Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Mit dem Helikopter auf Inspektionsflug entlang der Strommasten

STOCKUM Sieht man mal von dem ohrenbetäubenden Lärm des Rotors ab, hat Holger Wolff den ruhigsten Arbeitsplatz der Welt. Wenn der Pilot zum Steuer greift, sitzt die Crew des Robinson R44 bequemer als der Verwalter des vatikanischen Archivs. Dem Horizont entgegen im Kleinhubschrauber. Der Flug kann beginnen, die Inspektion der Strommasten beginnt.

von Von Daniel Claeßen

, 30.08.2008

Ohne Wackeln, ohne Zittern hebt der schwarz-gelbe "Kleinsthubschrauber" - so die offizielle Typ-Bezeichnung - von der grünen Wiese vor dem Gersteinwerk ab. In wenigen Sekunden überwindet das eiförmige Konstrukt aus Kohlefasern rund zweihundert Meter in der Vertikalen und ermöglicht den Blick auf den diesigen Horizont.

Fliegen und Gucken

Irgendwo hinter dem Gersteinwerk zeichnet sich das Bergwerk Ost ab, der Schwenk nach rechts lässt die Kirchtürme von Werne erahnen. Doch dafür hat Holger Wolff keinen Blick - er konzentriert sich auf das, was vor ihm liegt: Ein Hochspannungsmast. "Ganz oben liegen die Höchstspannungsleitungen, 380 000 Volt. Darunter die 220 000, ganz unten die 110 000."

Ganz langsam schiebt der Pilot den Helikopter an die Leitung heran. "Ich fliege nur, gucken müssen andere." Zwei weitere Mitarbeiter - mehr Platz bietet der R44 nicht - überprüfen vom Cockpit aus die Leitungen. "Wenn nötig, reparieren wir sie gleich hier." Hier ein aufgeplatzter Draht, dort eine mutwillige Beschädigung durch übereifrige Sportschützen: Für kleine "Schönheitskorrekturen" mit einer Aufdrehspirale bringt Holger Wolff den Hubschrauber noch näher an die Leitung. "Normalerweise habe ich fünf Meter Auslage auf beiden Seiten. Aber je nach Wetter sollte man aufpassen", weiß er aus zehnjähriger Erfahrung im "Leistungsbefliegen".8000 Masten und 2200 Kilometer Leitung

Wie ein Auto auf trockener Straße steuert Wolff das fliegende Ei um die grauen Kolosse des Gersteinwerks. Keine Windböe bringt den Piloten aus dem Konzept, während er 8000 Masten und 2200 Kilometer Leitung abfliegt. Würde RWE die Überprüfung am Boden durchführen, bräuchten die Teams statt sechs Wochen volle sechs Monate. Plötzlich kippt der Helikopter nach links, dreht ein und jagt vorwärts. "Reisegeschwindigkeit 180 km/h bei 240 PS", grinst der Pilot. Solche Gelegenheiten hat er während der Leistungsbefliegung nicht oft. "Da geht es von Mast zu Mast." Erst wenn auch der letzte Meter kontrolliert ist, kann sich Holger Wolff zurücklehnen und die Aussicht von seinem Arbeitsplatz genießen. Gegen den Lärm gibt es zum Glück Kopfhörer.

Lesen Sie jetzt