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Martin Pausch: "Es gibt definitiv Armut in Werne"

Interview mit Linke-Ratsherr

3,7 Prozent der Wählerstimmen konnte „Die Linke“ bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in Werne auf sich vereinen. Die Konsequenz: Martin Pausch zog als erster Vertreter der Partei überhaupt in den Stadtrat ein. Im Interview blickt er zurück auf seine ersten Monate als Ratsherr.

WERNE

, 15.11.2014
Martin Pausch: "Es gibt definitiv Armut in Werne"

Mit Martin Pausch ist zum ersten Mal ein Mitglied der Partei "Die Linke" Mitglied im Rat der Stadt Werne.

Am Anfang war ich natürlich sehr unsicher, aber mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Ich habe gemerkt, dass unsere Position wahrgenommen wird und Kompromisse möglich sind.

Im Wahlkampf gab es ein, zwei Leute, die am Infostand geschimpft haben. Aber sonst haben wir eigentlich eher Zuspruch erfahren.

Natürlich. Die Ratsvertreter hören mir genauso zu wie allen anderen Fraktionen auch, und auf meine Wortbeiträge wird auch eingegangen.

Wenn ich Fragen habe, kann ich mich an jeden Ratskollegen, egal aus welcher Partei, wenden. Ich bekomme stets Antworten und fühle mich von der Wahrnehmung her absolut auf Augenhöhe.

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Sie wird stärker. Wir bekommen mehr Mitglieder – derzeit sind es neun – und es gibt deutlich mehr, die an unserer Politik interessiert sind. Hätten wir bei der Kommunalwahl alle Wahlbezirke besetzen können, wären wir sicher über fünf Prozent bekommen.

Da ist das Problem der Tafel, die immer noch kein Zuhause hat. Oder die Situation der Flüchtlinge am Lindert, gerade jetzt im kalten Winter. Dabei haben wir doch viele leer stehende Wohnungen. Wenn deren Besitzerin diese Wohnungen für Saisonarbeiter zur Verfügung stellen kann, sollte das doch auch für Flüchtlinge möglich sein. Und dann natürlich Sim-Jü.

Es ist eine wunderschöne Kirmes. Aber nicht alle können sie genießen. Was spricht dagegen, dass Menschen, die es sich sonst nicht leisten können, ein Ticket bekommen, mit dem sie an einem Tag für drei Stunden alles ausprobieren dürfen?

Zugegeben: Da bin ich noch nicht richtig im Stoff, ich habe ja erst eine Sitzung im Finanzausschuss mitgemacht. Ich weiß, dass der Haushalt schmal ist. Aber ich glaube auch, dass in Werne mehr für arme Menschen getan werden kann.

Es gibt definitiv Armut in Werne. Das Problem ist, dass man hier gerne noch wegschaut. Aber Vorsicht: Hunger macht böse.

So einfach ist das nicht. Denn daran hängen nun einmal Arbeitsplätze.

Unsere Politik feiert doch, dass die Arbeitsplätze gerettet sind. Was nach 2016 ist, scheint keinen zu kümmern. Dabei haben wir dann zwei große Probleme.

AB Elektronik und Amazon. Da läuft nämlich der Mietvertrag aus. Aber wir müssen versuchen, diese Arbeitsplätze in Werne zu halten.

Es geht ums Soziale. Und dazu gehört auch, dass jeder Arbeit hat, die gerecht bezahlt wird.

Abwarten. Ich kenne das Insolvenzrecht, und was dort passiert, ist für mich keine Insolvenz, sondern eine Betriebsänderung. Deswegen kann man nicht einfach Leute entlassen. Die Mitarbeiter werden auf Wiedereinstellung klagen – wenn sie gewinnen, wird es richtig teuer.

Ich bin eigentlich ein typischer Sozialdemokrat. Wie viele andere habe ich mich wegen der Agenda 2010 von der SPD abgewandt, und wegen des ersten Jugoslawien-Krieges. Ich bin absolut gegen Gewalt. Und daraus ist die Linke eigentlich entstanden.

Die Linke will nicht den Kommunismus wieder einführen. Es wäre falsch, die Partei lediglich auf ihre Vergangenheit zu reduzieren. Leider wird das vor allem durch die Presse in Deutschland immer wieder getan.

Sie werden feststellen, dass die Linken in den neuen Bundesländern wesentlich demokratischer sind als ihre westlichen Kollegen. Wie in jeder Partei auch gibt es unterschiedliche Ausrichtungen.

Dazu möchte ich nichts sagen, weil diese Frage alles auf die Verbrechen reduziert. Es gibt ja auch Dinge, die von der DDR übernommen wurden – zum Beispiel das Prinzip der Kinderkrippen. Darüber redet niemand. Außerdem sollten in der Rückschau die Menschen im Mittelpunkt stehen, die die Revolution herbeigeführt haben – also das Volk, nicht die Politiker.

Es gab zwei dunkle Perioden in der deutschen Geschichte. Einmal die NS-Zeit, und dann die Zeit der DDR-Diktatur. Als die Mauer gefallen ist, habe ich mich gefreut.

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