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Wie fühlen sich die Kinder?

QUERENBURG In Kindergärten gibt es viele Tests, die die Entwicklung der Kinder überprüfen.. Selten aber fragen wissenschaftliche Untersuchungen danach, wie Kinder sich fühlen. An dieser Stelle setzte jetzt Prof. Axel Schölmerich von der Arbeitseinheit Entwicklungspsychologie der Ruhr-Universität an.

31.10.2007

Einen Vormittag lang beobachtete er das Treiben an der Kindertagesstätte des Akademischen Förderungswerks (AKAFÖ) mit der Filmkamera und stellte seine Ergebnisse Eltern und Erzieherinnen vor. „Ich will die Aufmerksamkeit auf die emotionale Sicherheit der Kinder lenken, auf Konflikte und die Frage, wofür diese gut sind, auf spontane Synchronie im Verhalten, die oft ohne wörtliche Abstimmung geschieht“, so Schölmerich.

Sicherheit geben

Anhand eines kurzen Filmzusammenschnitts machte er den gespannten Eltern und Erzieherinnen in der KiTag Prozesse klar, die oft unbewusst ablaufen, für die emotionale Stabilität der Kinder jedoch einen hohen Stellenwert haben. Ein Beispiel war etwa das Mädchen, das am Morgen neu in die Gruppe kommt und sofort den Körperkontakt zur Erzieherin sucht; ihre Hand hält, sich auf ihren Schoß setzt. „Solche Handlungen geben den Kindern Sicherheit und sind Voraussetzung für offenes, soziales Verhalten“, erklärte der Professor.

Auch mal allein spielen

An weiteren Szenen aus dem Innen- und Außenbereich der KiTag des AKAFÖ machte Schölmerich die Wichtigkeit des freien Spiels der Kinder deutlich: „Sie sollten nicht permanent in der Gruppe sein und gefordert werden, sondern auch mal alleine spielen und ihren eigenen Rhythmus bestimmen.“ Immer wieder ließen sich im freien Spiel dieselben Muster feststellen: „Die Kinder fragen sich: ‚Wer gibt mir Sicherheit?’ ‚’Wen kann ich beobachten?’, ‚Mit wem kann ich mich abstimmen?“

Von Älteren lernen

Die Besonderheit der gemischten Altersgruppen in der uninahen Kindertagesstätte bewertete Schölmerich in der Diskussion insgesamt positiv: Jüngere ständen zwar mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Für die soziale Entwicklung sei das Prinzip „Jüngere lernen von Älteren“ jedoch durchaus sinnvoll. In Gruppen mit Kindern gleichen Alters seien die Kämpfe um die Rangfolge oft härter, Erzieher müssten dauernd regulieren. „Eine gemischte Gruppe ist ruhiger in der Veränderung ihrer Sozialstruktur“, so der Entwicklungspsychologe.

Männer gefragt

Ein unbeabsichtigter Nebeneffekt der Untersuchung war übrigens die Feststellung, dass männliche Bezugspersonen in Kindertagesstätten sehr begehrt sind. Der Professor stand sofort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. „Man muss sich fragen: Fehlt da was, weil Kindertagesstätten immer noch vornehmlich weiblich sind?“, folgerte deshalb Schölmerich.

Ob diese Frage in absehbarer Zeit beantwortet werden kann, ist nicht sicher. Alle Beteiligten waren jedoch von der Veranstaltung begeistert und hoffen auf baldige Fortsetzung.