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So sehr fühlt sich ein Flüchtling in Werne zuhause

Mamadou Bah aus Guinea

Er kam vor dem großen Flüchtlingsstrom und vielleicht war das sein Glück. Mamadou Bah hat am 1. August eine Ausbildung bei der Alfred Bereszynski GmbH in Werne begonnen. Drei Jahre, nachdem der heute 27-Jährige aus Guinea nach Deutschland kam. Es war ein langer Weg, durch den Norden Afrikas, durch halb Europa - und letztlich auch durch den Dschungel der Bürokratie.

WERNE

, 11.10.2016

Mamadou Bah scrollt über den Bildschirm seines Handys. Er will uns den Weg zeigen, den er zurückgelegt hat - "fast komplett zu Fuß", sagt er. Er tippt auf einen schwarzen Punkt: Conakry. Conakry ist die Hauptstadt Guineas. Sie ist mit mehr als eineinhalb Millionen Einwohnern die größte Stadt des westafrikanischen Landes. "Da bin ich geboren", erzählt Mamadou Bah. "Da habe ich Geschichte studiert." Sein Studium hat er nicht beendet. Mamadou zog los. Richtung Norden. Aus Angst vor dem Krieg, sagt er.

Laut Auswärtigem Amt zählt Guinea zu den ärmsten Ländern der Welt. 1997 kam es zum Bürgerkrieg, seitdem befindet sich das Land in der Wiederaufbauphase. Ein Land, das für Mamadou und viele andere keine Zukunft bot. Und in dem seine Mutter und seine zwei Schwestern auch heute noch leben.

"Gelaufen, immer nur gelaufen"

Fünf Jahre ist es her, dass sich der heute 27-Jährige auf einen langen, unsicheren Weg machte. Heute sitzt er am Tisch, entspannt, im Blaumann. In den Firmenräumen seines Arbeitgebers, der Alfred Bereszynski GmbH am Baaken, erzählt er uns, was er erlebt hat. Eine Geschichte zurechtgelegt hat er sich nicht. Mamadou kennt nicht jedes Detail, nicht mehr jede Stadt, die er in zwei Jahren Reise zurückgelegt hat. "Das ist schon so lange her", sagt er und lacht.

"Ich bin gelaufen, immer nur gelaufen." Es ging durch Mali, durch Mauretanien, durch Algerien - durch die Sahara, die größte Trockenwüste der Erde. "Du wachst morgens auf und siehst nur Sand. Das kannst du dir nicht vorstellen!" Eigentlich habe er nach Marokko gewollt, sagt Mamadou. "Doch dann war ich in Libyen." Mit einem Schlepper setzte er nach Griechenland über, ging zu Fuß durch Länder wie Bulgarien und Ungarn, fuhr mit dem Auto von Österreich nach Belgien. "Da hat man mich mitgenommen", sagt Mamadou.

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"Wollten ihm eine Chance geben"

Weil er in Belgien kein Asyl bekam, sei schnell klar gewesen: "Ich muss nach Deutschland." In Dortmund beantragte er Asyl, dann kam er nach Werne, besuchte einen Deutschkurs. Im Asylheim am Christophorus-Gymnasium, in dem Mamadou auch jetzt noch lebt, habe ein Mitarbeiter des Handwerkerbetriebs vor einiger Zeit eine Tür eingebaut, erzählt Yvonne Bereszynski, die mit am Tisch sitzt und den jungen Mann seit dem 1. August zum Metallbauer ausbildet.

"Mamadou wirkte wohl sehr interessiert, hat immer gefragt, wie das geht. Da hat unser Mitarbeiter ihm eine Visitenkarte gegeben." Kurze Zeit später rief das Arbeitsamt an. "Wir wollten ihm eine Chance geben und boten ihm einen Ausbildungsplatz an", sagt Bereszynski.

Aufenthaltsgestattung läuft bald aus

Doch so einfach war das nicht. "Wir haben die Ausländerbehörde angerufen, haben ein Schreiben geschickt, als Antwort darauf ein Formular bekommen, das Mamadou ausfüllen sollte. Wir haben gar nicht verstanden, was wir alles machen mussten", gibt die 31-jährige Metallbau-Meisterin offen zu. Ohne die Hilfe der Kreishandwerkerschaft wäre das nicht gegangen, sagt Geschäftsführerin Jutta Bereszynski. Doch der bürokratische Aufwand hat sich gelohnt.

"Super, toll, perfekt", sagt Mamadou auf die Frage, wie ihm sein Ausbildungsplatz gefalle. Der 27-Jährige strahlt, steht vom Tisch auf und geht zielstrebig durch die Werkstatt, vorbei an all den Geräten und Werkzeugen, deren Bezeichnung er sich beim Vokabeltraining am Wochenende aneignen musste. "Am Anfang haben wir Fotos von den Werkzeugen gemacht, damit Mamadou wusste, was wir meinen", erzählt Jutta Bereszynski.

Mamadou ist angekommen. In Werne, auf der Arbeit. Nur sein Status sagt etwas anderes. "Seine Aufenthaltsgestattung läuft im Februar 2017 aus", sagt Yvonne Bereszynski. "Dann muss sie alle drei Monate verlängert werden." Obwohl sein Ausbildungsvertrag dreieinhalb Jahre läuft.

Und dann? "Mal schauen", sagt Mamadou. Zurück in seine Heimat wolle er nicht mehr.

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