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Wie eine nette Nachbarin

WITTEN Überforderte Mütter und leidende Säuglinge - damit es so weit gar nicht erst kommt, sind in Witten seit einem Jahr zwei PatinnEN unterwegs. Sie besuchen ausgewählte junge Familien, ganz wie "eine Nachbarin oder Freundin".

von Von Susanne Linka

, 18.12.2007
Wie eine nette Nachbarin

Eva Poell (links,31) und Miroslawa Brandt (43) fühlen sich mittlerweile in ihrer PatinnEN-Rolle pudelwohl.

"Es ist etwas ganz anderes, ob das Jugendamt etwas anregt oder ob wir das machen", hat Miroslawa Brandt (43) inzwischen gelernt. Die Patin steht voll und ganz hinter ihrem Job, für den sie sich im letzten Jahr bei der QuaBeD (Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft der Diakonie EN) berufsbegleitend ausbilden ließ.

Versuchsballon

Es war ein Versuchsballon, den das Kreis-Gesundheitsamt und die QuaBeD damals losgelassen haben, und er ist gut geflogen. So gut, dass Miroslawa Brandt und ihre Kollegin Eva Poell (31) jetzt raus sind aus Hartz IV.

Sie haben jetzt gute Aussicht, ein weiteres Jahr lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu werden. Und nicht nur das: Mit Unterstützung der Job-Agentur werden nun für mindestens zwei Jahre weitere vier Stellen für PatinnEN eingerichtet. "Wir wählen die Frauen sorgfältig aus", erläutert Nicholas Mauczok, Kinder und Jugendfacharzt des Gesundheitsamtes, der den PatinnEN sowie den Familien mit Rat und Tat zur Seite steht. Ganz formlos, z.B. bei Begegnungen in der Krabbelgruppe.

Offen und kommunikativ

Er beschreibt die ideale Patin als offen und kommunikativ, Erfahrungen mit eigenen Kindern seien wertvoll, damit sie sie an die jungen Mütter weitergeben können, "aber ohne zu bevormunden", stellt Patin Poell klar, die selbst drei Kinder hat.

Vermittelt werden die jungen Familien derzeit von einer Beratungsstelle der Bundesstiftung Mutter und Kind im Gesundheitsamt. "Eigentlich könnten wir bis zu zehn PatinnEN beschäftigen", schätzt der Leiter des Gesundheitsamtes den Bedarf ein. Nachdem das Konzept sich als erfolgreich erwiesen hat, soll das Netzwerk jetzt erweitert werden, damit noch mehr junge Familien die Hilfestellung finden können, die sie benötigen. "Ich bin optimistisch", sagt Boschek. Das Wittener Jugendamt prüfe derzeit, ob es die PatinnEN nicht in seine Angebote integrieren kann.

"Nicht alles idyllisch"

"Es ist nicht alles idyllisch, was die PatinnEN vorfinden"; weiß der Leiter des Kreisgesundheitsamtes. In vielen betroffene Familien sind Süchte, Arbeitslosigkeit oder Überschuldung ein Thema. Schlimme Extremfälle haben die PatinnEN aber noch nicht erlebt. Doch wenn sie sich überfordert fühlen, stehen stets Experten im Hintergrund bereit.

"Die PatinnEN sind schon viel cooler geworden", lobt Kinderarzt Mauczok. In Erinnerung an Schlagzeilen über schlimme Schicksale aus anderen Städten ergänzt er allerdings: "Die Angst, irgendetwas Verhängnisvolles zu übersehen, werden auch die Fachleute niemals ganz los."