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Wie viel Streit Kinder mitkriegen dürfen

Braunschweig. Wenn aus einem Paar ein Elternpaar wird, gibt es viele Streitgründe. Entscheidend ist, wie Eltern mit dem Streit vor den Kindern umgehen: Von konstruktiv ausgetragenen Konflikten können Mädchen und Jungen durchaus etwas fürs Leben lernen.

Wie viel Streit Kinder mitkriegen dürfen

Laute Diskussionen müssen manchmal sein: Eltern sollten bei solchen Wortgefechten aber darauf achten, dass die Kinder nicht dabei sind. Foto: Silvia Marks

Mal geht es ums Geld, mal darum, wer mehr Freizeit hat oder das meiste im Haushalt macht: In jeder Familie gibt es Streit. Doch wie trägt man Konflikte aus, wenn Kinder mit im Haus leben?

Bekommen es kleine Kinder noch gar nicht mit, wenn ihre Eltern sich in den Haaren liegen? Mitnichten: Kinder sind sehr feinfühlig, was Mimik, Gestik und Stimmlage betrifft. „Zu glauben, dass Kinder es nicht merken, wenn die Eltern sich streiten, ist sicherlich nicht der Fall“, erklärt Psychotherapeutin Karin Kutz.

Eltern sollten sich deshalb generell bemühen, vor kleinen Kindern bis zum Grundschulalter nicht zu streiten: „So junge Kinder können den verbalen Inhalt noch gar nicht aufnehmen. Sie sehen nur wütende Gesichter, vielleicht wird es sogar laut, und das ist für kleine Kinder extrem bedrohlich“, sagt Kutz.

Runterschlucken müssen Eltern ihre Wut aber auch nicht: Sie sollten mit dem Partner einfach verabreden, das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen - wenn das Kind nicht dabei ist.

Streit lässt sich grob gesagt in zwei Kategorien einteilen: konstruktiven und destruktiven. Bei konstruktivem Streit diskutieren verschiedene Parteien über ein Problem und suchen gemeinsam nach einer Lösung. Bei destruktivem Streit versucht jedoch der eine, den anderen niederzumachen oder ihn zu unterdrücken: „Wenn es in Richtung Schimpfworte oder Beleidigungen geht, dann ist es ein Streit, aus dem nur Verlierer herausgehen“, erklärt Familien-Mediator Detlef Jahn.

Beobachten Kinder konstruktiven Streit, können sie lernen, wie man mit Situationen umgeht, die einem nicht passen - zum Beispiel Unpünktlichkeit. Kommt ein Freund viel zu spät, kann ihm das Kind von seinem Ärger darüber erzählen. Grundsätzlich ist Streitkultur etwas, mit dem man nicht geboren wird. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder dies in einem gesicherten Umfeld wie der Familie üben.

Kinder sollten außerdem mitbekommen, dass es verschiedene Ansichten geben kann: „Kinder lernen am meisten am Vorbild. Gut ist, wenn sie mitbekommen, wie man für die eigene Meinung eintritt“, sagt Elternberaterin Felicitas Richter.

Ein weiterer Aspekt ist die Rolle des Kindes innerhalb des Streits. Das Kind darf weder das Gefühl haben, dass es schuld an dem Streit sei, noch sollte es in den Streit hineingezogen werden. „Eltern sollten ihrem Kind im Streit erklären, „Pass auf, es geht jetzt gerade nicht um dich, sondern wir streiten uns um die Unordnung im Haus““, nennt Richter als Beispiel.

Gefährlich wird es, wenn ein Elternteil versucht, das Kind auf seine Seite zu ziehen: „Denn dann gerät das Kind in einen Loyalitätskonflikt“, sagt Richter. Außerdem darf keiner Sohn oder Tochter als Druckmittel gegenüber dem Partner benutzen à la „Siehst du, weil du nie zu Hause bist, ist das Kind jetzt sitzengeblieben“. Das schade der psychischen Entwicklung.

Kinder dürfen niemals als Anwalt oder als Beistand in einem Streit Eltern missbraucht werden, ist auch Jahns Ansicht: „Ich habe extra Missbrauch gesagt, weil das eine Leistung ist, die Kinder nicht erbringen können.“

Wenn die Eltern merken, dass sie es alleine nicht schaffen, ihren Streit beizulegen, können Paarberater oder Mediatoren helfen. Denn auf lange Sicht gesehen, so Kutz, leiden Kinder unter Dauer-Streit der Eltern mehr als unter einer Trennung.

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