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Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke pflegen

WERNE Langzeitarbeitslose sollen auf Initiative des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundesanstalt für Arbeit in der sozialen Betreuung von Demenzerkrankten eingesetzt werden. Das Vorhaben stößt auch bei den Verantwortlichen in Werner Senioreneinrichtungen und im Pflegebeirat auf Vorbehalte.

von Von Irene Steiner

, 22.08.2008
Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke pflegen

Die Betreuung Demenzkranker ist sehr aufwendig und fordert Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

Eine Chance für Arbeitslose? Kontakte für Demenz-Erkrankte, die einfach gut tut? Oder doch ein fragwürdiger Versuch, im Pflegebereich Geld zu sparen? „Von der quantitativen Seite her, ist das Angebot gut. Aber die Menschen müssen pflegerisch vorbelastet sein und seelisch in der Lage, mit Demenz-Erkrankten umzugehen“, stellt Bernd Haverkamp, Geschäftsführer des Pflegebeirats ganz klare Kriterien auf. Und bekommt dafür Unterstützung von den Heimleitungen der Seniorenhäuser in Werne.

Zum Beispiel von Schwester Vera, die das Altenheim St. Katharina leitet: „Die psychosoziale Betreuung ist sehr wichtig. Aber wenn ich denke, wer von der Arge schon als 1-Euro-Kraft vermittelt wurde, dann bin ich skeptisch“, umreißt die Ordensschwester ihre Erfahrungen mit Menschen, die eben nicht die ganz besonders große soziale Kompetenz mitbrachten. Diese sei nötig, um angemessen mit den Demenz-Erkrankten umzugehen. Die es aber natürlich auch unter Langzeitarbeitslosen gibt, wie Sabine Oboda vom Seniorenstift am Solebad weiß: „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, wir konnten jetzt sogar eine 1-Euro-Kraft fest einstellen“, schildert die Heimleiterin ihre Erfahrungen.

Und es besteht kein Zweifel: Der Bedarf an Menschen, die sich Demenz-Erkrankten zuwenden, mit ihnen sprechen oder spielen oder spazieren gehen, ist da: Der Anteil der Bewohner mit Demenz-Erkrankungen bewegt sich in den vier Werner Seniorenheimen St. Katharina, Antonius, Haus Christine und Wohnstift am Solebad zwischen 59 und fast 100 Prozent. Das sind viele Menschen, die Zuwendung und Ansprache brauchen, die die examinierten Pflegekräfte oft nicht in dem Ausmaß leisten können, wie es notwendig wäre.

Da ist Hilfe dringend gewünscht. Aber ausgesuchte: „Das A und O ist die Auswahl und die gute Ausbildung der Betreuungskräfte“, bringt Gabriele Kranemann vom Pflegebeirat die Forderungen der Einrichtungen auf den Punkt. Langzeitarbeitslose Pflegekräfte, die nicht mehr im Schichtdienst oder körperlich schwer arbeiten können, wären in den meisten Häusern schon willkommen. Angelernte, vielleicht sogar widerwillig kommende Menschen hingegen nicht. Denn da gibt es ja auch noch neben Bewohnern und Personal andere Menschen, die mit Sorge die Betreuung von Demenz-Erkrankten durch fachfremdes Personal sehen würden: „Ich glaube, dass auch die Angehörigen da mitreden würden“, so Schwester Vera. Umso sensibler müsste also die Auswahl der Betreuungskräfte erfolgen.

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