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„Medizinisches Wissen, gepaart mit Genialität“ führt ins Gefängnis

Werner Arzt erhält Haftstrafe

Nach einer Betrugs- und Untreue-Serie ist ein Arzt aus Werne zu einer mehr als dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Aus dem 64-Jährigen sei entgegen dessen Hoffnungen nicht der „Professor Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik geworden“, erklärte der Richter.

Werne/Bochum

, 08.05.2018
„Medizinisches Wissen, gepaart mit Genialität“ führt ins Gefängnis

Der Werner Arzt hatte eine Privatklinik übernommen und anschließend das Klinik-Konto geplündert. © Symbolbild dpa

Tiefer hätte der Fall wohl kaum noch sein können: Nach einer Betrugs- und Untreue-Serie ist ein Arzt aus Werne am Montag zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Dabei hätte nach Ansicht der Bochumer Richter auch alles ganz anders laufen können.

Das ganze Drama fing mit einer Pleite im Immobiliengeschäft an. Der heute 64-Jährige war auf einmal hoch verschuldet. Um sich daraus zu befreien, hatte er schließlich ein echtes Abenteuer gewagt. Er übernahm eine Bochumer Privatklinik, doch der Betrieb war alles andere als ein Selbstläufer. „Wir gehen davon aus, dass Sie an den Erfolg der Klinik geglaubt haben“, sagte Richter Markus van den Hövel. „Aber Sie sind dann eben doch nicht der Professor Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik geworden.“

Klinik-Konto geplündert

Das größte Problem sei die Unerfahrenheit des Angeklagten gewesen. „Sie waren wirtschaftlich nicht geerdet“, so van den Hövel. Ohne ein ökonomisches Gen könne eine Klinik nicht geleitet werden. Fakt ist: Weil die Patienten ausblieben, war der Arzt aus Werne schon kurz nach der Eröffnung dazu übergegangen, das Klinik-Konto zu plündern: Er bezahlte seine Schulden, hob zudem über 70.000 Euro in bar ab. Am Ende summierten sich die Überweisungen und Abhebungen auf fast 300.000 Euro. Damit war die Klinik laut Urteil praktisch sofort zahlungsunfähig.

Trotzdem sei der Betrieb aufrecht erhalten worden – zumindest auf dem Papier. In der Folgezeit wurden laut Urteil immer wieder Klinik-Aufenthalte und Behandlungen abgerechnet, die es gar nicht gegeben hatte.

Gesamtschaden von 460.000 Euro

Damit der Betrug nicht auffällt, wurden dazu jedes Mal Krankenakten angelegt und manchmal auch Essen bestellt, das gar nicht benötigt wurde. Der Gesamtschaden belief sich am Ende auf rund 460.000 Euro.

Die ärztliche Qualifikation wollten die Bochumer Richter dem 64-Jährigen allerdings nicht absprechen. Laut Richter van den Hövel zeichnet sich der Werner sehr wohl durch „medizinisches Wissen, gepaart mit Genialität“ aus. Ursprünglich war dem Angeklagten auch noch vorgeworfen worden, den Kaufpreis der Bochumer Klinik künstlich in die Höhe getrieben zu haben, um höhere Kredite zu erlangen. Das hatte sich jedoch nicht nachweisen lassen.

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