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Hausmeister Schwichtenhövel räumt sein Revier

WERNE Das Büro sieht verwaist aus. Ungewohnt, ohne die vielen Souvenirs an den Wänden. Hubert Schwichtenhövel, Hausmeister der Barbara-Schule, räumt aus. Der 62-Jährige bereitet sich auf einen neuen Lebensabschnitt vor. Und dabei gibt es einiges zu erledigen.

von Von Helga Felgenträger

, 05.08.2008

Am 31. August geht der 62-Jährige in den passiven Teil der Altersteilzeit. Karnevalsorden (seit 30 Jahren bei der IWK), Vereinsfahnen, unendlich viele Fotos, Sim-Jü-Herzen, Wimpel, Plaketten, Keksdosen – alle Erinnerungen aus 24 Jahren werden in Kisten verstaut. Am 15. März 1979 fing der gelernte Baumaschinenschlosser im Bauhof der Stadt Werne an. Fünf Jahre später kam Walter Göhler ins Büro und fragte, wer will an der Barbaraschule Hausmeister werden. „Ich meldete mich“. Ein Tag später hatte er ein Gespräch mit der Personalabteilung, eine Stunde später bezog er sein Büro in der Barbaraschule.

Seitdem hat sich vieles verändert: Die „Förderschule für Lernbehinderte mit Schwerpunkt Lernen“ ist nicht nur zum offenen Ganztags-Schulbetieb geworden. „Leider sind auch die Schüler nicht mehr so einfach wie früher“, bedauert er. Schuld ist der Erziehungsstil, meint der Hausmeister. Jungen Leuten – Alter zwischen acht und 18 Jahren (1. bis 12. Klasse) – fehle die Strenge, ist er überzeugt und spricht den Umgang mit fremdem Eigentum an. „Es wird einfach zu viel kaputt gemacht“.

Zehn Klassenräume, zwei Werkstatträume, Nähraum, Anti-Stress-Raum, Küche, Aula: 3000 Quadratmeter, über die er täglich wacht. „Die Parkettböden sind jetzt 50 Jahre, so alt wie die Schule“, zeigt er auf den Fußboden. Blitzblank. „Städtische Reinigungskräfte“, betont er. „Darauf ist Verlass“. Mindestens zweimal im Jahr werden die Klassen zur Grundreinigung komplett ausgeräumt. Dann heißt es Stühle rücken. Ohne seine rechte Hand kaum zu schaffen, sagt er und stellt Isni Begiri vor, der ihn seit 18 Jahren begleitet und auch bei Reparaturarbeiten zur Stelle ist. Das Haupteinsatzgebiet des Hausmeisters: Reparieren. „Die Turnhalle hätte man uns nicht wegnehmen müssen“, übt er Kritik. Wenn er morgens reinkomme, tropfe der Wasserhahn oder das Fenster sei geöffnet. Seit 1998 sind die Vereine ab Nachmittag für die Sportstätten verantwortlich. Da kommt dann kein Hausmeister und schaut nochmal nach dem Rechten.

In seiner Amtszeit als Hausmeister hat Hubert Schwichtenhövel manchen Schüler kennen gelernt. Das größte Problem sei heutzutage die Motivation. Dabei sei es so einfach, Schüler bei der Stange zu halten, meint er und führt den schulinternen Bootsbau an. „Eine Kiste mit Einzelteilen kommt an und hinterher steht ein fertiges Boot auf dem Schulhof, von den Schülern selbst gebaut. Alle sind stolz“, freut er sich. Seine Devise lautet an die Schüler: Nimm Dein Leben in die Hand. Gerne führt er die berufliche Karriere eines Schülers an, der das Abitur gemacht hat und es bis zum Betriebsleiter schaffte. Ein alter Schulfreund Schwichtenhövels arbeitet jetzt unter dem ehemaligen Barbara-Schüler .

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