von Paul Klur

NRW

, 25.02.2018
Wenn jede Sekunde ein Leben retten kann

Reanimation ist zwar nicht schwer - aber viele Menschen fürchten sich immer noch davor, etwas falsch zu machen und helfen deshalb nicht rechtzeitig.  © Léonie Sauerland

Pro Minute, die bis zum Beginn der Wiederbelebung vergeht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um etwa 10 Prozent. Das belegen kardiologische Studien. Schon fünf Minuten nach dem Stillstand ist ein Überleben nicht mehr wahrscheinlich – wenn noch keine Erste-Hilfe-Maßnahmen erfolgt sind. Zu diesem Zeitpunkt ist der Rettungsdienst aber meist noch nicht vor Ort. Umso wichtiger ist es also, dass jeder Erste Hilfe leisten kann.

Modellprojekt an 100 Schulen in NRW

Im laufenden Schuljahr 2017/18 hat das NRW-Schulministerium ein Modellprojekt dazu gestartet. 100 Schulen nehmen daran teil. Während der „Woche der Wiederbelebung“ im September lernen Schüler Erste Hilfe und Reanimation. Das Projekt läuft über drei Jahre, zuvor werden die Lehrer von Ärzten geschult. Ärzteverbände übernehmen die Schulungen, die Betriebskrankenkasse (BKK) finanziert die Puppen. Mehr zu dem Pilotprojekt in NRW und zum aktuellen Stand, was Erste Hilfe angeht, erfahren Sie weiter unten im Artikel. 

Kennen Sie sich schon gut mit Erster Hilfe aus? In unserem Quiz können Sie ihr Wissen testen:

Schüler sollen Erste-Hilfe-Unterricht bekommen

Schon 2014 empfahl der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz daher Erste-Hilfe-Unterricht in allen deutschen Schulen. In einigen Bundesländern wurde diese Empfehlung schon umgesetzt, etwa in Baden-Württemberg oder zuletzt im Saarland.

Wenn jede Sekunde ein Leben retten kann

Kampagnen wie „Ein Leben retten“ brachten dem Thema Wiederbelebung in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit. © dpa

In Mecklenburg-Vorpommern ist Erste-Hilfe-Unterricht Teil des Lehrplans für alle Schüler an weiterführenden Schulen. Holger Sorgatz, Geschäftsführer des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten, begrüßt diese Entwicklung: „Flächendeckender Unterricht soll auf jeden Fall eingeführt werden. Studien zeigen, dass man so mit wenig Aufwand viel erreichen kann.“

In nur zwei Einheiten könnten die Schüler lernen, worauf es bei Reanimation ankomme, erklärt Sorgatz. „Das ist ja auch ganz einfach: Es geht vor allem um die Herzdruckmassage, also dass der Betroffene durchblutet wird und am Leben bleibt“. Andere Standards, wie etwa die stabile Seitenlage, seien da „erstmal zweitrangig“, sagt Sorgatz.

In NRW steht Erste Hilfe noch nicht überall auf dem Stundenplan. Aber im Koalitionsvertrag der neuen schwarz-gelben Landesregierung ist das Vorhaben verankert: „Durch die Unterrichtung an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen wollen wir die Bereitschaft zur Ersten Hilfe und Wiederbelebung von Anfang an fördern“.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärt in einer Mitteilung: „Die Schulen werden von ihrer jeweils zuständigen Bezirksregierung bei der Umsetzung des Projekts unterstützt und beraten. Wir werden die Entwicklung begleiten und evaluieren“. Nach diesem Pilotprojekt könnte Erste-Hilfe-Unterricht auch in den NRW-Lehrplan aufgenommen werden, sagt Jörg Harm, Sprecher des Schulministeriums. „Darüber hinaus können die Schulen in Nordrhein-Westfalen eigenverantwortlich das Thema Wiederbelebung aufgreifen“, sagt Gebauer. Einige Schulen hätten schon seit längerer Zeit Reanimation im Unterricht, etwa in Sport und Biologie, oder in Projekten behandelt.

Mit Erfolg, wie Stefan Behlau, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung in NRW bestätigt: „Zusätzlich zur Wissensvermittlung ist es wichtig, die Kurse möglichst motivierend zu gestalten. Die Bereitschaft zur Ersten Hilfe zu fördern ist richtig. Dies zeigen im Übrigen auch die Erfahrungen der Schulen, die bereits Schulsanitätsdienste eingerichtet haben.“

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Behlau kann den Zeitplan der Landesregierung nachvollziehen. „Die knappen Ressourcen müssen bei der Planung beachtet werden. Der Platz im Unterrichtsplan für Wiederbelebung muss angemessen sein. Wenn Lehrerinnen und Lehrer entsprechende Fortbildung erhalten, dann in der Dienstzeit.“ Laut Notfallmediziner Gräsner „wäre es natürlich schöner, wenn es schneller ging. Aber Gründlichkeit ist schon wichtig. Lehrer müssen ohne zu viel Unterrichtsausfall trainiert werden, die Kosten müssen eingeplant werden. Das braucht Zeit.“

Erste Hilfe in Zahlen

Für mehr Bereitschaft zur Ersten Hilfe werben vor allem Kampagnen wie „Ein Leben retten“. „Wir wollen Wiederbelebung in die Öffentlichkeit bringen. Das ist nicht nur was für Profis“, sagt Dr. Jan-Thorsten Gräsner vom Institut für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

Und die Projekte haben Erfolg, die Zahlen steigen: Begannen 2010 noch bei nur 14 Prozent der Herz-Kreislauf-Stillstände Laien eine Reanimation, waren es 2016 schon 37 Prozent. Doch damit hat Deutschland immer noch Nachholbedarf; etwa gegenüber den skandinavischen Ländern, wo zwischen 70 und 80 Prozent der Wiederbelebungen von Laien begonnen werden. „Das ist kein Hexenwerk, Schweden lag auch mal bei etwa 30 Prozent. Aber für jedes Prozent müssen wir hart arbeiten“, sagt Gräsner.

Laut der Stiftung Deutsche Anästhesiologie sterben immer noch bis zu 100.000 Menschen in Deutschland jedes Jahr an einem plötzlichen Herzstillstand. Die Chancen, einen solchen Stillstand zu überleben, sind schlecht. Zahlen des deutschen Wiederbelebungsregisters zeigen: Nur 12 Prozent der Patienten werden nach einem Herzstillstand wieder lebend aus dem Krankenhaus entlassen.

Doch die Überlebenschancen könnten sich verdoppeln bis verdreifachen, wenn früher und häufiger Erste Hilfe geleistet würde. Dafür müssten die Deutschen sicherer im Umgang mit einem Herzstillstand sein. „Viele Menschen haben Angst, sie könnten etwas falsch machen, wofür sie später womöglich noch belangt werden. Das ist Unsinn“, erklärt Gräsner.

Oft bricht der Ersthelfer etwa dem Patienten eine Rippe, aber das bräuchte niemand zu fürchten. „Dabei handelt es sich im Vergleich zu einem wahrscheinlich tödlichen Herzstillstand ja nur um eine Bagatelle. Wichtig ist, dass die Leute verstehen: Wir brauchen dich als Helfer!“, betont Gräsner.

Weitere Infos und Richtlinen zur Ersten Hilfe gibt es auf der Website von „Ein Leben retten“.
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