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Wertvolle Brieftaube aus Berlin gerissen

Nach 800 Kilometern

Wahrscheinlich wollte sie sich nur kurz ausruhen auf ihrem langen Rückflug von Frankreich nach Berlin und hat ihren Mörder nicht kommen sehen. Als Rüdiger Botteck am Freitagmittag den übel zugerichteten Kadaver vor seiner Haustür in Kirchhörde fand, kam für die Brieftaube aus der Bundeshauptstadt jede Hilfe zu spät.

DORTMUND

von Von Tilman Abegg

, 14.08.2010
Wertvolle Brieftaube aus Berlin gerissen

Rüdiger Botteck hält einen Fußring der Taube zwischen den Fingern. »684« ist die Nummer der Taube, die in Kirchhörde einen verhängnisvollen Zwischenstopp einlegte.

Sie war wertvoll, etwa 5000 bis 9000 Euro, sagt Rüdiger Botteck, das habe ihm der Berliner Züchter erzählt. Seit vier Jahren sei sie sehr erfolgreich geflogen. Aktuell habe der Züchter sie von Frankreich aus auf die 1200-Kilometer-Heimreise geschickt.

Er habe sich schon gefragt, wo sie bleibe. Eine Nachbarin hatte Botteck auf die zerfleischte Taube vor seinem Haus aufmerksam gemacht. Kein schöner Anblick: „Das muss ein Hund oder eine Katze gewesen sein. Vielleicht ein Fuchs.“ Botteck trug sie in seinen Garten, hub ein Loch am Fuß der Hecke aus und bestattete den Vogel. Ein paar Federn nahm er an sich – und die beiden Ringe an ihren Füßen. Botteck schmückte das Grab mit zwei Steinen und einem Stück Rinde, in das er eine der Federn steckte. Der eine Ring trägt den Identifikations-Code der Taube, der andere eine Berliner Telefonnummer. Botteck griff zum Telefon. Der Züchter, der bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen war, habe erschüttert auf die Nachricht seines Verlusts reagiert.

Er habe sich für die liebevolle Bestattung und Bottecks Vorhaben bedankt, die Federn und Ringe nach Berlin zu schicken. Und Botteck den Code auf dem Ring erklärt: „684“ stehe für die Taube, der Code „DV 09 574 90“ bezeichne ihre Herkunft. „Der Respekt vor der Schöpfung gebietet es, dieses Malheur würdevoll abzuwickeln“, sagt Rüdiger Botteck. Der Rentner und Chef der Dortmunder Kulturbühne sieht in dem Vorfall eine besondere Tragik: Beachtenswert sei doch, „dass über einen Reisevogel menschliche Kontakte über viele Grenzen Europas hinweg entstehen und gepflegt werden.“ Mit ihrem Tod hat die Taube einen letzten Kontakt geknüpft: Zwischen Kirchhörde und Berlin.

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