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Plastik hat bei Werner Händlern ausgedient – Kunden sind innovativ

Plastik-Müll

Werner Händler sagen dem Plastik den Kampf an. Neben Bäckereien und Supermärkten gilt das auch für die Markthändler. Schon jetzt kommen Kunden mit der Vorratsdose an die Fleischtheke.

Werne

, 21.08.2018
Plastik hat bei Werner Händlern ausgedient – Kunden sind innovativ

Im Café Kanne können sich Kunden auch einen wiederverwendbaren Coffee-to-Go-Becher besorgen - und erhalten sogar Rabatt. © Mario Bartlewski

An den Wagen der Verkäufer tummeln sich Hunderte Menschen auf dem Werner Marktplatz. Egal, ob Gemüse, Blumen oder Fleisch: die Auswahl ist groß. Für Christel Saremba sollen es am Dienstag Radieschen sein. Doch einpacken in Plastik? Das kommt für die Wernerin gar nicht in die Tüte.

„Wir produzieren alle so viel Müll, da muss ich jetzt nicht auch noch extra eine Plastiktüte mitnehmen. Das ist so einfach zu vermeiden“, sagt Saremba. Seit Jahren nimmt sie ihre eigene wiederverwendbare Tasche mit auf den Werner Markt. Der Umwelt zuliebe – und damit ist sie nicht alleine.

Händler suchen nach einer Plastik-Alternative

„Die Leute sind aufgeschreckt durch die Bilder und Berichte über den ganzen Plastikmüll in den Meeren“, sagt Susanne Hubracht, die mit ihrem Gemüsestand auf dem Marktplatz steht. Leinentaschen und Vorratsdosen sind bei ihren Kunden nahezu selbstverständlich. Deswegen lautet ihre letzte Frage stets: Haben Sie eine eigene Tasche dabei?

Auch am Stand für Käsespezialitäten bei Oliver Wulf ist die Nachfrage nach Plastiktüten gesunken. Das kurbelt er auch selbst mit an. Sein Trick: Die Plastiktüten nicht ins Sichtfeld der Kunden hängen. „Dann denken viele Kunden gar nicht daran, weil sie es auch eigentlich gar nicht brauchen.

Wer doch eine Tüte möchte, muss ein paar Cents dafür bezahlen. „Die Leute haben eine andere Wertschätzung dafür, wenn sie dafür etwas bezahlen müssen.“ Und oft, so Wulf, verzichten sie dann doch darauf – denn was geschenkt ist, nimmt man mit. Geht es ins eigene Geld, sei es auch ein noch so kleiner Betrag, denken Kunden oft erst über den Nutzen nach.

Plastik hat bei Werner Händlern ausgedient – Kunden sind innovativ

Horst Garritsen und Christel Saremba kaufen auf dem Markt ein – und haben ihre eigene Tasche dabei. © Mario Bartlewski

Und so beschränkt sich sein Plastikverbrauch auf ein Minimum. Beim Verpacken des Käses mit Frischhaltefolie kommt Wulf allerdings nicht um Plastik herum „Ich wäre dankbar für eine Alternative. Vielleicht findet sich da demnächst mal etwas.“

„Geht das so mit?“, heißt es auch wenige Meter weiter beim Lebensmittelhändler Overmann. Hier bringen einige Kunden sogar ihre Vorratsdosen mit zur Fleischtheke, um ihr Fleisch nicht in Plastiktüten mitnehmen zu müssen. „Das Bewusstsein der Kunden hat sich verändert – und das ist schön“, sagt Kai Schäper.

Junge Menschen haben den Anfang gemacht

Angefangen, erinnert sich Schäper, habe das zuerst mit jungen Menschen, die nicht darauf geachtet haben, was sie einkaufen, sondern auch wie es verpackt ist. Mittlerweile sei diese Idee aber auch bei seinen älteren Kunden angekommen.

Jahrelang hat Overmann deshalb sogar komplett auf Plastik verzichtet. Papiertüten sollten die Plastik-Konkurrenz verdrängen, doch Regen machte dieser Idee einen Strich durch die Rechnung – die Tüten rissen und so ging es in Sachen Plastik wieder einen kleinen Schritt zurück.

Sparen mit dem eigenen Kaffeebecher

Der größte und bekannteste Anteil an Plastikmüll geht wohl auf das Konto von Coffee-to-Go-Bechern. Und die sind gefragt wie eh und je. Zwar bieten die Werner Bäcker an, seinen eigenen Becher mitzubringen und auffüllen zu lassen, doch so richtig springen die Kunden bei der Bäckerei Holger Schmitz und in der Konditorei Telgmann noch nicht darauf an.

Vorreiter ist hier die Bäckerei Kanne: Hier gibt es zum Kaffee auch Mehrwegbecher zu kaufen – und den Kaffee gibt es, mit egal welchem eigenen Becher, zehn Cent günstiger. Das spart Plastik und schont den eigenen Geldbeutel.

„Oft sind die Leute noch zu bequem, um einen eigenen Becher mitzubringen, aber die Zahl nimmt immer weiter zu“, sagt Ramona Rohlmann, die in der Bäckerei arbeitet. Vorbereitet auf große Nachfrage ist man in Werne schon jetzt.

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