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Wie werde ich Servicefahrer/in?

Hameln/Bonn. Ankommen, abliefern, abfahren: So läuft es bei Servicefahrern nicht. In ihrem Job geht es auch darum, Kontakt zu Kunden zu halten. Die Zahl der Auszubildenden geht allerdings zurück, unter anderem weil es reichlich Konkurrenz gibt - aus anderen Branchen und der Zukunft.

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Planen und Packen: Auch das richtige Beladen der Lkw gehört zur Ausbildung. Foto: Peter Steffen

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2018: Tipps für die Zukunft:  Andreas Bernacisko (rechts) im Gespräch mit seinem Ausbilder Dirk Edler. Foto: Peter Steffen

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Kleidung auf dem Weg zum Kunden: Wer wie Andreas Bernacisko eine Ausbildung zum Servicefahrer macht, sollte keine Scheu vor Menschen haben. Foto: Peter Steffen

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Angehende Servicefahrer sollten gut und gerne fahren - zu dem Job gehört aber noch mehr. Foto: Peter Steffen

Den ganzen Tag drinnen zu sitzen, das ist nichts für Andreas Bernacisko. Er ist gerne unterwegs und kommt mit Menschen ins Gespräch.

Die Ausbildung als Servicefahrer bei MEWA in Hameln bietet beides: Einerseits geht es darum, Waren pünktlich auszuliefern. Anderseits haben Servicefahrer die Aufgabe, Kundenkontakte auf- und auszubauen. Bernaciskos Arbeitgeber ist der MEWA Textil-Service in Hameln. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wiesbaden liefert Berufskleidung, Putztücher, Handtuchrollen und Fußmatten an Unternehmen, wäscht und pflegt diese.

Aufgabe der Servicefahrer bei MEWA ist es, einmal pro Woche dreckige Textilien abzuholen und saubere auszuliefern. „Da kann eine geniale Kundenbindung entstehen“, sagt Jens Edler, Ausbilder und Leiter der MEWA-Fuhrparklogistik in Hameln. Die Azubis lernen Touren zu planen, Waren zu prüfen, Fahrzeuge sicher zu beladen und Lieferscheine sowie Reklamationen anzunehmen. Aber Kilometer zu schrubben, ist nicht alles. „Derjenige, der eigentlich nur Lust hat zu fahren, sollte Berufskraftfahrer werden“, sagt Edler. Bei Servicefahrern seien die Touren in der Regel kürzer als bei Kraftfahrern. Ein Servicefahrer bei MEWA sei nur ein bis zwei Tage unterwegs und werde nachts im Hotel untergebracht.

Auch die Bezahlung der Servicefahrer sei besser, betont Edler: Bei MEWA verdienen sie als Berufseinsteiger im ersten Jahr laut Tarifvertrag zwischen 2200 und knapp 2600 Euro. In der Ausbildung bekommen Servicefahrer laut Bundesagentur für Arbeit und je nach Bundesland zwischen 619 und 675 Euro im ersten und 688 bis 745 Euro im zweiten Lehrjahr.

Meist arbeiten Servicefahrer bei mittelständischen Unternehmen: Sanitätshäuser, Anbieter von Tiefkühlkost, Lebensmittelhändler oder Wäschereien. Die Ausbildung gibt es seit 2005. Mit 60 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Jahr 2016 ist der Servicefahrer einer der kleineren Ausbildungsberufe - Tendenz sinkend. 2008 waren es noch 213, berichtet Johanna Telieps vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Sie vermutet, dass die sinkenden Zahlen mit der Konkurrenz durch andere Ausbildungswege zu tun haben – unter anderem gibt es die wesentlich schneller zu absolvierende Prüfung Grundqualifikation an der IHK.

Im Vergleich zum dreijährigen Weg zum Berufskraftfahrer ist die Ausbildung zum Servicefahrer mit ihren zwei Jahren aber wiederum spürbar kürzer. Dadurch, dass die Ausbildung nicht so theorieintensiv ist, sei sie auch für eher praktisch begabte Schüler geeignet, so Telieps.

Vor allem größere, international aktive Systemlogistiker, die nur geringe Löhne zahlen wollen, suchen ihre Mitarbeiter jedoch eher im ungelernten Bereich, sagt Reinhard Kuhn, Geschäftsführer von Optimal Kurier in Freiberg am Neckar. Er ist Mitglied des Bundesverbands der Kurier-Express-Post-Dienste (BdKEP) und engagiert sich dafür, dass Arbeitsbedingungen verbessert und Mitarbeiter besser qualifiziert werden. „Die Branche hat keinen guten Ruf“, erklärt Kuhn.

Gerade im Bereich der Kurier-, Express- und Post-Dienste seien jedoch Spezialisten gefragt, die sich mit den aktuellen Herausforderungen beschäftigen. In den vergangenen zehn Jahren sei durch die rasante Entwicklung des Online-Handels die Zahl der Einzelsendungen gestiegen. Der klassische Speditionsbetrieb sei darauf nicht ausgerichtet. Hinzu komme die Digitalisierung der Branche: Fahrer müssen mit Scanner, Smartphone und digitalisierten Systemen umgehen können. Einzelne Lieferungen digital zu verfolgen, sei die große Herausforderung, sagt Kuhn. „Die Praxis hat sich extrem verändert.“

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