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Savas Beltir: „Integrationskonzepte hat man vor 2015 nur aus Image-Gründen entwickelt“

Integration

Probleme können nur im Dialog angegangen werden. Dieser Satz fällt in diesen Tagen wieder häufiger. Einer, der nicht nur von Problemen reden will, ist Savas Beltir, neuer Integrationsbeauftragter beim Kreis Unna.

Werne

, 04.09.2018
Savas Beltir: „Integrationskonzepte hat man vor 2015 nur aus Image-Gründen entwickelt“

Ohne ein Miteinander geht es nicht, sagt Savas Beltir vom Kommunalen Integrationszentrum Kreis Unna. © rawpixel/unsplash.com

Savas Beltir ist seit Februar 2018 neu im Team des Kommunalen Integrationszentrums (KI) Kreis Unna. Derzeit tourt er durch die Städte im Kreis, stellt sich Behörden und der Öffentlichkeit vor. „Unter Integration kann sich nicht jeder etwas vorstellen“, sagt Beltir am Montag (3. September), während er bei Baumhove am Markt seinen Kaffee trinkt. Er sagt das über ein Wort, das sich doch eigentlich manifestiert hat in der Deutschen Medienlandschaft, das oft aber viel zu theoretisch bleibt.

Seit 2012 hat der Kreis Unna ein bestehendes Integrationskonzept. „Diese Konzepte wurden damals mehr aus Imagegründen entwickelt“, sagt der 42-Jährige. Dann kam das Jahr 2015, dann kamen die Busse mit den Menschen, die in diesem Land Zuflucht suchten. „Und diese Situation hat gezeigt, dass niemand so richtig wusste, wie er mit ihr umzugehen hat.“ Dass es um mehr geht, als bloß ein gutes Image.

Savas Beltir: „Integrationskonzepte hat man vor 2015 nur aus Image-Gründen entwickelt“

Savaş Beltir arbeitet seit Februar 2018 beim Kommunalen Integrationszentrum Kreis Unna. Derzeit tourt er durch die einzelnen Städte, am Montag (3. September) war er zu Gast in Werne. © Vanessa Trinkwald

Savas Beltir ist Sohn türkischer Einwanderer, in Duisburg geboren und aufgewachsen, mittlerweile wohnhaft in Dortmund. Er kennt die Probleme, die das Zusammenleben mit sich bringen; er weiß, wie es ist, sich nicht zugehörig zu fühlen. Als Jugendlicher habe er auf stur gestellt – diese Gesellschaft will mich nicht. „Dass das nichts bringt, habe ich relativ schnell gemerkt“, sagt er und lacht.

Das ist das eine: zu verstehen, dass es ohne ein Miteinander nicht geht. Auf beiden Seiten. „Wir brauchen auch keine Ballungsräume“, sagt Beltir. Diese Parallelgesellschaften führten nur zu Vorurteilen. Mit der dezentralen Verteilung von Flüchtlingen wäre Werne hier auf dem richtigen Weg, dieses Problem möglichst zu umgehen.

„Wir reden über diese Menschen, aber nicht mit ihnen“

Doch von Problemen will Beltir nicht ausschließlich reden: „Die Integration ist im Allgemeinen ein sehr problemorientierter Begriff“, sagt er. Kommunale Konzepte des Zusammenlebens gebe es kaum. „Wir reden über diese Menschen, aber nicht mit ihnen.“ All das hat man irgendwie schon einmal gehört. Und nun?

In Zusammenarbeit mit der Stadt Werne und den anderen Kommunen im Kreis Unna will Beltir einen roten Faden entwickeln. Was läuft weniger gut, was aber auch gut? Was hat man in Werne bereits bewirkt, etwa mit dem „B-Treff“ der Flüchtlingshilfe oder der „Löwenburg“ am Neutor? Man sei in Gesprächen, knüpfe Kontakte, erstelle ein Netzwerk, damit die Städte auch voneinander lernen können. „Es wird sich erst in ein paar Jahren zeigen, wie die Integration funktioniert hat“, sagt Beltir. „Aber wenn wir so eine Plattform nicht haben, ist das Dilemma vorprogrammiert.“

  • Savas Beltir hat in Essen studiert. Der Sozialwissenschaftler hat als Journalist gearbeitet, bevor er vor 15 Jahren in das Aufgabenfeld Bildungskonzeption wechselte und unter anderem für eine NRW-Stiftung arbeitete.
  • Seit Februar 2018 ist er tätig beim Kommunalen Integrationszentrum (KI) Kreis Unna.
  • Kontakt unter Tel. (02307) 92488-64, per E-Mail an savas.beltir@kreis-unna.de oder über die Homepage des Kreises.
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