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Das gesellschaftliche Leben im Fokus

Geschichten aus dem Evenkamp

Der Hobbyfotograf Herbert Franz (84) hat in den 1950er bis 1970er Jahren das gesellschaftliche Leben im Evenkamp festgehalten. Überall war er mit seiner „Contaflex“ von Zeiss Ikon dabei. Von dem Elternhaus seiner Frau hatte er einen guten Blick auf die ziehenden Kommunionkinder.

EVENKAMP

, 28.10.2016
Das gesellschaftliche Leben im Fokus

Herbert Franz hat seine alten Schätze verwahrt: Die analoge Contaflex, der Metz-Stabblitz und die hochwertigen Objektive dazu.

„Von hier aus konnte ich alles überblicken“, erzählt Herbert Franz. Die Mädchen zogen in ihren weißen Kleidern und die Jungen in ihren dunkelblauen Anzügen vorbei. „Hinterher waren die Eltern scharf auf die Fotos ihrer Kinder“, erzählt er. Seine erste Kamera war eine Voigtländer Box 6x9. Die Kamera kam von 1938 bis 1939 nur in geringer Stückzahl auf den Markt. Von den Negativen (6x9) machte er Papier-Kontaktabzüge, heute noch Bilder mit hoher Brillanz.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Evenkamp-Serie Folge 24: Fotograf Herbert Franz

Der Hobbyfotograf Herbert Franz (84) hat in den 1950er bis 1970er Jahren das gesellschaftliche Leben im Evenkamp festgehalten. Überall war er mit seiner „Contaflex“ von Zeiss Ikon dabei. Von dem Elternhaus seiner Frau hatte er einen guten Blick auf die ziehenden Kommunionkinder.
28.10.2016
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Nach 20 Jahren beendete Herbert Franz 1993 seine Laufbahn bei der Stadt Werne. Hier verabschieden ihn die Kollegen als Schwimmmeister des Stockumer Freibades.© Foto: Philip Watson
Wenn die Kommunionkinder durch den Evenkamp zogen, stand Herbert Franz mit seiner Kamera parat.© Foto: Herbert Franz
Oft wurde er gefragt, ob er eben mal ein Foto machen könne: Auch dieses Bild von der Hochzeit seiner Schwägerin Hedwig Rohrkamp und Franz Heitbaum fotografierte er mit seiner Contaflex.© Foto: Herbert Franz
Sein gutes Auge stellte Herbert Franz auch hier unter Beweis: Die Aufnahmen im Kindergarten machte er in Augenhöhe.© Foto: Herbert Franz
Herbert Franz hat seine alten Schätze verwahrt: Die analoge Contaflex, der Metz-Stabblitz und die hochwertigen Objektive dazu.© Foto: Helga Felgenträger
Gekonnt in Szene gesetzt: Sein Schwiegervater Bernhard Rohrkamp und sein Sohn Konrad.© Foto: Herbert Franz
Auch dieses Bild hat Herbert Franz im Kindergarten gemacht. Es zeigt seine spätere Frau, die Erzieherin Änne Rohrkamp.© Foto: Herbert Franz
Sein Schwiegervater Bernhard Rohrkamp war Zugführer von Pengel Anton.© Foto: Herbert Franz
Oft wurde er gefragt, ob er eben mal ein Foto machen könne: Auch dieses Bild von der Hochzeit seiner Schwägerin Hedwig Rohrkamp und Franz Heitbaum fotografierte er mit seiner Contaflex.© Foto: Herbert Franz
Herbert Franz hatte sich zu Hause auch eine Dunkelkammer eingerichtet.© Foto: Herbert Franz
Schlagworte Werne

Dachkammer zur Dunkelkammer umfunktioniert

Dann kaufte sich der Bergmann die hochwertige Contaflex mit lichtstarken Zeiss-Tessar-Objektiven. „Ein teures Hobby“, sagt er. Denn zur Ausrüstung kam damals noch das Fotomaterial wie Filme, Papier und die Entwicklerlösungen hinzu. „Die Filme entwickelte ich selbst.“ Eine kleine Dachkammer, zwei Quadratmeter groß, hatte er sich zu einer Dunkelkammer umfunktioniert.

An der Tür hing zusätzlich ein dichter Vorhang. Der Türspalt wurde mit Schaumstoff-Klebeband abgedichtet. Die Infrarot-Lampe hängt heute noch an der Wand. „Es durfte kein Tageslicht reinkommen“, sagt er. Wehe, eines seiner vier Kinder machte versehentlich die Tür auf, dann war es um die Abzüge geschehen.

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Fotografieren setzte technisches Verständnis voraus

Seine jüngste Tochter Ingrid saß gerne mit ihm in der Dunkelkammer und schaute ihm über die Schulter. Voller Erwartung blickten sie auf das Fotopapier in der Entwicklerschale, wo sich langsam das Schwarz-Weiß-Motiv abzeichnete. Anschließend wurden die Fotos gewässert und getrocknet. „Und hinterher versah mein Vater die meisten Fotos noch mit einem Büttenrand“, erinnert sich seine Tochter.

Herbert Franz
Geboren ist Herbert Franz am 25. März 1932 in Hindenburg in Oberschlesien. Die Vertreibung führte ihn mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Werne. Beruflich war er zuerst auf der Zeche Werne, dann Schwimmeister im Freibad Stockum. Von 1973 (Freibad-Eröffnung) bis 1993. Seine Leidenschaft galt der Fotografie. In den 1950er bis 1970er hielt der Hobbyfotograf mit seiner brillanten Ausrüstung das gesellschaftliche Leben im Evenkamp fest. 

„Das Fotografieren war damals noch eine Kunst“, sagt Herbert Franz. Es setzte technisches Verständnis voraus. Blende, Belichtungszeit, Entfernung: Alles musste man manuell an der Kamera einstellen. „Das Schönste war, als der Stabblitz auf den Markt kam“, meint er. Über die Leitzahl am Blitz konnte er dann in Abhängigkeit der Entfernung die Blende berechnen.

Der Hobbyfotograf als Schwimmmeister

Sein Metz-Stabblitz von damals hat immer noch einen Platz in seiner Fototasche neben Kamera und Objektiven. „Es war die Zeit der Schwarz-Weiß-Fotografie“, sagt er mit leichtem Wehmut. Als die Farbfotografie auf den Markt kam, verabschiedete er sich von seinem Hobby.

„Es wäre viel zu teuer geworden.“ Parallel dazu veränderte sich auch sein berufliches Leben: 1973 öffnete das Freibad in Stockum. Die Stadt suchte Schwimmmeister und so ergriff er die Gelegenheit und ließ sich entsprechend umschulen. Erst zum Schwimmmeister-Gesellen und dann später noch zum geprüften Schwimmmeister. Dort war er dann 20 Jahre tätig.

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