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Renate Müllers weiter Weg zum Bargeld

Sparkasse schließt in Werne zwei Filialen

Im Evenkamp schließen bald beide Sparkassen-Filialen. Für ältere Menschen wie Renate Müller wird das zum Problem. Sie ist auf einen Rollator angewiesen. Sie sieht ihre Lebensqualität in Gefahr.

Werne

21.02.2018
Renate Müllers weiter Weg  zum Bargeld

Wenn der Umbau der Hauptstelle am Markt abgeschlossen ist, werden die Filialen im Evenkamp geschlossen. © Daniel Claeßen

Mit ihren 87 Jahren ist Renate Müller noch richtig fit. Sie steht mitten im Leben. Nur mit dem Laufen klappt es nicht mehr so. Sie ist auf einen Rollator angewiesen. Bis zur Sparkassenfiliale an der Horster Straße und zurück zu ihrer Wohnung an der Breielstraße schafft sie es. Nun wird die Filiale geschlossen – ebenso wie die Filiale an der Stockumer Straße auf dem Köttersberg. Wenn der Umbau der Hauptstelle am Markt wie geplant Mitte des Jahres abgeschlossen sein sollte, werden die beiden Filialen im Evenkamp abgewickelt. Die Kundenfrequenz sei bei beiden nur gering.

Angst um Lebensqualität

Für RenateMüller ein Unding. Sie fürchtet um ihre Lebensqualität. „Ich bin sehr glücklich, dass ich noch so viel selber kann und total fit im Kopf bin“, erzählt sie. Dass sie im Moment, obwohl sie einen Rollator braucht, selbstständig Geld abholen und zum Briefkasten gehen kann, gehöre zu ihrem „Wohlbefinden“ dazu.

Renate Müllers weiter Weg  zum Bargeld

Renate Müller © Dominik Gumprich

In ihrer erreichbaren Nähe gibt es aber schon jetzt keinen Briefkasten mehr. Die Sparkassen folgen. „Eine Schließung könnte ich ja verstehen. Wenn doch aber wenigstens die Filiale an der Horster Straße offenbleiben würde“, sagt die 87-Jährige und schüttelt mit dem Kopf. Sie stünde mit ihren Problemen nicht alleine da. In ihrer Nachbarschaft würden viele ältere Menschen wohnen. „Wie sagt Joachim Fuchsberger: ,Alt werden ist nichts für Feiglinge‘“, zitiert Müller den Schauspieler.

Schon jetzt ist sie hin und wieder auf Hilfe angewiesen. „Wenn ich mal was habe, dann kann ich zu meiner sehr netten Nachbarin gehen, die mit mir schon mal zum Lidl nach Stockum zum Einkaufen fährt. Dort gegenüber an der Tankstelle kann ich auch meine Post abgeben“, erzählt Müller. Die Stufen in der Postfiliale in der Innenstadt an der Alten Münsterstraße komme sie nicht hoch. Die Innenstadt sei für sie eh nur per Taxi erreichbar.

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„Es wird immer gesagt, jeder soll so lange mobil und selbstständig sein, wie es geht. Auf der einen Seite wird ja auch viel für uns ältere Leute getan, aber dann passieren solche Dinge“, ärgert sich Müller. 1950 ist sie nach Werne gekommen. Der Liebe wegen. Viele Jahre hat sie hier im Einzelhandel gearbeitet. Sie ist in ihrem hohen Alter offen für Neues. Moderne Technik, wie zum Beispiel ein Computer schreckt sie nicht ab. Den hat sie, um mit ihrer Tochter in den USA zu skypen.

Onlinebanking keine Option

Warum also mit dem Computer kein Onlinebanking machen? „Damit fange ich nicht mehr an“, sagt sie und lacht. „Bargeld bekomme ich da auch nicht.“ Andere Menschen ständig nach Hilfe fragen, wo sie doch eigentlich noch so selbstständig ist, möchte sie nicht so gerne.

Sie hofft und appelliert an die Sparkassen-Verantwortlichen, dass an der Horster Straße wenigstens ein Geldautomat erhalten bleibt. „Die Politiker und alle anderen Verantwortlichen sollten mal an die alten Leute denken. Und damit meine ich nicht, ein Seniorenheim nach dem anderen zu genehmigen und zu bauen“, sagt Renate Müller.

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