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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Werner Firma

GiMaTec im Wahrbrink

Seit Juli kein richtiges Gehalt mehr, nun bei der Sozialversicherung abgemeldet: Die zehn verbleibenden Mitarbeiter der einst so hoffnungsvoll gestarteten GiMaTec GmbH in Werne erleben derzeit einen Albtraum, an dessen Ende es obendrein noch ein böses Erwachen geben könnte.

WERNE

, 27.10.2016
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Werner Firma

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die GiMaTec Anlagenbau GmbH im Wahrbrink. Sie geht dem Anfangsverdacht einer Insolvenzverschleppung nach.

2011 war die Gießerei- und Maschinentechnik (GiMaTec) GmbH von Dortmund nach Werne gezogen, weil das alte Firmengelände im Hafen infolge des Envio-Skandals verseucht war. Der damalige Geschäftsführer Frank Bleker investierte 1,8 Millionen Euro in den Standort im Wahrbrink, wo 24 Mitarbeiter den Betrieb aufnahmen.

Ein Jahr später dann die Insolvenz, weil ein fest eingeplanter Auftrag in Höhe von 1,6 Millionen Euro verschoben wurde – das führte zu einem Liquiditätsengpass. Zwei Unternehmer aus Süddeutschland sprangen als Investoren ein, retteten Betrieb und Arbeitsplätze. Nach einem weiteren Eigentümerwechsel im Juli 2016 steht die Firma, die mittlerweile unter GiMaTec Anlagenbau GmbH firmiert, vor einer ungewissen Zukunft. Zwar gibt es erneut einen neuen Geschäftsführer, die Besitzverhältnisse sind jedoch undurchsichtig. Nach Auskunft der Mitarbeiter soll eine Firma mit Sitz auf Malta Hauptgesellschafter sein.

Die Fakten:

  • Im Juli erhielten die elf verbliebenen Angestellten nach eigener Aussage vom damaligen Prokuristen Thorsten Eller aus Duisburg 700 Euro bar auf die Hand – bei weitem nicht das reguläre Gehalt. Seitdem soll kein Geld mehr geflossen sein.
  • Ein Angestellter hat mittlerweile gekündigt, weil er einen neuen Job gefunden hat.
  • Zum 1. Oktober entschieden sich einige Angestellte, von ihrem Zurückhaltungsrecht Gebrauch zu machen und die Produktion einzustellen, bis der ausstehende Lohn gezahlt wird.
  • Am 11. Oktober erstatteten zwei Mitarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Geschäftsführer Hendrik Erwin Hammje und (seit 12. September) Thorsten Eller wegen Insolvenzverschleppung.
  • Am 21. Oktober wird Hammje, der in Zürich wohnen soll und dort mehrere Firmen besaß und besitzt, im Handelsregister als Geschäftsführer ausgetragen.  Thorsten Eller bleibt alleiniger Geschäftsführer, Prokuristin ist (seit Juli 2016) Anja Timm.
  • Am 26. Oktober erhalten die Beschäftigen die Mitteilung, dass ihr Arbeitgeber sie bei der Sozialversicherung zum 30. September abgemeldet hat. Ein offizielles Kündigungsschreiben gibt es nicht.
  • Am 27. Oktober strengen zwei Mitarbeiter am Arbeitsgericht Dortmund eine Feststellungsklage an, wonach sie immer noch Beschäftigte der GiMaTec sind.
  • Am gleichen Tag erhalten zwei Mitarbeiter im Rahmen eines Gütetermins vor dem Dortmunder Amtsgericht, zu dem die Arbeitgeberseite nicht erscheint, einen Pfandtitel gegen die GiMaTec. Damit ist zumindest der Gang zum Gerichtsvollzieher möglich. Zwei weitere Gütetermine sind für den 28. Oktober anberaumt.

Mitarbeiter befürchten Insolvenzverschleppung

Für die Mitarbeiter ist der Fall klar: „Hier will einer noch schnell das große Geld machen.“ Sie gehen davon aus, dass die GiMaTec ausgeschlachtet werden soll, um anschließend in die Insolvenz zu gehen. Vorher steht den Mitarbeitern kein Insolvenzgeld zu.  „Und später ist natürlich keine Masse mehr da, die Insolvenz wird abgelehnt.“ Die Angestellten, die schon jetzt von ihren Ersparnissen leben müssen, gucken dann in die Röhre. 

Dabei wären die Auftragsbücher ihrer Auskunft nach voll gewesen: „Das, was wir machen sollten, hätten wir mit dem Personal alleine gar nicht hinbekommen.“ Doch stattdessen blieben offenbar nicht nur Lohnzahlungen aus – auch der Firmenbulli wurde stillgelegt, das Firmenfahrzeug des Geschäftsführers wegen der Versicherungsprämien angemahnt. Kommt man heute auf das GiMaTec-Gelände, bietet sich ein trostloses Bild: Fertige Teile, die nicht mehr abgeholt werden – und keine Menschenseele. 

Staatsanwaltschaft überprüft Hinweise

Die Mitarbeiter wollen deshalb kämpfen und haben Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund gestellt. Deren Sprecher Elmar Pleus bestätigte auf unsere Anfrage: „Es sind Hinweise eingegangen, die wir nun überprüfen.“ Dabei handele es sich allerdings nur um den möglichen Straftatbestand der Insolvenzverschleppung. „Wir sind nicht dafür zuständig, einen Insolvenzantrag zu stellen.“ Das müssten Gläubiger am Amtsgericht tun. Pleus geht davon aus, dass die Ermittlungen Zeit benötigen werden – Zeit, die die Mitarbeiter möglicherweise nicht haben.

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