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Wie die Polizei unbekannte Leichen identifiziert

Fund im Rahmer Wald

Ein Spaziergänger hat am Sonntag im Rahmer Wald eine unbekannte skelettierte Leiche gefunden - jetzt steht fest: Die Leiche ist identifiziert worden, ein Fremdverschulden schließt die Polizei aus. Doch wie häufig hat die Polizei mit solchen ungewöhnlichen Fällen zu tun? Und wie sieht die Ermittlungsarbeit aus? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

DORTMUND

, 19.09.2017
Wie die Polizei unbekannte Leichen identifiziert

Ein Knochen, eingespannt in einem Schraubstock im Labor der Münchener Gerichtsmedizin: Separiertes Material ist Grundlage für eine Analyse, die Aussagen über die Herkunft eines unbekannten Toten ermöglicht.

Wer ist der oder die Tote aus dem Rahmer Wald?

Mit Rücksicht auf die Angehörigen möchte die Polizei keine weiteren Details zur Person und den genauen Umständen veröffentlichen.

Wie oft kommt es vor, dass die Polizei zunächst unbekannte Tote identifizieren müssen?

„Zum Glück sehr selten“, sagt dazu Polizeisprecher Oliver Peiler. Dass die Polizei nach einem Tötungsdelikt, einem Suizid, einem Unglück oder einem natürlichen Tod eindeutig ermitteln muss, wer der oder die Tote ist, gehört zu ihrem Auftrag. In den meisten Fällen ist die Identität eines Todesopfers schnell geklärt, weil persönliche Papiere oder Aussagen von Angehörigen vorliegen.

Wie geht die Polizei vor, wenn der Name eines Todesopfers nicht sofort feststeht?

Sie kann die ersten Informationen mit angezeigten Vermisstenfällen oder Verdachtsfällen auf ein Verbrechen abgleichen. Personenbeschreibungen und Bekleidung können bereits weiterhelfen.

Was ist, wenn eine Leiche bereits skelettiert ist?

Das erschwert die weiteren Ermittlungen, verhindert sie aber nicht. Der Verwesungsprozess ist stark von Witterung, der Lage des Leichnams und dem Untergrund sowie von Tierfraß abhängig. Dabei können Tage oder auch Monate vergehen. Dennoch bleiben Spuren, die in der Gerichtsmedizin und in einem Labor analysiert werden können. Für Finger- und Gebissabdrücke oder DNA muss es immer ein Gegenstück geben, um einen Vergleich ziehen zu können.

Gelingt das immer?

Sehr häufig, aber trotz moderner Analytik nicht immer. Ein Beispiel dafür ist das im Februar 2014 auf einem Brachgelände der Deutschen Bahn AG an der Bornstraße entdeckte Skelett einer männlichen Leiche. Gerichtsmediziner konnten den gewaltsam verursachten Tod des Unbekannten nachweisen. Allerdings gab es keine Hinweise auf die Identität des Mannes. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft beauftragte die Münchener Gerichtsmedizin mit einer Isotopen-Analyse.

Eine Spezialistin konnte nach der Untersuchung von Knochenmehl feststellen, dass der Unbekannte viele Jahre vor seinem Tod in Osteuropa (Raum Polen) gelebt haben muss. Die Behörden dort konnten mit dieser Information allerdings nichts anfangen – es gab keine Vermisstenmeldung, die auf das Alter und andere Merkmale wie die Größe des Mannes passte.

Wenn die Ermittlungen schwierig sind: Welche Methoden hat die Kriminalpolizei noch?

Inzwischen ist es sogar möglich, Gesichter nachzubilden. Im Vasa-Museum in Stockholm sind Gesichter von Besatzungsmitgliedern eines im 17. Jahrhundert untergegangenen Schiffs rekonstruiert worden. Auch in Deutschland wurden bereits dreidimensionale Gesichts-Modelle hergestellt, um verstorbene Unbekannte oder Verschollene identifizieren zu können. Grundlage dafür sind Schädelteile, bestenfalls Fotos und Erkenntnisse aus der Rechtsmedizin. Medizintechnik unterstützt den Aufbau eines Bildes.

Gibt es auch einfache Lösungen?

Persönliche Papiere wie der Personalausweis sind sehr hilfreich – und auch Öffentlichkeitsfahndungen mit Fotos. Allerdings veröffentlicht die Polizei die Fotos von Leichen nur sehr selten.

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